In Australien kennt den Namen Macquarie jedes Känguruh: Lachlan Macquarie war von 1810 bis 1821 Gouverneur der britischen Kolonie New South Wales und gilt als einer der Gründerväter Australiens (hier sein Wikipedia-Eintrag).
Hierzulande dagegen ist der australische Nationalheld höchstens ein Nischen-Promi. Auch die Bank, die seinen Namen trägt, war bis vor wenigen Tagen vor allem jenen beneidenswerten Zeitgenossen ein Begriff, die ihr Geld in australische Investments gesteckt haben. Beneidenswert deshalb, weil sich australische Aktien dank der robusten Konjunktur Down-Under prächtig entwickeln, wie die FAZ im April erst wieder feststellte.
Doch in den vergangenen Tagen ist die Investmentbank mit dem patriotischen Namen plötzlich gleich zweimal an prominenter Stelle in der Wirtschaftspresse aufgekreuzt: Erst kauft ein Konsortium unter Führung der Aussies dem deutschen Stromriesen RWE den englischen Wasserversorger Thames Water ab (hier die ursprüngliche Meldung, hier der Niederschlag in der Wirtschaftspresse), dann zeigen die Känguruh-Banker auf einmal Interesse an dem hessischen Strom- und Wasserzähler Techem (hier die Meldung).
Der nicht in australischer Geschichte bewanderte Leser fragte angesichts des komplizierten Schriftbildes irritiert: “Mac…wie?”. Dabei haben die Banker von Down-Under diese Anonymität nicht verdient, denn Macquarie ist aus bescheidenen Anfängen zu einem internationalen Schwergewicht gewachsen. In einem Porträt des Macquarie-Chefs Allan Moss (steht leider nicht online, hier zur Zusammenfassung in der Tagespresseschau vom 24.10.2006) taxiert das Handelsblatt den Wert des Unternehmens auf weit mehr als 30 Mrd Euro. Seine Anleger an der australischen Börse erfreute das Institut nach einem Bericht von finanzen.net erst neulich mit stattlichen Gewinnaussichten.
Von dem alten Lachlan Macquarie haben die Aussie-Banker viel mehr als nur den Namen geerbt. Der Gouverneur erwarb seinen bleibenden Ruhm damit, dass er sich um die Infrastruktur der damaligen Gefängniskolonie verdient machte: Er baute im großen Stil Straßen, Brücken, Werften, Kirchen und öffentliche Gebäude. Und diese Vorliebe für Infrastuktur-Projekte zeichnet die nach ihm benannte Bank heute wieder aus: Ob Wasser- oder Stromversorgung, Straßen- oder Luftverkehr: Nach einem Bericht der Wirtschaftswoche (gefunden bei Yahoo Finanzen) hat Macquarie bereits mehr als 20 Mrd Euro in über 90 Infrastrukturprojekte auf der ganzen Welt investiert.
Und verdient an diesen langfristig angelegten Investitionen – siehe oben – prächtig. In einem (leider nicht online veröffentlichten) Artikel der Süddeutschen Zeitung charakterisiert Urs Wälterlin Macquarie als glamouröseste australische Bank, bei der Gerüchten zufolge nicht einmal die Sekretärinnen weniger als 600 000 Euro im Jahr verdienen. Der öffentlichkeitsscheue Macquarie-Chef Allan Moss soll 2005 über 20 Mrd Aussie-Dollar verdient haben, zeichnet dafür aber auch für eine beeindruckende Erfolgsgeschichte verantwortlich: Macquarie kontrolliert Infrastruktur-Anlagen wie die Flughäfen Sydney und Budapest, eine mautpflichtige Autobahn im US-Bundesstaat Virginia und ein Gasverteilsystem in Großbritannien. Den Marktwert der Bank schätzt Wälterlin auf 18,5 Mrd australische Dollar und beglückwünscht Investoren, die bei der Emission von Macquarie-Aktien im Juli 1996 zugegriffen haben: Das Papier ist seitdem um satte 1040% gestiegen.
Im ehemaligen Mutterland machten die Aussies zuletzt allerdings Schlagzeilen der weniger glorreichen Art: Ihr Angebot für die Übernahme der Börse London Stock Exchange (hier der Bericht aus dem Handelsblatt) lehnten deren Manager im Dezember 2005 als “lächerlich” ab.
David Wengenroth



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