In der Buchbranche wird seit Jahren darüber gestritten, ob die Verlage ihr Tafelsilber in die Datenbanken von Google oder Amazon einspeisen sollen – beide Online-Unternehmen bieten ihren Nutzern an, per Volltextsuche in hunderttausenden von Büchern zu recherchieren. Und obwohl beide Büchersuchen oft nur Miniausschnitte aus Büchern ausspucken (sog. “snippets”), sind die Befürchtungen im Lager der Verlage groß.
In der Film- und Fernsehbranche ist die Diskussion, wie viel (oft urheberrechtlich geschützter) Content auf den Seiten der Sender selbst oder bei Online-Video-Portalen wie YouTube.com oder myvideo.de zu sehen sein darf, demgegenüber gerade erst entbrannt. So verhandelt beispielsweise der US-Medienkonzern Time Warner mit YouTube – und seit der Übernahme durch Google wohl mit den Chefsuchern selbst – über die Einhaltung von Urheberrechten. Vorwurf von Warner: Regelmäßig werden auf der Seite urheberrechtlich geschützte Filme veröffentlicht (hier die Meldung von spiegel.de zum Thema).
In dieser juristisch unsicheren Situation die Flucht nach vorne anzutreten und Fernseh-Produktionen auf der eigenen Homepage kostenlos anzubieten, erscheint gerade zu kühn – besonders, wenn es sich um ein öffentlich-rechtliches Unternehmen handelt. So hat gerade Robert Amlung, seit August Leiter der Hauptredaktion Neue Medien beim ZDF, angekündigt, die Kontrolle über die Urheberrechte fürs ZDF-Programm in begrenztem Maße aufzugeben. Zuschauer sollen die Möglichkeit erhalten, online verfügbare Videos nach eigenem Gusto zu verwerten. “Das wäre eine kleine Revolution“, kommentiert die Süddeutsche Zeitung. Auch bei Portalen wie Youtube sollen ZDF-Filme künftig zu finden sein. Hintergedanke der Mainzer: Das Durchschnittsalter der ZDF-Zuschauer soll drastisch gesenkt werden – wie bitter: Selbst bei der Teenie-Sendung „Bravo-TV“ (2003 und 2004 beim ZDF, seit 2005 bei Pro Sieben) lag der Altersschnitt bei 46 Jahren; das Durchschnittsalter der öffentlich rechtlichen Zuschauer lag 2005 bei 58 Jahren.
Zwar sind die rechtlichen Hürden auch in Mainz ziemlich hoch – die meisten Videos werden fremdproduziert, so dass das ZDF dafür keine Rechte besitzt. Demgenüber scheint zumindest die technologische Seite unkompliziert zu sein. Denn mit der ZDF-Mediathek besitzt das ZDF bereits ein Portal mit Videostreams, Bilderserien und Flash-Animationen. Laut Süddeutscher Zeitung umfasst die Mediathek rund 50.000 Ausschnitte aus dem ZDF-Programm.
So kühn die Pläne der Lerchenberger wirken, verglichen mit der Vision der britischen BBC erscheinen sie wie Sandkastenspielchen. Im April hat Mark Thompson, Generaldirektor der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt, mit einer viel zitierten Rede (hier die Zusammenfassung der BBC) einen Ausblick auf die Zeit bis 2012 gegeben. „Die zweite digitale Welle wird viel eingreifender sein als die erste und die Fundamente der traditionellen Medien wegschwemmen“, lautete die nicht ganz ohne Pathos vorgetragene Bilanz von Thompson. Selbstkritisch räumte Thompson ein, dass die BBC Gefahr laufe, eine ganze Generation zu verlieren, wenn sie sich dem Wandel nicht anpasse. So soll die reichweitenstärkste Webseite Europas konsequent zu einem Online-Medienangebot ausgebaut werden. Teil dessen ist ein Creative Archive (nach einer monatelangen Pilot-Phase derzeit wegen interner Tests auf Standby), aus dem BBC-Zuschauer Beiträge auf den eigenen Computer laden, in die eigene Homepage oder das eigene Weblog einbetten können. Einzige Bedingungen: Die BBC muss als Urheberin erkennbar bleiben, außerdem darf die Nutzung nicht kommerziell sein.
Daniel Lenz



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