Der weltweit marktführende Autovermieter Hertz geht an die Börse. Wie z.B. bei n24.de nachzulesen ist, soll der Auswurf von 88,2 Mio Aktien (28%) zu je 16 bis 18 Dollar das hübsche Sümmchen von bis zu 1,82 Mrd Dollar einbringen. Bis hierhin möchte man sagen: Na dann, hertzlichen Glückwunsch. Aber die Gratulation ginge an die falsche Adresse, und hier wird die Geschichte interessant: Das Unternehmen selbst wird von dem frischen Börsengeld keinen Cent sehen.
Wie’s kommt? Vor 10 Monate haben die drei Finanzinvestoren Clayton Dubilier & Rice, Carlyle und Merrill Lynch den Autovermieter Hertz vom US-Auto-Riesen Ford gekauft. Der Kaufpreis betrug 5,6 Mrd Dollar, von dem die drei Investoren selbst 2,3 Mrd Dollar aufbrachten und den Rest fremdfinanzierten. Ein halbes Jahr nach dem Deal genehmigten sie sich dafür einen ordentlichen Schluck aus ihrer neuen Pulle, indem sie sich eine Sonderdividende von 1 Mrd Dollar auszahlen ließen. Geld, dass Hertz sich durch einen Kredit besorgen musste.
Sinn und Zweck des geplanten Börsenganges ist nun in erster Linie, diesen Kredit zu tilgen. Was darüber hinaus übrig bleibt, soll wiederum als Sonderdividende an die Eigentümer gehen, die außerdem jeweils 24% der Hertz-Aktien behalten. “Damit hätten die Private-Equity-Firmen in weniger als einem Jahr 62% ihres ursprünglichen Investments zurückverdient, ohne dass sie Anteile abgeben mussten”, analysiert die Neue Zürcher Zeitung (in einem leider nicht online erschienenen Artikel). So schnell und so aggressiv habe bisher noch kein Finanzinvestor “seine Beute ausgenommen”, meint die NZZ.
Der Fall scheint klar zu sein: Die Heuschrecken werden immer gieriger. In Wirklichkeit aber sind die Hintergründe der Hertz-Aktion komplizierter. Denn der Analyse der NZZ muss man hinzufügen: Kaum ein Finanzinvestor hat sich bisher auch einen derart großen Brocken vorgenommen. Dass die drei Hertz-Käufer für den Kaufpreis 2,3 Mrd Dollar aufbrachten, ist nämlich nur die halbe Wahrheit, oder besser gesagt knapp ein Viertel davon: Zusätzlich zum Kaufpreis übernahmen die PE-Firmen auch noch 9,4 Mrd Dollar Schulden des Mietauto-Riesen. Mit seinem Gesamtvolumen von 15 Mrd Dollar war der Hertz-Deal eine der bis dato größten Private-Equity-Übernahmen.
Wie die FAZ anschaulich darstellt, geraten die Herren Heuschreck & Co. durch solche Riesen-Deals ihrerseits unter Druck: Weil es für sie bei Geschäften dieser Größenordnung schwierig wird, den Schnitt zu machen, den ihre Anleger von ihnen erwarten. Weltweit operierende Großunternehmen wie Hertz (laut Wiwo 7600 Niederlassungen weltweit, 31,8 Mrd Dollar Umsatz im ersten Halbjahr 2006) erleben keine exorbitanten Wertsteigerungen innerhalb weniger Jahre, wie sie bei kleineren Unternehmen vorkommen. Außerdem sind die Aussichten, sie gewinnbringend wieder loszuwerden, nicht sehr groß, denn der Kreis potenzieller Käufer ist überschaubar.
Die Ursache solcher “Quick Fipps” (Weiterverkäufe oder Börsengänge in den 24 Monaten nach der Übernahme) wie dem der Hertz-Eigentümer ist also weniger die Gier als mehr die Gigantomanie der Firmenjäger. Und deren Ende ist nicht abzusehen. Wie auch: Angesichts ihrer glänzenden Renditen werfen Anleger den Finanzinvestoren das Geld geradezu hinterher. Und die nutzen es für immer größere Deals. Vorläufiger Höhepunkt: Ende Juli kaufte ein Konsortium um Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und Bain Capital für 33 Mrd Dollar den US-Klinikbetreiber HCA. In Deutschland sind sogar DAX-Konzerne nicht mehr vor dem Zugriff der PE-ler sicher: Bei Continental sollen sie unlängst schon angeklopft haben (hier ein Bericht von finanzen.net)
Mit Blick auf diese Entwicklung fürchtet die Zeit, dass das Geschäft der Finanzinvestoren heiß laufen könnte. Wenn man ihren Zugang zu Fremdkapital mitrechne, verfügten sie über die geballte Wirtschaftsmacht von fast 1,5 Billionen Dollar. Das Risiko der PE-Investments lande immer öfter bei den übernommenen Unternehmen, bei Banken oder bei Anlegern. Folge: Wenn ein Firmenjäger durch fehlgeschlagene Riesen-Deals in Schieflage gerate, werde die Krise hohe Wellen schlagen, menetekelt die Zeit. In der Welt sieht Michael Phillips, Deutschland-Chef des Finanzinvestors Apax, das dagegen ganz anders: Auf dem Kreditmarkt herrsche “fundamentale Stabilität“. Außerdem verteile sich das Risiko heute auf viel mehr Schultern (Banken, Fonds, Investoren) als noch vor einigen Jahren.
Bleibt zu hoffen, dass der Invest-Man mit seiner Einschätzung richtig liegt, denn andernfalls könnte bald nicht nur Hertz bluten müssen.
David Wengenroth



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