Oh wie schön ist Panama

Vor einem Monat haben Analysten gnadenlos auf das Schwächeln der Suchmaschine Yahoo reagiert. Kaum hatte das Unternehmen für die zurückliegenden 3 Monate einen Gewinneinbruch von einem Drittel (auf 158 Mio Dollar) vermeldet, stuften die Wertpapierexperten die Aktie von “outperform” auf “market perform” herab. Um die Aktionäre milde zu stimmen, räumte Yahoo-Chef Terry Semel zwar ein, dass er mit den Ergebnissen des 3. Quartals unzufrieden sei – stellte aber die Einführung des neuen Systems zur Werbeschaltung „Panama“ in Aussicht, mit dem mittelfristig „bedeutsame finanzielle Fortschritte“ für die Ertragsstärke seines Unternehmens erzielt werden könnten.

Dass die Nerven in der Yahoo-Etage – jenseits aller Anküdigungseuphorie – angespannt sind, zeigt ein internes Memo von Yahoo-Vizepräsident Brad Garlinghouse (Foto: Yahoo), das an die Öffentlichkeit gelangt ist (beim Wall Street Journal nachzulesen). Darin beklagt sich Garlinghouse über die Strategie von Yahoo, mit dem eigenen Angebot möglichst alle Themen und Technologien im Internet abdecken zu wollen, statt sich zu konzentrieren. Der Manager vergleicht dies mit einer dünnen Schicht Erdnussbutter, die über das gesamte Angebot gestrichen werde. “Ich hasse Erdnussbutter. Was wir alle tun sollten”, so Garlinghouse.

Interessant am Manifest ist nicht nur der Inhalt – Garlinghouse empfiehlt unter anderem eine “radikale Neuorganisation” (sprich: Stellenabbau, klare Zuständigkeiten) und die “Fokussierung auf eine Vision” -, erstaunlich sind auch die Reaktionen in der Medienwelt. Zwar haben auch die Printmedien vereinzelt darüber berichtet, heute etwa die Financial Times Deutschland (hier der Artikel, der sich übrigens bei einem aufschlussreichen, leider nur nach Registrierung lesbaren Artikel der New York Times bedient, ohne die Quelle zu zitieren).

Doch kein Vergleich zur Resonanz unter den Bloggern: Über 1000 Resultate zeigt die Blogger-Suchmaschine technorati.com für “Garlinghouse” an. Die Diskussionen unter den Bloggern kreisen beispielsweise um die Frage, ob das Manifest absichtlich an die Öffentlichkeit gelangt ist oder nicht – gerade in der Öffentlichkeitsarbeit von New Economy-Firmen wird normalerweise heiße Luft hin- und hergeschoben, um den Wettbewerbern bloß keinen Blick auf die eigenen Schwachstellen zu gewähren. Vielleicht gibt die offizielle Yahoo-Funktions-Beschreibung von Garlinghouse einen Hinweis: Dieser sei zuständig für “Communications, Communities, and Front Doors“.

Während sich Wogen um Yahoo in der Printpresse schon spätestens wenigen Wochen gelegt haben werden, dürften die Debatten der Blogger kaum abreißen. Es sei denn, ein Google- oder Microsoft-Manager setzt ein internes Mail-Manifest auf.

Daniel Lenz

0 Kommentare zu “Oh wie schön ist Panama”


  1. Keine Kommentare

Kommentar schreiben




Internationale Wirtschaftsnachrichten