Killerinstinkt adé

Mit Mordsgeschäften kennt Rupert Murdoch sich aus, er macht ja beinahe täglich welche. Das geplante Buch “If I did it” (“Wenn ich es getan hätte”) von OJ Simpson wäre sicherlich auch eines geworden. Doch Murdoch scheint sein bisher so sicherer Killerinstinkt im Stich gelassen zu haben.

Es muss eine schwere Entscheidung für den Medien-Tycoon gewesen sein, das Buch zurückzuziehen (hier die Meldung zum Rückzug aus der Wiener Zeitung). Das Herz wird ihm geblutet haben wie die Kopfverletzungen von Nicole Brown Simpson. Und zwar nicht nur des schönen Geldes wegen, das ihm durch die Lappen geht. Selbst als größter Medien-Tycoon der Welt hat man nicht alle Tage Gelegenheit, so schön Skandal zu machen. Simpsons Beichte von hinten durch die Brust zwischen die Augen – das wäre schon ein hübsches Krönchen für den König der Krawall-Medien gewesen.

Aber Murdoch ist weich geworden wie die Jury in Simpsons Mordprozess. Schade um den schönen Skandal, schade auch für jene Leser, die schon gern gewusst hätten, wie OJ seine Ex-Frau und ihren Liebhaber nicht umgebracht hat. Aber vielleicht findet sich in Murdochs Imperium ja doch noch eine Verwendung für den nicht-geständigen Doppelmörder und seine fiktive Anti-Biografie: Ein hübscher Auftritt im Online-Poesiealbum Myspace zum Beispiel. Da weiß man auch nie, ob das eigentlich stimmt, was die Leute so schreiben.

David Wengenroth

Als Postkriptum ein Klicktipp: myspace.com/murdoch_rupert

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