Deutsche Börse flirtet mit trojanischem Pferd

An dieser Stelle muss einmal eine Lanze für die Deutsche Börse gebrochen werden. Immer hacken die Journalisten auf de Frankfurtern herum – weil weder die Londoner Stock Exchange noch die Mehrländerbörse Euronext mit den Hessen anbandeln wollten. Doch im Eifer des überkritischen Gefechts haben die Kollegen einen entscheidenden Schritt der Deutschen Börse jenseits der Landesgrenzen vollkommen übersehen. Denn gerade haben die Frankfurter eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, die es in sich hat.

Nach einer Pressemitteilung wollen die Deutsche Börse und die RFCA künftig kooperieren. Wer sich hinter der RFCA verbirgt? “Agency of the Republic of Kazakhstan on regulation of activities of the regional financial center of Almaty City“. Klingelt’s? Offenbar hat der Abgesandte des kasachischen Informationsministeriums, Borat Sagdiyev (Foto: Sacha Baron), im Anschluss an seine Mission “Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan” (die Früchte sind im Kino zu kosten) sein Augenmerk auf die deutsch-kasachische Achse verlegt.

“Durch diese Vereinbarung sollen die Kapitalmärkte von Deutschland und Kasachstan gegenüber internationalen Investoren positioniert und gefördert werden”, heißt es in der Pressemitteilung. Aus Börsenkreisen ist zu hören, dass Borat bereits mit einer Powerpoint-Präsentation im Gepäck unterwegs ist, um besonders mittelständische Unternehmen aus Deutschland und Kasachstan zu einem Börsengang zu bewegen. Gerüchte, dass sich Borat bei seiner Tour d’Emission nicht nur von seinem Manager, sondern auch seiner Schwester Natalya (siehe Wikipedia: “regarded as the fourth-best prostitute in Kazakhstan”) begleiten lässt, hat das kasachische Informationsministerium inzwischen dementiert.

Für den Frankfurter Börsen-Chef Reto Francioni könnte sich die Kooperation mit Kasachstan zwar kurzfristig auszahlen – seit Wochen fordern Wirtschaftsjournalisten, dass er unbedingt einen neuen Partner von Gewicht finden muss. Dazu würden ihn besonders die Hedge-Fonds drängen, die seinen Vorgänger entmachteten und ihm im Nacken säßen. Mittelfristig könnte sich die Kooperation jedoch als Flirt mit einem trojanischen Pferd erweisen. Denn sollte der Plan von Borat, am Stuhl von Staatschef Nursultan Nasarbajew zu sägen, misslingen, dürfte der ehrgeizige Diplomat aus Kasachstan Francioni das Leben schwer machen. “Eigentlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis Borat an die Spitze der Deutschen Börse tritt”, sagt ein Frankfurter Börsen-Manager. Angeblich hat Borat bereits eine Bronze-Statue von sich in Auftrag gegeben, die künftig neben den Symboltieren der Börsianer, Bulle und Bär, vor dem Bau am Börsenplatz in der Frankfurter Innenstadt stehen soll.

Daniel Lenz

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