Manager an die Front!

Der Druck auf die Bundesregierung wächst: Die Bundeswehr soll in Afghanistan endlich richtig kämpfen. Aber hat unsere Armee überhaupt das richtige Führungspersonal für einen Kampfeinsatz? Nachdem die Bundeswehr jahrzehntelang nur Deiche befestigt und Schulen gebaut hat, sind ihre Befehlshaber eher Poliere als Offiziere. Aber daran soll’s nicht scheitern: Schließlich gibt es in deutschen Chefetagen genügend kampferprobte Manager. ecolot.de sichtet die Kandidaten.

Umfangreiche militärische Erfahrung bringt Frank-Jürgen Weise mit, seines Zeichens Chef der Bundesagentur für Arbeit und Oberst der Reserve (hier das Profil auf faz.net). Dürfte eine Berufung an die Spitze der Afghanistan-Truppe allerdings als Abstieg empfinden, da er im Moment das mit knapp 4 Mio Mann (und Frau) viel größere Heer der Arbeitslosen befehligt.

Immerhin noch Major der Reserve ist EADS-Co-Chef Thomas Enders (hier das Profil von handelsblatt.com). Hat sich als Befehlshaber einen derart legendären Ruf erworben, dass er sogar besungen wurde (“Major Tom“). Wenn er allerdings beim Kampfeinsatz ein ähnliches Tempo an den Tag legt wie bei der Entwicklung des Airbus A380, haben die Taliban das Land zurückerobert bevor das erste deutsche Kampfflugzeug in der Luft ist.

Als heißer Kandidat gilt dagegen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn (hier sein Profil von ftd.de). Der ist zwar nur Hauptmann der Reserve, hat dafür aber die Gesundheitspolitiker auf seiner Seite, da er als erste Maßnahme ein Rauchverbot für den gesamten Kampfeinsatz einführen dürfte. Viele Verkehrspolitiker sähen ihn jedenfalls lieber in Afghanistan als hier und argumentieren: Wenn irgendwer mit der Tali-Bahn fertig wird, dann er.

Sollte Mehdorn wider Erwarten abwinken, gäbe es noch einen Geheimtipp: Linde-Chef Wolfgang Reitzle. Ihm fehlt es zumindest nicht an Führungswillen. Man weiß von ihm, dass er in der Verwaltung seines Konzerns den Kasernenhofton eingeführt hat. Sein Motto “In der Verwaltung sollte nicht verwaltet, sondern gekämpft werden!” fanden sowohl das Manager Magazin als auch die Wirtschaftswoche so klasse, dass sie ihn zum “Manager des Jahres” befördert haben (hier zur ecolot.magazinschau). Gegen ihn spricht, dass er mit Nina Ruge verheiratet ist. Er könnte auf die Idee kommen, sie im Unterhaltungsprogramm für die Truppe einzusetzen. Und das hätten unsere Jungs nun wirklich nicht verdient.

David Wengenroth

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