Der russische Komponist Sergej Prokofjew fühlte sich als guter Sowjetbürger dem Sozialistischen Realismus verpflichtet. Dazu will es auf den ersten Blick gar nicht passen, dass sein bekanntes Werk “Peter und der Wolf” (hier entlang zum Wikipedia-Eintrag) ein “musikalisches Märchen” ist.
Vor solchen verwirrenden Widersprüchen steht man immer wieder. Zum Beispiel im Angesicht der Financial Times-Meldung, der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff wolle bei Volkswagen eine Aktionärskoalition gegen den Größtaktionär Porsche und seinen Eigner Ferdinand Piëch schmieden. Kapitalistischer Realismus oder Märchen? Man weiß es nicht.
Immerhin hat die Financial Times einen Gewährs-Aktionär, den Wulff zum Gespräch gebeten haben soll. Dabei werde der Herrscher aller Niedersachsen mit ihm “bestimmt nicht über das Wetter reden” wollen, tat der geladene Anteilseigner wichtig. Dazu mag man mit dem Kopf nicken, auch wenn das Wetter in diesem Jahr interessanter ist als sonst. Zweitens ist der FTD aufgefallen, dass Piëch, Wiedeking & Co dem armen Landesvater ganz entsetzlich auf die Nerven gehen müssen. Nun, wem nicht?
Wulff hat die FTD-Meldung trotzdem umgehend als “frei erfunden” bezeichnet. Das Handelsblatt hat außerdem nicht ganz zu Unrecht (aber leider nicht online) die Frage aufgeworfen, welcher Großaktionär sich denn bitteschön mit Wulff verbünden solle. Außer dem Land Niedersachsen und Porsche hielten eigentlich nur Fonds größere VW-Pakete, die wohl kaum die gleichen Interessen haben dürften wie der Ministerpräsident.
Wir könnten es also mit einer klassischen Ente zu tun haben. Womit wir wieder beim Märchen wären: Auch bei Prokofjew frisst der Wulff, respektive der Wolf, die Ente. Da er sie aber zu hastig hinunterwürgt, lebt sie noch und quakt in seinem Bauch weiter. Und so wird es wohl auch in echt weitergehen: Auch wenn Christian Wulff den FTD-Informanten tatsächlich über das Wetter ausquetschen sollte, werden wir es noch oft von seiner Anti-Porsche-Allianz quaken hören.
David Wengenroth



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