Mit der Beschäftigung in Deutschland geht es angeblich wieder aufwärts. Merkt man davon eigentlich was? ecolot.de zieht auf der Basis der Berichterstattung in den wichtigsten Wirtschaftsmedien die Job-Bilanz der Woche. In dieser Woche war die einzige gute Nachricht das Wetter.
Rein statistisch sieht die Job-Bilanz dieser Woche gar nicht so schlecht aus. Am Mittwoch meldete die Bundesagentur Formerly Known As Arbeitsamt (BAFKAAA) die aktuellen Arbeitslosenzahlen für Januar – und siehe da, sie waren überraschend gut. Die Zahl der Arbeitslosen in D ist zwar im Januar wieder deutlich gestiegen (um 239.000 auf 4,25 Mio), aber das sind immerhin stolze 764.000 weniger als im Januar 2006. Leider verhagelt die Erklärung für den unerwartet geringen Anstieg auch schon wieder die Bilanz. Was in diesem Zusammenhang eine etwas paradoxe Formulierung ist, denn Hauptgrund für den positiven Trend war das warme Wetter, das vor allem viele Bauarbeiter vor witterungsbedingter Arbeitslosigkeit bewahrt hat (siehe auch ecolot.news-update vom 31.1.2007).
Mit diesem Blick auf den warmen Regen für den deutschen Arbeitsmarkt sind die guten Nachrichten dieser Woche aber auch schon komplett aufgezählt. Zumindest aus Sicht der Beschäftigten. Dass deren Leid im kommenden Jahr der Anleger Freud sein dürfte, war dagegen am Montag im Handelsblatt nachzulesen: Demnach sehen Investmenthäuser in Daimler-Chrysler und Volkswagen die kommenden “Wachstums-Spitzenreiter”. Grund: Daimler will durch effizientere Produktion und Personalreduzierung 1 Mrd Euro sparen, trennt sich bis 2009 von 20.000 Mitarbeitern (siehe ecolot.presseschau vom 29.1.2007).
Im Vergleich zu solchen Ankündigungen erscheint die wichtigste Wirtschaftsnachricht von Dienstag fast wie ein Jobabbau de Luxe: Wenn es bei dem so genannten Kohlekompromiss bleibt, werden ab 2018 keine Kohlen mehr, aber bis dahin knapp 37.000 Jobs abgebaut (ecolot.presseschau vom 30.1.2007). Während FAZ, Handelsblatt und Jürgen Rüttgers nur bedauerten, dass nicht eher Schicht im Schacht sein soll, fand die Süddeutsche, dieser Zeitplan gebe den Beschäftigten “die ihnen zustehende Planungssicherheit”. Mit der es seit Donnerstag ja aber schon wieder vorbei ist (siehe ecolot.presseschau von heute).
Nun hat das Handelsblatt nicht ganz Unrecht mit dem Hinweis, dass jeder Bergmann bereits bei Aufnahme seiner Beschäftigung wusste, dass er in eine unprofitable Branche einsteigt bzw. einfährt. Am Donnerstag kamen die schlechten Nachrichten aber dann schon wieder von den Zukunftsmärkten: Capital berichtete, dass der neue Telekom-Boss René Obermann in den nächsten beiden Jahren per Abfindungsprogramm 20.000 Mitarbeiter loswerden will (nebenbei: 45.000 weitere per Outsourcing). Ab 2009 drohten nach Auslaufen des mit den Gewerkschaften vereinbarten Kündigungsschutzes weitere 20.000 Entlassungen (siehe ecolot.magazinschau vom 1.2.2007). Eines muss man Obermann lassen: damit hätte er den Bergbau nicht nur zeitlich, sondern auch mengenmäßig überholt.
Dass es in der Luft auch nicht unbedingt besser aussieht als unter der Erde, erfuhr der Leser der Wirtschaftspresse ebenfalls am Donnerstag, bzw. er erfuhr es nicht, oder zumindest nicht absichtlich. Da meldete tagesschau.de, der EADS-Co-Chef Thomas Enders habe vor Bundestagsabgeordneten den Abbau von bis zu 10.000 Jobs bei Airbus angekündigt (siehe ecolot.news-update vom 1.2.2007). EADS dementiert. Der Betriebsrat bei Airbus glaubt’s trotzdem und protestiert (siehe Süddeutsche Zeitung in der ecolot.presseschau von heute).
Fazit: Trotz guter BAFKAAA-Zahlen sieht eine erfreuliche Job-Bilanz anders aus.
David Wengenroth
PS: Heute meldet handelsblatt.com unter Berufung auf den Weltklimabericht der UN, dass es auch in Deutschland in den kommenden Jahren immer wärmer wird. Ein Hoffnungsschimmer?



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