Wer den finsteren Verdacht abschütteln kann, dass in Umfragen gelogen wird, dass sich die Balken biegen, der konnte in dieser Woche durchaus Hoffnung für den deutschen Arbeitsmarkt schöpfen. Das Handelsblatt meldete nämlich am Dienstag, dass 4 von 10 deutsche Firmen in den kommenden 12 Monaten neue Stellen schaffen wollen, 70% davon ausschließlich oder überwiegend in D. Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen habe angegeben, ihre Mitarbeiterzahl konstant halten zu wollen. Nur 12% der Firmen kündigten den Abbau von Arbeitsplätzen an. Damit sei die Einstellungsbereitschaft so hoch wie zuletzt im Boomjahr 2000. Mit besagtem finsterem Verdacht muss aber schon fertig werden, wer diese frohe Kunde glauben will: Die zahlen sind das Ergebnis einer Umfrage unter 800 Führungskräften.
(☁) Die Gegenwart nährt den hoffnungsvollen Glauben jedenfalls nicht: Am Mittwoch berichtete die Süddeutsche Zeitung von der Drohung des Sanofi-Aventis-Vorstandes Hanspeter Spek, weitere Stellenkürzungen in Deutschland vorzunehmen. Schuld sei die deutsche Gesundheitspolitik. Erst kürzlich habe der weltweit drittgrößte französische Pharmakonzern die versprochenen Investitionen für den ehemaligen Standort Hoechst eingefroren und in Frankfurt und Berlin 350 der insgesamt 10.000 Stellen gestrichen (siehe ecolot.pressesschau vom 14.2.2007).
(☁) Am Donnerstag bestätigte die FAZ Befürchtungen, dass der Stellenabbau bei Alcatel-Lucent auch die deutschen Niederlassungen betrifft: Gewerkschafter rechnen damit, dass 1000 von 5000 Mitarbeitern gehen müssen (siehe ecolot.presseschau vom 15.2.2007).
(☁☁) Und dann sind da ja noch ein paar Nachrichten, die nicht neu, aber immer noch schlecht sind: Zum Beispiel, dass Electrolux zum 31. März 2007 mit dem Nürnberger Werk seiner Tochter AEG auch 1700 Mitarbeiter wegspart (siehe FTD in der ecolot.presseschau vom 15.2.2007). Oder dass bei Airbus europaweit bis zu 10.000 Jobs in Gefahr sind, wie montags wieder im Spiegel nachzulesen war (siehe ecolot.magazinschau vom 12.2.2007).
(☁) Wenn man dann eine Geschichte liest wie das FAZ-”Unternehmergespräch” mit dem Chef des Küchenherstellers Bulthaup, der trotz glänzender Geschäfte längere Arbeitszeiten durchgedrückt hat und seine Belegschaft Überstunden schrubben lässt, fragt man sich schon: Was soll das? (Siehe ecolot.presseschau vom 12.2.2007)
Fazit: ☁☁☁☁☁
Deutschen Arbeitnehmern bleibt ja immer noch die Perspektive, in die Schweiz rüberzumachen (was nach einem FAZ-Bericht vom Dienstag im vergangenen Jahr schon 15.000 gemacht haben, siehe ecolot.presseschau vom 13.2.2007). Die dort ansässigen Großbanken UBS und Credit Suisse meldeten in der vergangenen Woche nämlich nicht nur Rekordgewinne, sondern auch, dass sie tausende neue Mitarbeiter brauchen, die beim Geldzählen helfen (siehe ecolot.presseschau vom 12.2.2007 und ecolot.presseschau vom 14.2.2007).
David Wengenroth
PS: Man möchte angesichts der Nachrichten aus Amerika, wo Daimler-Chrysler 13.000 Jobs wegsichelt (siehe ecolot.presseschau vom 15.2.2007), allenfalls denken, dass die Woche für den deutschen Arbeitsmarkt vergleichsweise glimpflich verlaufen ist. Was solche “Sanierungsmaßnahmen” für die betroffenen Regionen bedeuten, schildert übrigens Roland Lindner sehr anschaulich in einer FAZ-Reportage über den Niedergang der US-Autostadt Detroit.



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