ecolot.job-o-meter: Ein Plätzchen am Sönnchen

Mit der Beschäftigung in Deutschland geht es angeblich wieder aufwärts. Merkt man davon eigentlich was? ecolot.de zieht auf der Basis der Berichterstattung in den wichtigsten Wirtschaftsmedien die Job-Bilanz der Woche. Dabei kommen in dieser Woche alle guten Nachrichten von oben.

(☀) Roland Berger prophezeit, dass der Umweltschutz den Autobau bis 2030 als deutsche Leitbranche ablösen werde. In der zuende gehenden Woche gab’s ein paar Tropfen Wasser auf seine Mühlen: Für den einzigen positiven Ausschlag des ecolot.job-o-meters sorgte nämlich der Solarzellenhersteller Q-Cells (Umsatzplus 2006: 80% auf 539,5 Mio Euro). Wie die FAZ am Dienstag berichtete, wollen die Sonnenabeter die Zahl der Beschäftigten am Standort Thalheim (Landkreis Bitterfeld) bis 2010 von heute 1300 auf 5000 erhöhen.

(­­☁) Das Sönnchen, das im Osten aufgeht, verschwand aber gleich wieder hinter dunklen Wolken aus dem Westen: In der gleichen Zeitung wurde bestätigt, was schon in den vergangenen Wochen als Gerücht durch die Gazetten waberte: Telekom-Chef René Obermann stellt jetzt offen die Verlängerung des 2008 auslaufenden Kündigungsschutzes in Frage (siehe ecolot.presseschau vom 6.2.2007).

(­­­­☁) Die Süddeutsche Zeitung hatte gleich eine weitere schlechte Nachricht parat: Bei der Telekom könnten auch mehr als die bisher geplanten 45.000 Mitarbeiter in eine konzerneigene Billiglohn-Tochter ausgelagert werden. In einem Kommentar sah Caspar Dohmen den neuen Telekom-Chef auf einem gefährlichen Konfliktkurs zur Belegschaft. Unter den Mitarbeitern herrsche Frust. “Mit dieser Mannschaft wird es für Obermann schwierig, Marktanteile zurückzugewinnen.” (siehe ecolot.presseschau vom 6.2.2007). Bleibt nur hinzuzufügen: Von dieser Mannschaft wird ja auch nicht viel übrig bleiben.

(­­☁) Dass man in der Zukunftsbranche Telekommunikation nicht unbedingt sicher sitzt, bewiesen auch die News, die am Mittwoch von Alcatel-Lucent zu lesen waren: 15.000 bis 20.000 Jobs sind bei dem französisch-amerikanischen Handyausrüster in Gefahr. In Nürnberg und Stuttgart, wo die 5000 deutschen Mitarbeiter von Alcatel-Lucent arbeiten, ist von Kürzungsplänen noch nichts bekannt. Die Stimmung aber seit Mittwoch bestimmt nicht besser als vorher (siehe Bericht der SZ in der ecolot.presseschau vom 7.1.2007).

(­­☀) “Gute Nachrichten von oben” waren versprochen (Plural!), hier kommt sie, die zweite: Am Donnerstag sickerte durch, dass die Fertigung des Riesenvogels A380 und die damit verbundenen Jobs wahrscheinlich im Airbus-Werk Hamburg bleiben. Das berichtete am Donnerstag unter anderem die FAZ. Wilde Euphorie wollte darüber aber nicht aufkommen: Die Süddeutsche wies zu Recht darauf hin, dass diese Nachricht (wenn sie denn stimmt) für die anderen Airbus-Standorte, die angeblich zur Disposition stehen, keine Entwarnung bedeutet (siehe ecolot.presseschau vom 8.2.2007).

() Die mögliche gute Nachricht wurde ohnehin von einer konkreten schlechten begleitet: Bosch streicht in seiner Autozuliefersparte bis 2011 insgesamt 1250 Stellen. Wie die FTD berichtete, sollen im Stammwerk in Stuttgart Feuerbach in den kommenden fünf Jahren jeweils 250 Jobs wegfallen. Und weil die Financial Times gerade über Autozulieferer schrieb, hängte sie auch noch die Information dran, dass auch bei Siemens VDO ebenfalls Stellenstreichungen angekündigt sind: Nach Angaben der IG Metall seien bei der Siemens-Tochter 900 Stellen gefährdet (siehe ecolot.presseschau vom 8.2.2007).

(= ☁☁☁☁☀☀) Fazit: Mehr Wolken als Sonne in der Beschäftigungsbilanz.

David Wengenroth

PS: Man wundert sich nicht mehr, dass immer mehr Menschen aus der grauen Realität flüchten, zum Beispiel in die schöne bunte Welt von Second Life. Aber Vorsicht: Dort herrscht nicht nur eitel Sonnenschein. Die FTD ging vergangene Woche zum Beispiel der Frage nach, ob bei Betrügereien und Diebstählen auf der virtuellen Plattform eigentlich die Gesetze der richtigen Welt gelten. Nächste Frage: Gibt es auf Second Life eigentlich schon eine Arbeitslosenstatistik?

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