(☀) Was so ein laues Frühlingslüftchen nicht alles bewirken kann: Am Mittwoch bejubelte der anonyme Leitartikler der Financial Times Deutschland das “kleine Jobwunder”, das sich angeblich gerade in D ereignet. Anlass für seine Euphorie: Im Januar waren laut amtlicher Beschäftigungsstatistik ziemlich genau 39,4 Mio Menschen in Lohn und Brot. Das sind laut FTD mehr als “auf dem Höhepunkt des vergangenen Aufschwungs im Mai 2001″ (da waren’s nur 39,38 Mio). Ach so!
(☁) Wer mag da noch daran denken, dass auch “auf dem Höhepunkt des vergangenen Aufschwungs im Mai 2001″ die so genannte Sockelarbeitslosigkeit ungebrochen war? Oder gar daran, dass die aktuelle Arbeitslosenstatistik immer noch rund 4 Mio Arbeitslose ausweist?
(☁) Den 5500 Berliner Beschäftigten von Bayer Schering dürfte es prompt wieder eingefallen sein: Wie die Süddeutsche am selben Tag meldete, machen bei der Belegschaft des frisch fusionierten Unternehmens Informationen über einen geplanten Abbau von 1300 Jobs die Runde. Das wären doppelt so viele wie bisher geplant.
(☁) Auch den Beschäftigten bei Airbus dürfte es spätestens seit Mittwoch wieder gegenwärtig sein. Seit nämlich u.a. in der FAZ die Randbemerkung des französischen Premierministers Dominique de Villepin nachzulesen war, beim Flugzeugbauer würden 10.000 Jobs abmontiert. Laut FAZ sind zwar nach einer “beschäftigungspolitischen Übereinkunft” aus dem Jahr 2003 betriebsbedingte Kündigungen in den deutschen Airbus-Werken bis 2012 ausgeschlossen; trotzdem halte sich “hartnäckig das Gerücht, dass die Airbus-Führung an dieser Übereinkunft rütteln will – und zwar durch eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich.”
(☁) Am Freitag dürften weitere 60.000 Arbeitnehmer zur Gruppe der Arbeitslosigkeitserinnerten gestoßen sein: All jene Mitarbeiter der Telekom nämlich, die nach Informationen der Gewerkschaft Verdi in eine Billiglohn-Tochter ausgelagert werden sollen. Am kommenden Mittwoch, wenn Telekom-Chef René Obermann seine Pläne dem Aufsichtsrat vorstellt will, will Verdi nach einem Bericht der Süddeutschen mit bis zu 10.000 Demonstranten in Bonn aufmarschieren. Vielleicht wird es denen ihr Schicksal versüßen, dass sie ja gar nicht unmittelbar von Arbeitslosigkeit betroffen sind, sondern für weniger Geld weiterarbeiten dürfen.
Jobfazit der Woche: ☀☁☁☁☁
David Wengenroth
PS: Man kann sich kaum vorstellen, dass es einen Wirtschaftsjournalisten geben sollte, der in der vergangenen Woche nicht auf die Einmischung der Politik bei Airbus geschimpft hat. Doch halt: Claas Piper von der Zeit ist aufgefallen, dass die Auftragsbücher des Flugzeugbauers proppenvoll sind und die Entlassungen das Unternehmen “wichtige Erfahrung und Kompetenz” kosten würden. Hat wohl nicht genug Frühlingslüftchen geschnuppert.



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