Eine Woche ohne neue Schreckensmeldungen in der Wirtschaftspresse? Ist gar nicht aufgefallen, weil noch genug Meldungen aus den Vorwochen da waren, die jetzt erst ihren vollen Schrecken entfaltet haben. Vor der offiziellen Verkündung der Hiobsbotschaften übten sich die Wirtschaftszeitungen im munter-makabren Zahlenraten.
Seit Monaten weiß man, dass bei dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS was im Airbusch ist. Was genau, versuchten die Wirtschaftsblätter natürlich schon vor der offiziellen Verkündung des Sanierungsprogramm Power8 am Mittwoch aus ihren vertraulichen Quellen zu zapfen. Das Handelsblatt schoss am Dienstag besonders schnell – und daneben. Aus Airbus-Kreisen wollte das Blatt erfahren haben, dass bei dem Fliegerbauer 7500 Arbeitsplätze wegfallen.
Doch ach, am Mittwoch waren es dann doch 10.000 Jobs, die Europas großer Fliegerbauer nicht mehr haben will, davon 3700 in D und 4300 in Frankreich. An diesem Tag wiederum boten die Zeitungen unterschiedliche Versionen darüber an, welche Werke Airbus abwerfen will. Während die Süddeutsche Varel und Nordenham auf dem Ladentisch sah, glaubte die FAZ an einen Verkauf von Varel und Laupheim (siehe Thema des Tages in der ecolot.presseschau vom 28.2.2007). Doch ach, am Donnerstag waren es dann ganz offiziell Varel, Nordenham und Laupheim.
Beim anderen Großabbauer der Woche sind noch nicht alle Kästchen in der Reihe ausgefüllt. In dem Spiel “Die Aussiedler von Telekom” lautet die Spielanweisung für die Wirtschaftsjournalisten: “Nennen Sie eine Zahl zwischen 45.000 und 60.000″. Mit anderen Worten: Die Verlierer stehen schon fest, nur nicht, wie viele es sind. Das Handelsblatt wusste am Mittwoch von mindestens 45.000 Mitarbeitern, die Konzernchef René Obermann in Billiglohn-Töchter abschieben will, wo sie für weniger Geld mehr arbeiten sollen. Die Süddeutsche bot etwa 55.000. Die FAZ landete am Donnerstag mit ihrem Bericht bei rund 50.000. Rein theoretisch haben jetzt laut Handelsblatt 5000 Telekom-Mitarbeiter mehr einen Grund sich zu ärgern, laut SZ dagegen 5000 einen Grund zur Freude. Oder wie?
Bei Bayer-Schering scheint die Zahl der Verlierer dagegen festzustehen: Wie handelsblatt.com meldet, plant die frisch fusionierte Pharmafirma den Abbau von 6100 Stellen weltweit, davon 1500 in Deutschland.
David Wengenroth
PS: Den besten Witz der Woche hat der ausgemusterte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement in einem FAZ-Interview zum Thema Zeitarbeit erzählt: “Insbesondere junge Leute, die mobil sein und sich permanent am Markt qualifizieren wollen” sähen die Zeitarbeit positiv. Die wirkungsvollsten Werbeträger für die gegenwärtige Bundesregierung sind doch immer noch die Mitglieder ihrer Vorgängerin.



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