ecolot.job-o-meter: …da helfen keine Pillen

Die geplanten Stellenstreichungen bei Bayer-Schering brachten es in der vergangenen Woche an den Tag: Bei Deutschlands Pillendrehern droht Jobabbau in hohen Dosen. Entgegen Beteuerungen der Pharma-Manager ist nicht nur Ulla Schmidt dran schuld.

Wer am Freitag der Vorwoche geglaubt hatte, der angekündigte Abbau von 6100 Arbeitsplätzen bei Bayer-Schering sei schon eine besonders bittere Pille, der sah sich am Montag eines Schlechteren belehrt: Die Süddeutschen Zeitung rechnete vor, dass nicht weniger als zwei Drittel der in D vertretenen Arzneimittel-Hersteller in diesem Jahr Jobs abbauen. Beispiele gefällig? US-Pillenmulti Pfizer setzt 760 deutsche Arbeitsplätze ab, der französische Konkurrent Sanofi-Aventis hat in Frankfurt und Berlin 350 Jobs gestrichen, Merck in Darmstadt 100 Stellen im Außendienst. Bei dieser Gelegenheit räumte die Süddeutsche auch gleich mit dem Pharmärchen auf, die Gesundheitspolitik sei allein für die Misere deutscher Pharmafirmen verantwortlich: Deren missliche Lage sei “oft hausgemacht”.

Apropos hausgemachte Misere: Es ist immer wieder schön, wenn Wirtschaftsjournalisten ein bisschen genauer hinschauen. Durch diese schlichte, aber manchmal enorm effektive Methode hat Gerhard Hegmann von der Financial Times Deutschland herausgefunden, dass Airbus nicht etwa nur 10.000 Mitarbeiter loswerden will, wie von anderen Medien kritiklos gemeldet. Der Fliegerbauer hatte zwar verkündet, nur 3 Werke komplett zu verkaufen und für 3 weitere “strategische Partner” zu suchen. Airbus-Chef Louis Gallois selbst habe aber in Aussicht gestellt, dass diese Partner die Standorte auch komplett übernehmen könnten. Damit liege aber dann die Zahl der abgebauten Arbeitsplätze im Konzern bei 22.000. “Konzernkenner gehen davon aus, dass Airbus die höhere Zahl der möglicherweise künftig ausgegliederten Stellen nicht offen kommunizieren will”, formulierte Hegmann vornehm.

In der Kunst des genaueren Hinschauens übten sich verdienstvollerweise auch die Kollegen vom Berliner Tagesspiegel – und fanden auf diese Weise heraus, dass die 30 Dax-Unternehmen 2006 knapp 44.000 Stellen weggedaxt haben. Einem rechnerischen Stellenzuwachs von knapp 12.000 stehe ein Minus von mehr als 55.000 Stellen gegenüber. Auch diese Zahl wird von den betreffenden Unternehmen nicht so offensiv kommuniziert wie die Rekordgewinne, mit denen viele Daxianer im vergangenen Jahr glänzten (hier die Meldung im Handelsblatt in der ecolot.presseschau vom 5.3.2007, hier die entsprechende Meldung auf Spiegel Online).

Andere Baustelle, gleiche Bauweise: Von der Bilanz-PK des Axel Springer Verlags (Bild, Welt, Hörzu) meldete die Frankfurter Rundschau am Donnerstag den 3. Rekordgewinn in Folge – herbeigeführt durch einen massiven Stellenabbau. “Inzwischen beschäftigt der Verlag noch 9700 Menschen, Anfang des Jahrtausend waren es mehr als 14 000″, schrieb die FR. Immerhin: Nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner sei jetzt beim Stellenabbau die Talsohle erreicht. Da sage noch jemand, es gebe keine guten Nachrichten mehr.

David Wengenroth

P.S. Schon mal gefragt, wo die Redewendung “…da helfen keine Pillen” eigentlich herkommt? Hier die Antwort: Der Kabarettist Fred Endrikat veröffentlichte 1928 in der Satirezeitschrift Das Stachelschwein sein Gedicht: “Die schlimmste Krankheit ist kurierbar, / einnehmbar, injizierbar oder schmierbar. / Das größte Leiden ist zu stillen, / nur: Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen.” Lernen Sie das auswendig, ich frage es nächste Woche ab.

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