An die Erkenntnis, dass sich im Management etliche “Nieten in Nadelstreifen” tummeln, hat man sich ja mittlerweile gewöhnt. Neu ist die Information, dass man das geflügelte Wort ohne weiteres auf die bisher hoch angesehene Zunft der Insolvenzverwalter ausdehnen kann.
Jedes Jahr könnten in D 100.000 Arbeitsplätze gerettet werden, wenn Firmenpleiten qualifizierter verwaltet würden. Das meint laut Handelsblatt der Insolvenzexperte Prof. Hans Haarmeyer. Hintergrund: Bis 2004 gab es in Deutschland nur rund 400 Insolvenzverwalter, die auf so genannten “geschlossenen Listen” geführt wurden. Seit das Bundesverfassungsgericht die “geschlossenen Listen” für unzulässig erklärt hat, balgen sich rund 1800 Möchtegern-Verwalter um die lukrativen Aufträge. Makabre Pointe: Die Zulassung dieser Jobvernichter stützt sich nach dem Urteil des Verfassungsgerichts auf das im Grundgesetz garantierte Recht der Berufsfreiheit.
Trotzdem richtet mieses Management deutlich größeren Schaden an als inkompetente Insolvenzverwalter. Ein entsprechendes Beispiel aus der Wirtschaftspresse der vergangenen Woche: General Motors. Wie am Donnerstag u.a. in der FAZ nachzulesen war, fielen der durch eine verfehlte Modellpolitik verursachten Krise des Autoriesen in den vergangenen Jahren 34.000 Jobs in den USA und u.a. in Deutschland bei Opel 9500 Arbeitsplätze zum Opfer. So verschlankt konnte der Konzern Ende 2006 zum ersten Mal seit 2004 wieder einen Quartalsgewinn einfahren.
Zu dumm nur, dass die Sparorgie dem Autobauer kaum den Auspuff retten dürfte. Trübe Perspektiven für GM sieht jedenfalls der Kommentator im Handelsblatt: Unterm Strich habe die Opel-Mutter im vergangenen Jahr immer noch 2 Mrd Dollar Verlust gemacht. Jetzt zeige die US-Wirtschaft “deutliche Bremsspuren” und wie auch die übrigen amerikanischen Autobauer sei GM auf den anhaltenden Trend zu kleineren Autos in den USA schlecht vorbereitet.
Unsicher sind paradoxerweise auch viele Jobs in der deutschen Versicherungsbranche. Wie die FAZ in ihrer Freitagsausgabe berichtet, rechnet der Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) damit, dass die Zahl der Beschäftigten in der Branche – trotz Rekordgewinnen – in diesem Jahr um rund 2,5% zurückgehen dürfte. Bei derzeit rund 226.000 Beschäftigten (2000 waren es noch gut 240.000) sind das also 5000 bis 6000 Jobs, die in den kommenden Monaten wegfallen. Der ganzen Branche gehe es eben nicht besonders: Sie erwartet 2006 gerade mal 1% Prämienzuwachs – also inflationsbereinigt einen Rückgang. Nur am Rande sei erwähnt, dass die Versicherer im vergangenen Jahr Rekordgewinne verzeichneten.
Man wüsste nicht, dass IBM von ernsten Zukunftssorgen geplagt würde. Der neue Deutschland-Chef Martin Jetter plauderte am Rande der Cebit entspannt mit der FAZ darüber, wie er die Marktführerschaft des Computerkonzerns ausbauen will. Trotzdem ließ er das Handelsblatt wissen, dass er beim geplanten Umbau der deutschen IBM-Gesellschaft auch “eine Trennung von Mitarbeitern nicht ausschließt”. Sagen Manager solche Sachen heutzutage vielleicht einfach, weil sie glauben, dass man es von ihnen erwartet? Nicht auszuschließen.
David Wengenroth
PS: Ex-VW-Manager Wolfgang Bernhard hat bei der Heuschrecke Cerberus angeheuert. Die Süddeutsche erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass schon einige Manager den Wechsel zu Finanzdienstleistern gewagt haben, z.B. Ex-Telekom-Chef Ron Sommer zu Blackstone. Immerhin: Ein paar Arbeitslose weniger.



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