Lange genug geärgert über die Pleite von BenQ Mobile? Denkste! Erst seit ein paar Tagen fördern die Wirtschaftszeitungen scheibchenweise zu Tage, was hinter und auf dem Rücken der 3000 Beschäftigten wirklich gelaufen ist.
Vergangene Woche lud BenQ Mobile-Insolvenzverwalter Martin Prager zur Gläubigerversammlung. Was er zu berichten hatte, missfiel nicht nur den anwesenden Gläubigervertretern, sondern dürfte auch den abwesenden Ex-Mitarbeitern des Handyherstellers die Galle hochkommen lassen: Der taiwanesische BenQ-Konzern, dem Siemens seinerzeit leichtgläubig seine Handy-Sparte anvertraute, scheint das Unternehmen regelrecht ausgeplündert zu haben. In der Süddeutschen war am Donnerstag zu lesen, dass der Insolvenzverwalter stattliche 504 Mio Euro von der Rabenkonzernmutter zurückfordern will, die sie vor der Pleite aus BenQ Mobile herausgesaugt hat. Auch die Ex-Ex-Konzernmutter Siemens werde die Pleite noch mindestens 100 Mio Euro kosten.
Wenn es die Herren von Siemens und BenQ interessieren würde, wie groß der Schaden ist, den sie angerichtet haben, hätten sie es bereits am Montag im Handelsblatt nachlesen können. Da schilderte Nils V. Sorge in einer Reportage die Folgen der Pleite für den ehemaligen Standort Kamp-Lintfort. Die ganze Stadt befinde sich in einem “Überlebenskampf”. “Es besteht die Gefahr, dass wir in den nächsten zwölf Jahren zehn- bis 15.000 Arbeitsplätze verlieren”, zitierte der Autor Bürgermeister Christoph Landscheidt.
Stattdessen sorgten die Manager in Chinas abtrünniger Provinz zu Wochenbeginn für eine vorweggenommene makabre Pointe. Die FAZ besichtigte am Mittwoch den Scherbenhaufen von BenQ: Nachdem der taiwanische Elektronikhersteller 2006 mit einem Rekord-Minus von 630 Mio Euro abgeschlossen habe, habe Chairman Kuen Yao Lee seinen sofortigen Rücktritt angeboten. Und, jetzt kommt die Pointe: Der gesamte Aufsichtsrat habe abgelehnt.
Der letzte Akt der Schmierenkomödie dürfte das aber noch lange nicht gewesen sein: Wie die SZ am Freitag berichtete, hat die Staatsanwaltschaft sich den Fall BenQ Mobile vorgeknöpft. Bei Insolvenzverwalter Martin Prager seien schon Unterlagen beschlagnahmt worden.
Die Fortsetzung ist also garantiert.
Gleiche Zeitung, anderer Dauerbrenner: Bei der Telekom sind gerade die Folgen allzu forscher Unternehmensführung zu bewundern. Die SZ stellte einen Techniker der Telekom vor, der dem Vorstand in einem Brief unter anderem vorgeworfen hat, arrogant und selbstherrlich aufzutreten und einen immer größeren Scherbenhaufen zu hinterlassen. Das Schreiben macht jetzt im Unternehmen die Runde und der Techniker werde mit solidarischen E-Mails überschüttet.
Im Handelsblatt trat der gescholtene Telekom-Chef René Obermann dazu den Beweis an, dass auch Bulldozer (das ist sein firmeninterner Spitzname) Gefühle haben. Er habe per Mail an die Mitarbeiter geschrieben: “Kritik ist stets willkommen, und sei sie noch so kontrovers. Vor der Beleidigungsgrenze sollten wir aber halt machen.”
Aber es kam noch dicker für den Obermann: Die FAZ berichtete am Freitag, dass Verdi mit Streik bei der Telekom droht. Grund: In den Verhandlungen über längere Arbeitszeiten und niedrigere Löhne für 50.000 Beschäftigte des Konzerns sei bisher keine Annäherung zu erkennen. Wie beleidigt wird Obermann erst sein, wenn es tatsächlich zum Arbeitskampf kommt?
Auch neue Baustellen wurden in der vergangenen Woche aufgemacht: Der frisch fusionierte Pillendreher Nycomed-Altana will weltweit will der Konzern 1250 Stellen streichen, davon 930 in Deutschland. Damit sei jeder 10. der 1230 Mitarbeiter betroffen, erklärte die Süddeutsche und sprach von “Kahlschlag”. Die FTD berichtete, dass der holländische Chip-Hersteller NXP (ehemalige Chip-Sparte von Philips) sein Werk in Böblingen wegen geringer Auslastung schließt. Betroffen sind 550 Mitarbeiter.
David Wengenroth
PS: Sogar der jeder Wirtschaftsfeindlichkeit unverdächtige Chef der europäischen Notenbank, Jean-Claude Trichet, hat in der vergangenen Woche gegen die aktuellen gegen Exzesse bei Managergehältern gewettert. Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Allerdings nicht in Deutschland. Hier widerspricht via FTD sofort der Vergütungsexperte Michael Kramarsch vom Beratungsunternehmen Towers Perrin: Die Grundvergütungen deutscher Manager seien im internationalen Vergleich bescheiden. Ja dann.



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