Der Aufschwung am Arbeitsmarkt habe sich überraschend verstärkt, schreiben die Wirtschaftszeitungen zur aktuellen Statistik der Bundesanstalt für Arbeit. Grund zur Freude? Leider kaum.
870.000 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr – das klingt nach einer guten Nachricht. Hier noch einmal übersichtlich die Gründe, warum es allenfalls eine mittelprächtige Nachricht ist:
> 4,1 Mio Arbeitslose gibt es immer noch. Und man kann schon sagen, dass das eine ganze Masse ist.
> Wie die FAZ in ihrem Bericht hervorhebt, ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen gerade mal um 14.000 zurückgegangen.
> Der Süddeutschen Zeitung ist aufgefallen, dass der Lehrstellenmarkt immer noch ein Leerstellenmarkt ist. “Bei jedem zweiten Bewerber 2007 wird es sich um jemanden handeln, der schon 2006 nicht zum Zuge kam”, schreibt die SZ.
> Ebenfalls die FAZ weist darauf hin, dass sich die Zahl der Beschäftigten, die neben ihrem Einkommen auf Sozialleistungen angewiesen sind, seit 2005 mehr als verdoppelt hat. In Zahlen: Weit über 500.000 Menschen haben zwar einen Job, können aber nicht davon leben.
Wenn man vor diesem Hintergrund im Handelsblatt die Jubelmeldung liest, deutsche Firmen wollten so viele Mitarbeiter einstellen wie seit Jahren nicht mehr, möchte man höchstens spontan ein Glückwunschtelegramm nach Polen schicken.
Was war sonst noch diese Woche? Das Handelsblatt berichtet, dass die Telekom schon mal mit der Verschiebung ihrer Mitarbeiter in Billiglohn-Firmen angefangen hat. Weil sie das aber ungern selber erledigen will, hat sie mit Bertelsmann einen Vorvertrag über den Verkauf von mindestens 5 Callcentern mit rund 1300 Mitarbeitern geschlossen. Der Medienkonzern aus Gütersloh biete den Mitarbeitern im Gegenzug für Lohneinbußen eine Beschäftigungsgarantie bis 2008. Da schauen wir doch schnell mal in den Kalender… Huch, das ist ja schon nächstes Jahr.
Die FTD meldet, dass der Finanzdienstleister Citigroup mal eben 15.000 Jobs abbauen will. Das entspricht der Bevölkerung einer Kleinstadt, die da aus Gründen der Gewinnmaximierung vor die Tür gesetzt wird. Für einen weltweit operierenden Finanzdienstleister sind es andererseits gerade mal 5% seiner Belegschaft. Alles eine Frage der Perspektive.
Das merken auch die Bewohner von Konstanz, wo der frisch fusionierte Pharmazeut Nycomed-Altana 790 Jobs absetzen will. Da es in der Stadt für die Betroffenen kaum Alternativen gebe, drohe ihre Abwanderung. “Das bringt das Selbstverständnis als Wissenschaftsregion gehörig ins Wanken”, schreibt die FAZ.
David Wengenroth
PS: Vergangene Woche fragten wir uns bang, wie beleidigt Telekom-Chef René Obermann wohl sein wird, wenn die Gewerkschaft Verdi ihre Streikdrohung wahrmacht. Diese Woche nun konnten wir in der Süddeutschen lesen, dass es seinen Personalvorstand Karl-Gerhard Eick jedenfalls nicht besonders schockieren würde. O-Ton Eick: “Wenn ein Streik sein muss, muss er sein.”



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