Die Gewerkschaften schlagen Alarm: Der massenhafte Missbrauch von Zeitarbeit droht zu einer “Tagelöhner-Gesellschaft” zu führen. In einem Interview der FAZ berichtete der nordrhein-westfälische IG Metall-Chef Detlef Wetzel in der vergangenen Woche von einer Umfrage unter Betriebsräten in NRW. Ergebnis: In 52% der Betriebe werden mittlerweile Festbeschäftigte durch Leiharbeiter ersetzt.
Warum auch nicht: Die Zeitarbeiter lassen sich im Zweifel wesentlich geräuschloser wieder loswerden. Geräuschloser als zum Beispiel als die 4000 Mitarbeiter des Autozulieferers Siemens VDO, deren sich der Konzern nach Gewerkschaftsangaben im Zuge des Börsengangs zu entledigen gedenkt.
Nach Informationen der Süddeutschen (hier) plant der Konzern härtere Einschnitte als bisher bekannt. Im Management werde zum Beispiel darüber nachgedacht, dass gesamte Würzburger Werk mit 1700 Beschäftigten an den VDO-Konkurrenten Brose zu verkaufen und statt 1000 wackeln jetzt 4000 Jobs.
Nebenbei: War Siemens nicht einer jener Dax-Konzerne, die zuletzt Rekordgewinne eingefahren haben? Hat nichts damit zu tun? Ach so.
Von General Motors (GM) wusste man immerhin, dass der Konzern Probleme hat. Die naive Hoffnung, dass die zumindest in Europa durch harte Sanierungsmaßnahmen behoben seien, entpuppte sich in der vergangenen Woche als trügerisch: Im Management geht man davon aus, 2010 bereits die nächste Sparrunde einläuten zu müssen. Tausende von Jobs sind gefährdet. Wettbewerb und die steigende Produktivität hätten zu Überkapazitäten geführt, berichtete die Süddeutsche. Um die abzubauen habe GM-Europachef Carl-Peter Forster sogar die “extreme Lösung” einer Werksschließung ins Gespräch gebracht.
Aber zurück zur Geräuschlosigkeit beim Jobabbau: Was gäbe zum Beispiel Telekom-Chef René Obermann dafür, die 50.000 lästigen Mitarbeiter, die seiner Meinung nach für zu viel Geld zu wenig arbeiten, ohne Getöse nach Hause schicken könnte. Kann er aber nicht, und so formiert sich der Widerstand. Welt Online meldete, dass nach den ersten Protestaktionen vom Mittwoch nun überall bei der Telekom gestreikt wird.
Und wie die Süddeutsche berichtet, macht sogar der katholischen Telekom-Betriebsseelsorger Erwin Helmer öffentlich Front gegen die “unchristlichen” Pläne des Telekom-Chefs.
David Wengenroth
PS: “Die ‘Generation Praktikum’ gibt es nicht”, verkündete triumphierend die FAZ
unter Berufung auf eine repräsentative Umfrage der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS). Aber was ist mit der “Generation Zeitarbeit”?



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