Nach dieser Woche zweifelt in der Wirtschaftspresse niemand mehr ernsthaft daran, dass es bei der Telekom richtig krachen wird. Schritt für Schritt war in den Blättern die Eskalation eines brachialen Sanierungsplans zu besichtigen. Kritik daran muss man allerdings mit der Lupe, respektive mit der Volltextsuche suchen.
Montag
Die Frankfurter Rundschau besichtigt die Großbbaustelle Telekom. Auf den massiven Kundenschwund reagiere der “Riese” mit Sparen. Die Umbaupläne betreffen 50.000 der noch 160.000 Mitarbeiter in Deutschland, fast jeden dritten. Der Vorstand will sie in “Service-GmbHs” auszugliedern. Neben einer Arbeitszeitverlängerung solle die Bezahlung, nach einer Übergangsfrist von 30 Monaten, generell um 12% sinken; außerdem wolle Konzernchef Renè Obermann nur noch 80% des Monatssalärs fix auszahlen, der Rest solle erfolgsabhängig sein.
Das Handelsblatt beschreibt die personelle Verstärkung, die Obermann sich in den Vorstand holt: Noch-Continental-Vorstand und Bald-Telekom-Personal-Chef Thomas Sattelberger sei “Kein Mann für die Kuschelecke”. Bei Continental habe er über Jahre die Verlagerung tausender Arbeitsplätze in Billiglohnländer gemanagt, und an den deutschen Standorten massive Kostensenkungen durchgesetzt.
Dienstag
Die Financial Times meint, die Lage sei verwickt: Obermann müsse die Kosten senken und Führungsstärke zeigen, während die Gewerkschaft Verdi um ihre letzte Bastion fürchte. Einen Rückzieher könne sich keiner der Kontrahenten leisten.
Verdi bekommt Schützenhilfe von der Gewerkschafts-Dachorganisation UNI Global Union. Wie die Süddeutsche berichtet, droht UNI dem US-Finanzinvestor und Telekom-Aktionär Blackstone, die bei ihm investierten Pensionsgelder von Gewerkschaftsmitgliedern abzuziehen, sollte Blackstone bei der Telekom weiterhin auf arbeitnehmerfeindliche Maßnahmen drängen. Dabei handelt es sich nach Angaben des Gewerkschaftsverbandes immerhin um “einige Milliarden Dollar”.
Mittwoch
Die Welt meldet, dass es bei den Telekom-Verhandlungen keine Annäherung gibt – obwohl das Management Verhandlungsbereitschaft über Details der bislang erhobenen Forderungen signalisiert habe. Es werde weiterverhandelt.
Donnerstag
Die FAZ beschreibt, wie Verdi sich auf einen Streik bei der Telekom vorbereitet.
Freitag
Die FAZ vermeldet das Scheitern der Verhandlungen. Zuletzt hatte das Angebot auf dem Tisch gelegen, die Gehälter der Stammbelegschaft bis 2010 um 9% statt der bisher vorgesehenen 12% zu kürzen – bei einer Erhöhung der Arbeitszeit von 34 auf 38 Stunden. Verdi hat die Verhandlungen abgebrochen; am Freitag kommender Woche soll die große Tarifkommission über einen Streik zu beraten.
Die nächsten Wochen
Wenn es zum Arbeitskampf kommt, kann Obermann sich der Unterstützung der meisten Wirtschaftskommentatoren sicher sein. Die FAZ fasste am Freitag noch einmal zusammen, was in den vergangenen Monaten vielfach zu lesen war: Zwar müsse “die Forderung nach Einkommensverzicht als Provokation empfunden werden, wenn der Bund und die übrigen Anteilseigner gleichzeitig eine ungesund hohe Dividende kassieren”, schrieb die FAZ. Trotzdem ignoriere die Gewerkschaft die “wirtschaftlichen Zwänge” und deshalb sei ihr “Abwehrkampf zum Scheitern verurteilt”.
Bevor Obermanns schreibende Fangemeinde das mediale Sperrfeuer auf die Gewerkschaften eröffnet, wollen wir noch einmal darauf hinweisen, dass man mit guten Argumenten auch anderer Meinung sein kann – auch wenn man Kritik an den Sparplänen nicht so oft zu lesen bekommt.
Die Zeit analysierte Anfang März, der Konzern habe weniger ein Personalkosten- als viel mehr ein Serviceproblem. Zumal die Festnetzsparte nach wie vor schwarze Zahlen schreibt. Die Strategie Obermanns, zehntausende Service- und Callcenter-Mitarbeiter in Billiglohn-Töchter abzuschieben, sei deshalb falsch: “Wenn die Arbeitsplätze in den Callcentern aber nur als Kosten- statt als Nutzenstellen betrachtet werden, zeugt das von extremer Kurzsichtigkeit. Es passt nicht zu dem Anspruch, die kundenfreundlichste Telefongesellschaft zu werden.”
David Wengenroth
PS: Eine weitere Nachricht, die man auch aus anderer Perspektive sehen kann, ist der Jubel des Bundeswirtschaftsministers Michael Glos, die Zahl der Arbeitslosen werde 2007 um 750.000 sinken, 2008 dann noch einmal um 270.000 auf weniger als 3,5 Mio (hier zum Bericht der Süddeutschen). Heißt im Klartext: Obwohl die Wirtschaft boomt und der Druck auf Arbeitslose durch die Hartz-Reformen enorm erhöht worden ist, rechnen selbst professionelle Optimisten nicht damit, die Massenarbeitslosigkeit in den nächsten 2 Jahren halbieren, geschweige denn beseitigen zu können.



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