In der Berichterstattung der Wirtschaftszeitungen über den Arbeitskampf bei der Telekom steht Vorstandschef René Obermann im Vordergrund. Tatsächlich aber führt die Politik Regie beim Telekom-Showdown. Die Verantwortung für die Konfrontation liegt eher bei Finanzminister Peer Steinbrück als bei Obermann.
Am vergangenen Wochenende beschrieb die Süddeutsche Zeitung die diffizile Situation von Telekom-Boss René Obermann, der es derzeit keinem recht machen könne. Die Belegschaftsaktionäre liefen Sturm gegen schlechtere Bezahlung und längere Arbeitszeiten, die restlichen Aktionäre seien unzufrieden mit dem dümpelnden Aktienkurs. Dies störe vor allem zwei mächtige Anteilseigner: den Bund und die Private-Equity-Firma Blackstone. “Verliert Obermann ihr Vertrauen, dann dürften sie ihn genauso schnell abservieren wie seinen Vorgänger Kai-Uwe Ricke.”
Nun ist es sicher moralisch vertretbar, sich für die Karriere des intern als “Bulldozer” bezeichneten Herrn Obermann einen feuchten Kehricht zu interessieren. Bemerkenswert ist aber trotzdem, wie selten in der Wirtschaftspresse die zentrale Rolle thematisiert wird, die die Politik T-heaterstück um Personalabbau und Gehaltskürzungen spielt.
Tatsächlich hat die “Privatisierung” der Telekom den Einfluss der Bundesregierung auf den Konzern keineswegs beendet, auch wenn die zuständigen Politiker bei Konflikten lieber in der Kulisse bleiben – und höchstens mal die Hand herausstrecken: Von der Rekorddividende von 3 Mrd Euro Dividende, die die Telekom in den vergangenen Tagen ausgeschüttet hat, kassierte der Finanzminister immerhin 1 Mrd.
Apropos Dividende: Es ist ja nicht so, als ob die Telekom nicht satte Gewinne einführe. Auch wenn nicht von der Hand zu weisen ist, dass die in Zukunft ausbleiben könnten. Bei der Vorlage der Quartalszahlen musste Obermann wieder vermelden, dass der Konzern 600.000 Kunden verloren hat. “Zwölf Jahre nach der Privatisierung bekommt die Telekom die Wucht des Wettbewerbs voll zu spüren. Die Kunden laufen ihr in Scharen davon, weil die Konkurrenz preiswerter ist und häufiger auch das innovativere Angebot hat”, schrieb die FAZ.
Und vergaß geflissentlich zu erwähnen, dass der Kundenschwund der Telekom politisch gewollt ist und gefördert wird. Ein Grund dafür, dass der Konzern im Kampf gegen seine Konkurrenten nicht gut dasteht, ist seine strenge Kontrolle durch die Bundesnetzagentur. Die Behörde reglementiert nämlich bis auf den Cent genau die Gebühren, die das ehemalige Staatsunternehmen von seinen Konkurrenten dafür verlangen darf, dass sie ihnen die so genannte “letzte Meile” in die Privathaushalte zur Verfügung stellt. Und bei der jüngsten Festlegung dieser Gebühren lehnte die Behörde es ausdrücklich ab, die hohen Personalkosten der Telekom zu berücksichtigen (näheres dazu hier).
Wenn man so will, subventioniert die Telekom also zwangsweise die niedrigen Preise ihrer Konkurrenten. Wohlgemerkt: Im Prinzip dient das alles dem hohen Ziel, Wettbewerb auf dem Telekommunikationsmarkt zu ermöglichen. In der Praxis führt es aber dazu, dass die Politik den Konzern gleichzeitig knapp hält und melken will – und ihm dadurch einen brachialen Sparkurs aufzwingt
David Wengenroth
PS: “Vom großen Streik bei der Deutschen Telekom dürften die meisten Privatkunden wenig mitbekommen. Ein oft mäßiger Service und lange Wartezeiten gehören bei dem ehemaligen Staatskonzern zum ganz normalen Alltag”, ätzte die FAZ zum Telekom-Streik. Sicher richtig. Sollte der Kollege allerdings in naher Zukunft Erfahrungen mit dem Service privater Anbieter wie z.B. Arcor machen, dürfte sein Urteil über die Telekom bald gnädiger ausfallen.



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