Der Arbeitskampf bei der Telekom droht zu eskalieren, weil die Bundesregierung es verlangt. Gleichzeitig wollen die Berliner aber im Hintergrund bleiben – und brennen mit Hilfe des Handelsblatts eine fette Nebelkerze ab.
Es klang so, als habe man in Berlin ein großes Herz für die Streikenden bei der Telekom: Über das Handelsblatt lancierte die Bundesregierung die Meldung, sie erhöhe den Druck auf Konzernchef René Obermann, den Streik bald zu beenden – und zwar so, dass beide Seiten ihr Gesicht wahren könnten. Allerdings solle er auch an den Sparzielen des Vorstandes festhalten: Einen Verzicht auf Gehaltskürzungen für die betroffenen 50.000 Mitarbeiter werde der Großaktionär Bund nicht hinnehmen.
Prompt titelte das Handelsblatt unter Berufung auf “Regierungskreise” brav: “Bund erhöht Druck auf Obermann” – was allenfalls die halbe Wahrheit ist. Denn die wachsweiche Ankündigung, Obermanns Sessel sei gefährdet, wenn es nicht zu einer “gesichtswahrenden Einigung” komme, entpuppt sich als Nebelkerze, in deren Schwaden sich die harte Kernaussage versteckt: Keine Kompromisse! Denn wenn die Forderung der “Regierungskreise” beim Wort zu nehmen wäre, verlangten sie von Obermann eine Quadratur des Kreises.
“Doch gerade den Griff ins Portemonnaie lehnt Verdi entschieden ab”, berichtet in dem betreffenden Artikel sogar das Handelsblatt selbst – ohne allerdings die naheliegende Frage aufzuwerfen, für wie blöd die zitierten “Regierungskreise” die Öffentlichkeit eigentlich halten.
Das Ergebnis der vermeintlich salomonischen Mahnung aus Berlin ist bereits zu beobachten: Der neue Telekom-Personalchef Thomas Sattelberger hat angekündigt, dass das Unternehmen die Auslagerung der 50.000 Arbeitsplätze in Billiglohntöchter auch ohne Einigung mit Verdi umsetzen werde. Die formell notwendigen Unterrichtungsschreiben an die Mitarbeiter sollen schon unterwegs sein. Die Gewerkschaft spricht von einer “dramatischen Verschärfung der Situation”. All das ist nachzulesen bei Spiegel Online – putzigerweise unter der Überschrift “Bundesregierung erhöht Druck auf Obermann”, was allenfalls… aber das sagten wir schon.
Offenbar hat der Telekom-Vorstand die Botschaft aus Berlin besser verstanden als das Handelsblatt und Spiegel Online.
David Wengenroth



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