ecolot.job-o-meter: Gutes Hundchen – böses Hundchen

Der Finanzinvestor Cerberus tut Gutes: Vergangene Woche gab die Heuschrecke mit dem Namen des Höllenhundes aus der griechischen Mythologie bekannt, dass sie mit 6 Mio Euro die Schaffung 600 Ausbildungsplätzen fördern will. Wird der Höllenhund handzahm? Oder ist er eher ein raffinierter Höllenfuchs? Der Blick in die Wirtschaftspresse zeigt: Weder noch. Die Reaktionen fielen zurückhaltend bis gallig aus.

Wenn ein einzelner Sponsor das hübsche Sümmchen von 6 Mio Euro in die Hand nimmt um 600 jungen Menschen eine Ausbildung zu ermöglichen, dann darf er mit einem warmen öffentlichen Applaus rechnen. Sollte man meinen. Und meinte wohl auch Cerberus’ Deutschlandchef David Knowers, als er seine Initiative am Dienstag im Frankfurter Rathaus vorstellte.

So richtig aufgegangen ist sein Kalkül trotz des anhaltende Lehrstellenmangels aber nicht. Zwar hat es sich mittlerweile herumgesprochen, dass gute Taten für Unternehmen nicht in erster Linie gute Taten sondern Marketingmaßnahmen sind – und normalerweise findet auch niemand was dabei. Aber wenn die eigennützige Absicht allzu offen zu Tage liegt, kommt das trotzdem nicht gut.

Wie im Fall der Cerberus-Lehrstellen. Der Heuschreck aus den USA verfolgt seit einigen Jahren ganz offen das Ziel, Deutschland neben den USA und Japan zu seinem 3. zentralen Markt zu machen. Heißt konkret: Das Unternehmen will hier einige Mrd Euro investieren und noch mehr Mrd Euro verdienen (hier nachzulesen bereits in einem Beitrag von manager-magazin.de von 2004). Dabei kann das miese Image, das die Finanzinvestoren hierzulande spätestens seit dem begriffsbildenden Heuschrecken-Vergleich von Franz Müntefering haben, empfindlich stören.

Für die Süddeutsche lag deshalb die Einordnung der Lehrstellen-Aktion auf der Hand: “Das Heuschrecken-Firmenimage soll aufpoliert werden.” Denn “natürlich” gehe es dem Investor nicht darum, “Deutschland zu helfen”. Immerhin bescheinigten die Münchner dem eigennützigen Spender, seine Initiative sei “durchaus ernstzunehmen”.

Richtig fuchsig wurde dagegen die Financial Times Deutschland: Wenn Cerberus ein Unternehmen “in seinen Fängen” habe, gehe der Investor “oft wenig zimperlich vor”, schrieb das Blatt. Beim angeschlagenen Autozulieferer Peguform zum Beispiel habe er massiv Jobs abgebaut, bei der Berliner Wohnungsfirma GSW nicht nur Mitarbeiter sondern auch viele Mieter vertrieben. “Wie passt das zusammen – massiv Stellen abzubauen, Kosten zu kürzen und mit den Gewinnen Ausbildungsplätze zu fördern”, fragte die FTD empört.

Und registrierte genüsslich, dass auf diese Frage nicht etwa Cerberus-Mann Knowers, sondern die gastgebende Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth den Allgemeinplatz absetzte, Gewinne zu machen sei “nicht per se unanständig”. Und dann halblaut mit dem Oberheuschreck scherzte: “Ich werd jetzt Pressesprecherin bei Ihnen.” Offenbar habe Cerberus das “wahrscheinlich wichtigste Ziel” erreicht, “Politiker für sich einzunehmen”, befand die FTD. Da das Ansehen dieses Berufsstandes hierzulande immer neuen Tiefpunkten entgegenstrebt, dürfte ihm dieser Erfolg zumindest bei der Imagepolitur aber auch nicht weiterhelfen.

David Wengenroth

PS: Wie in der heutigen ecolot.presseschau nachzulesen ist, wollte Cerberus gerade für stramme 8 Mrd Euro den Essener RAG-Konzern übernehmen. Bei diesem (mittlerweile gescheiterten) Plan hätte ein besseres Image in der Tat geholfen.

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