Freitagskolumne: O weh, O2!

Um ein Haar wäre der abtretende O2-Chef Rudolf Gröger vorletzte Woche noch zum Präsidenten des Branchenverbandes Bitkom gewählt worden. Das wäre angesichts seiner Bilanz ein ziemlich guter Witz der makabren Sorte gewesen. Und er wäre immer besser, resp. immer makaberer geworden: Seit Monaten ist klar, dass der Mobilfunker im großen Stil Jobs abbauen wird. Mittlerweile ist in der Wirtschaftspresse von 1200 bis 1500 betroffenen Mitarbeitern die Rede. Und von Managementfehlern.

An dieser Stelle sollte man ruhig ein wenig in staunender Betrachtung des Umstandes verharren, dass Gröger seine Kandidatur von sich aus zurückgezogen hat. Und wenn man ihm glauben darf, von den anderen Präsidiumsmitgliedern nicht einmal dazu aufgefordert wurde (nachzulesen z.B. hier in der FAZ).

Vielleicht muss man seinen Bitkompagnons zugute halten, dass zu diesem Zeitpunkt ja nur bekannt war, dass Gröger a) seinen Job verlieren würde, was schließlich den Besten von uns passieren kann, und b) ein paar hundert Arbeitsplätze zum Abbau freigeben wollte, was, naja, vielleicht auch passieren kann.

Es ist nicht bekannt, ob die Präsidiumsmitglieder des Verbandes sich in den vergangenen Tagen irgendwo getroffen haben, um gemeinsam drei Kreuze zu schlagen, weil Gröger nicht ihr Präsident geworden ist. Denn die Bilanz des scheidenden O2-Chefs in der Öffentlichkeit wird immer finsterer.

Die Frankfurter Rundschau schrieb von 1200 gefährdeten Jobs, das Handelsblatt wähnt gar 1500 Stellen in Gefahr, was bei knapp 5000 Angestellte so oder so eine ziemliche Masse ist. Das Handelsblatt wusste auch von offenen Baustellen zu berichten, die Gröger hinterlässt: Von einer viel zu komplizierten und starren Technik etwa. Oder davon, dass dem Mobilfunker pro Jahr rund 600 Mio Euro durch die Lappen gehen, weil O2-Kunden wegen der lückenhaften Netzabdeckung ständig im T-Mobile-Netz landen.

Auch die Übertragungsqualität sei wegen des löchrigen Netzes nicht gut. Beim Online-Dienst teltarif.de kann man weitere Gründe nachlesen, warum die Kundenzahl des Unternehmens seit einiger Zeit nur kümmerlich steigt. Viele Kunden hätten O2 bis heute zum Beispiel nicht verziehen, dass das Unternehmen auch bei laufenden Verträgen die Anrufe zu 01805-Rufnummern erheblich verteuerte und diesen Umstand den Kunden noch nicht einmal mitteilte. So kann man sich – zumal als relativ hochpreisiger Anbieter – auch den Ruf versauen.

“Aller Detailkritik, die nun folgen wird, muss man Gröger zunächst eine große Leistung anerkennen”, stammelt teltarif.de dennoch anerkennend: “Seit seinem Amtsantritt im Oktober 2001 hat er aus dem Mobilfunk-Winzling ‘Viag Interkom’ den ernst zu nehmenden Mobilfunk-Konzern ‘o2 Germany’ gemacht. Umsatzmäßig hat er sogar den mehrere Jahre früher gestarteten Konkurrenten E-Plus überholt. Das ist ein sehr, sehr beachtlicher Erfolg!”

Mh, nun. Wenn Gröger im Vorstand nur für das Marketing zuständig gewesen wäre. Dann müsste man den kalten Ekel über groß angelegte Werbekampagnen mit Franz Beckenbauer wohl hinunterwürgen und ihm bescheinigen, dass er seinen Job zwar nicht ästhetisch wertvoll, aber offenbar effektiv gemacht hat. Aber als Chef vonnet Janze gehen die 1200 Jobs, die in den kommenden Monaten mutmaßlich abgebaut werden, auch auf seine Kappe. Oder werden es sogar 1500 sein? “Schaun mer mal”, sagt der Beckenbauer. Noch so ein makaberer Witz.

David Wengenroth

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