Freitagskolumne: Danke, Thomas Fricke, aber…

In letzter Zeit liest man immer wieder, dass die Hartz-Reformen der Regierung Schröder für den gegenwärtigen Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt mitverantwortlich sind. Das ist Quark. Und wer mir das nicht glaubt, der glaubt es vielleicht dem Chefökonom der Financial Times Deutschland.

In seiner wöchentlichen Kolumne schreibt Thomas Fricke: “Nüchtern betrachtet gibt es bislang kaum Indizien dafür, dass die neu entdeckte Reform auch nur ansatzweise maßgeblich zum Jobwunder beigetragen hat.” Und nüchtern betrachtet er dann: “Wenn dem so wäre, müssten Stellen wegen des erhöhten Drucks auf Arbeitslose seit 2005 schneller besetzt werden als früher, vor allem mit Leuten, die länger arbeitslos sind.” Stattdessen sei aber die durchschnittliche Zeitspanne für die Besetzung einer Stelle seit 2005 von 40 auf 70 Tage gestiegen.

“Für den Jobboom liegen profanere Gründe nahe”, meint Fricke weiter. “Deutsche Firmen haben per saldo in der (jüngeren) Vergangenheit immer dann Beschäftigung geschaffen, wenn die Konjunktur lief und das Wirtschaftswachstum etwa zwei Prozent erreichte.” Wie eben seit Anfang 2006.

Welch interessante Erkenntnisse doch ein Blick auf die Fakten zutage fördern kann. Mit Hilfe dieser leider selten gewordenen Technik gelangen vor kurzem ja sogar FAZ-Mann Holger Steltzner in einem Leitartikel über Hartz IV gleich zwei unverquaste Sätze hintereinander: “Vor der Einführung von Hartz IV, im Jahr 2004, gaben Bund, Länder und Kommunen für Sozial- und Arbeitslosenhilfe 38,6 Milliarden Euro aus. Im Folgejahr 2005 haben Bund und Kommunen für Hartz IV 44,4 Milliarden Euro bezahlt.”

Auch wenn man Oskar Lafontaine nicht mag, ist der Befund eindeutig, sollte man meinen: Hartz IV war teurer Murks. Der schöne Gerhard und seine Stiefelputzer haben Millionen von Menschen in Existenzängste gestürzt und dabei Milliarden von Steuer-Euros verbrannt – für nix und wieder nix.

Leider liest man das in der Presse so selten, dass Frickes Analyse einen mit Dankbarkeit erfüllt. Vor allem, wenn man sich mit Grausen zum Beispiel an den (nicht online erschienenen) Leitartikel der Süddeutsche Zeitung aus der vergangenen Woche erinnert, in dem Kurtchen Beck über den roten Klee gelobt wurde, weil er an Schröders so genanntem Reformkurs festhält. Seufz.

Es wird wohl noch ein bisschen dauern, bis Journalisten dem eigenen Blick auf die Fakten wieder mehr trauen als dem Zerrbild vom Sozialschmarotzer.

David Wengenroth

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