ecolot.de guckt sich um in der großen bunten Wirtschaftswelt und schaut dahin, wo der Blick der Wirtschaftspresse selten hinfällt. Diesmal bestaunen wir mit Janine Köpfli vom Liechtensteiner Vaterland die breite Brust der Fürstentumsbewohner gegenüber der Europäischen Union. Wir entdecken im Liechtensteiner Volksblatt auch die Gründe dafür, lernen schließlich aber auch noch, dass Wohlstand wenig nützt, wenn man nicht schnell genug ist.
> Im Fürstentum werden Fragen von nationaler Bedeutung offenbar gerne im Gasthof Löwen in Vaduz verhandelt. Wie Janine Köpfli im Liechtensteiner Vaterland berichtet, traf sich dort eine hochkarätige Expertenrunde, um “europäische und globale Herausforderungen für die liechtensteinische Wirtschaft” zu diskutieren. Während Prinz Nikolaus von und zu Liechtenstein für eine pro-europäische Ausrichtung plädierte (denn “nur das sichere eine tadellose Aussenwirtschaft”), zeigte der Geschäftsführer des Liechtensteiner Bankenverbandes, Michael Lauber, sich europakritisch: Eine Annäherung an die EU bringe für den Finanzplatz lästige neue Regeln mit sich. Überhaupt hält der Bankenvertreter offenbar nicht viel von der EU: Sie sei “nicht so übermächtig, wie wir glauben. In Wahrheit ist sie doch nur ein grosses Durcheinander, das nicht einmal eine Verfassung zusammenkriegt”, zitiert Köpfli.
> Mit welchen wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischen Problemen sich das zwischen Österreich und der Schweiz eingekeilte Land herumschlägt, verdeutlicht folgende Meldung aus dem Liechtensteiner Volksblatt: “Die Liechtensteiner Arbeitslosenquote beträgt für September 2,8 Prozent. 481 Personen waren am Monatsende arbeitslos gemeldet, 22 Personen weniger als noch im August. Erfreulich ist vor allem der Rückgang der Zahl der jugendlichen Arbeitslosen unter 25 Jahren, welche im September um 17 Prozent auf 90 Jugendliche gesenkt werden.”
> Richtig eindrucksvoll sind die Wachstumsraten der Liechtensteiner Wirtschaft: Wie das Volksblatt berichtet, stiegen die Verkaufserträge der 20 größten Unternehmen des Fürstentums im 1. Halbjahr um stolze 17%. Die Finanzdienstleistungsbranche erhöhte ihren Umsatz sogar um 23%. Die Exporte des produzierendes Gewerbe legten um 16,4% zu. Einziger Wermutstropfen in der Statistik laut Volksblatt: “Die Höhenflug” (im Liechtensteiner Deutsch offenbar weiblich) “der Wirtschaft dürfte jedoch auch in Liechtenstein nicht ewig dauern.” Aber was tut das schon.
> Bevor deutsche Leser nun vor Neid ergelben, rücken die aktuellen Berichte des Liechtensteiner Vaterlands über die Langstreckenläuferin Kerstin Metzler-Mennenga die negativen Auswirkungen allzu üppigen Wohlstands in den Blick: Die Athletin sei bei einigen Marathon-Läufen gar nicht selber gelaufen, sondern habe (vermutlich gegen Geld) andere Läufer mit ihrem Kontroll-Chip auf die Strecke geschickt. “Am Hamburg-Marathon hat sie sich dann mit so einer falschen Zeit die Teilnahme für die WM in Osaka (Japan) erschlichen”, berichtet das Vaterland empört. Die Sache sei überhaupt nur aufgeflogen, weil die Läuferin (Zeigefinger ausfahren!) gierig wurde und im Internet nach Läufern suchte, die ihr die Olympia-Teilnahme in Peking ermöglichen sollten. Die Betrügerin sei geständig und mittlerweile vom Olympischen Verband des Fürstentums lebenslang gesperrt worden.



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