Eine Porträt-Serie über Unternehmen, ein Vorwort und eine wirtschaftswissenschaftliche Einleitung dazu, und fertig ist ein Wirtschaftsbuch. Das dürfte sich Nikolaus Piper, Leiter der Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung, und Elisabeth Dostert, die Autorin der meisten Unternehmensporträts im Buch, gedacht haben. Das Buch „Dynastien und Newcomer – Porträts deutscher Familienunternehmen“ hält, was es verspricht, aber ist wenig überzeugend. Niklaus Piper spannt im Vorwort einen Bogen von den erfolgreichen Familienunternehmen des 19. Jahrhunderts (Als Erfolgsfaktoren wurden damals Können und Gewerbefleiß ausgemacht, so Piper) zu den „Hidden Champions“ von heute, die teilweise mit ihren Produkten in Marktnischen Weltmeister sind. Piper nennt Haniel, Krupp, Thyssen, Maffei, Metzler und Oppenheim als Beispiele für wichtige Familienunternehmen aus Deutschland. Doch von keinem der genannten Unternehmen findet sich ein Porträt im Buch. Im Buch finden sich Porträts zu Alpecin, Dachser, Playmobil, Würth und weiteren 53 weiteren deutschen Familienunternehmen
„Das Buch soll einen Beitrag leisten zum Verständnis der Rolle von Unternehmen in der Marktwirtschaft“, schreibt Piper. Gemeint war wohl die Rolle von Familienunternehmen. Auf die wird in der folgenden Einleitung von Urs Frey auch tatsächlich eingegangen – in einem gut geschriebenen wissenschaftlichen Essay, mit Fußnoten und Schaubildern, wie sie in ein wirtschaftswissenschaftliches Buch gehören. Das vorliegende Buch ist aber keins, denn auf den folgenden 230 von 270 Seiten wird ein Kurzporträt nach dem anderen veröffentlicht, in alphabetischer Reihenfolge, übernommen aus der Süddeutschen Zeitung.
Auf jeweils drei Seiten wird auf das entsprechende Unternehmen und die dahinterstehende Unternehmerpersönlichkeit eingegangen. Interessant sind die Zukunftspläne der Unternehmer, die allesamt trotz positiver Zahlen sich einem verstärkten Wettbewerb gegenüber sehen. Ein Vorteil des Buches ist, dass die Porträts, so kurz sie auch sind, gut recherchiert wurden. Doch trotz guter Vorarbeit bleibt es bei einer oberflächlichen Betrachtung. Komischerweise wird auf die von Urs Frey vorne aufwändig dargestellten Modelle mit keinem Wort mehr eingegangen.
Und leider macht das Stakkato der vielen kurzen Porträts es auch sehr schwer, das Buch an einem Stück zu lesen. Für ein Nachschlagewerk wiederum fehlen Unternehmen und Informationen. Die Texte stammen aus einer Artikelserie, die seit dreißig Jahren in der Süddeutschen Zeitung fortgesetzt wird. Sie sind aktualisiert, aber der älteste Text hat den Stand von Januar 2005. Fazit: Ganz so einfach ist das mit dem Wirtschaftsbüchermachen eben doch nicht.
Janos Burghardt
Dynastien und Newcomer – Porträts deutscher Familienunternehmen
Herausgegeben von Elisabeth Dostert und Nikolaus Piper
Erschienen bei Economica Verlag
273 Seiten, gebunden
ISBN 978-3870814991



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