Eine doppelte Zumutung war es für Hanns Blasius, das Buch “Porsche – Toyota – General Electric” (Orell Füssli) zu schreiben. Viele Jahre hatte er an einer US-amerikanischen Privatuni in Straßburg ein MBA-Programm geleitet, bis ihm eines Tages von Supervisoren aus Washington gesteckt wurde, dass Inhaber solcher Führungsposten einen Doktortitel tragen müssten. Um seinen Job nicht zu verlieren, setzte sich der Diplom-Ingenieur Blasius an eine Forschungsarbeit – mit welcher Motivation, kann man sich gut vorstellen. Er promovierte über die Ausbildung von Führungskräften in Japan, Deutschland und den USA. Nachdem Washington zufrieden war, drängten ihn “Leute, welche die Arbeit gelesen hatten” dazu, sie “unbedingt einem breiteren Publikum zugänglich” zu machen. Für Blasius bedeutete dies die radikale Überarbeitung seiner, wie er selbst sagt, “gähnend langweiligen” Doktorarbeit.
Herausgekommen ist ein 317 Seiten starker Wälzer, in dem es um vieles geht, nur nicht um die Unternehmen Porsche, Toyota und General Electric. Insofern ist der Titel etwas irre führend. Die Unternehmen stehen für unterschiedliche Führungskonzepte: “Für Amerikaner ist ein Unternehmen eine Organisation, die ihre Aktionäre bereichern soll. Japaner sehen in ihm eine Organisation von Menschen für Menschen. Das deutsche Unternehmenskonzept liegt zwischen diesen beiden Extremen.” Im Prinzip geht es Blasius um Unternehmensführung und Ethik. Da verwundert es nicht, dass die Japaner besser als die Amerikaner und die Deutschen wegkommen (Das Buch endet mit der anklagenden Frage, ob rücksichtslose Sklaventreiber abgerichtet werden sollten, einzig zur schnellstmöglichen und grenzenlosen Vermögensanhäufung der big Shareholders und ihrer “Ackermänner”.)
Was das Formale betrifft: Vielleicht denkt der Verlag – für den Fall, dass es eine zweite Auflage gibt – mal über ein Stichwortverzeichnis nach. Dann könnten die oft schön einfach erklärten Begriffe aus der Managementlehre (das “Peter-Prinzip”, der “Aquarium-Effekt”) schneller gefunden werden. An einigen Stellen spickt der Autor sein Werk allerdings mit zu viel Einfachheit und Belanglosigkeit. Es scheint gar, als bemühe er sich um Nichtwissenschaftlichkeit, etwa in der Anmerkung zu einer Studie “Darüber wurde im SWR2 berichtet, als ich gerade auf der Autobahn fuhr, und deswegen konnte ich mir die Quelle nicht notieren.” Wen interessiert das? Misslungen sind auch ein paar Überschriften, beispielsweise “Die Amerikaner sehen das ganz anders” oder “Wir behandeln neue Information selektiv”.
Fazit: eine Lektüre für Führungskräfte und Wirtschaftsinteressierte, die sich auf leicht lesbare und verständliche Weise über – kulturell bedingt – unterschiedliche Führungsansätze informiert werden möchten. Sie müssen allerdings Zeit mitbringen, dieses umfangreiche Werk durchzuarbeiten.
Sandra Evertz
Hanns Blasius:
Porsche – Toyota – General Electric
Gute Unternehmensführung in Japan – Deutschland – USA
Erschienen bei Orell Füssli
317 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-280-05227-3



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