Eigentlich wollte ich meiner Kolumne in dieser Woche den Titel “Kopf auf Holz” geben und sie folgendermaßen beginnen: Wenn es bei einem Zusammenstoß zwischen einem Kopf und einem Kommentarthema hohl klingt, liegt das nicht zwangsläufig am Kopf. Ein schönes Beispiel dafür ist die aktuelle Diskussion über unverschämte Managergehälter.
Nun lehrt aber die Erfahrung, dass ein Text im Internet ungefähr 87.000-mal öfter gelesen wird, wenn ein Kraftausdruck in der Überschrift vorkommt. Also bin ich der Versuchung erlegen, den obenstehenden Titel zu wählen und beginne: Der Politiker als solcher treibt heutzutage gerne eine Sau durchs Dorf. Hotte Köhler, Angie Merkel und Kurti Beck haben sich zu diesem Zweck jetzt sozusagen die Schweine in Nadelstreifen ausgesucht und wettern gegen unverschämte Managergehälter.
Hei, was gab es dazu Putziges zu lesen in den letzten Tagen! Freitag letzter Woche versuchte zum Beispiel die Süddeutsche auseinanderzuklamüsern, welche Großverdiener ihren Großverdienst “verdienen” und welche nicht. Sportstars wie Franck Ribéry zum Beispiel landeten demnach in der Kategorie der Großverdienstverdiener, weil es “ohne sie das jeweilige Unternehmen nicht gäbe”. Manager seien dagegen Großverdienstnichtverdiener, weil sie letztlich ersetzbar sind.
Das klingt ganz plausibel. Ist aber auch Quatsch. Denn natürlich gäbe es den den FC Bayern (leider) auch ohne Franck Ribéry genauso wie es Porsche ohne Wendelin Wiedeking gäbe. Und ob Franckies tödliche Pässe für den FC Großkotz wichtiger sind als Wendelins geschäftlicher Killerinstinkt für Porsche, dürfte nicht zu beantworten sein.
Kaum weniger schief geriet der Gedankengang der Zeit: “Wenn schon Leistungsgesellschaft, dann richtig!”, gedankenblitzte es aus dem Zentralorgan des deutschen Bildungsbürgertums. “Erfolgreiche Chefs dürfen viel Geld erhalten, erfolglose aber nicht. Am schlimmsten für die Akzeptanz ist es, wenn Männer wie der ehemalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp Abermillionen kassieren, nachdem zuvor unter ihrer Führung Abermilliarden an Börsenwert verloren gingen.”
Nun sollte man nicht naiver sein, als für das Ertragen der Wirklichkeit unbedingt nötig ist. Die Verträge von Managern werden ausgehandelt, wenn sie erfolgreich sind oder zu werden versprechen. Besagter Jürgen Schrempp wurde jahrelang als genialer Konzernlenker gefeiert – und erwarb die Ansprüche und Vermögenswerte, die er heute zu Geld macht, in dieser Zeit.
Damit wir uns richtig verstehen: Die Kommentatoren haben mein Mitgefühl. Was soll man auch Vernünftiges schreiben zu so einer klassischen Dorfsau?
Es ist nur allzu offensichtlich, dass es den Politikerdarstellern nicht ernst ist mit der moralischen Entrüstung, die sie in die Journalistenmikros blöken. Denn so wie sie ihre Kritik formulieren, muss sie zwangsläufig folgenlos bleiben. Wo bitteschön soll denn eine gesetzliche Grenze für Managerbezüge gezogen werden? Bei 50 Mio Euro pro Jahr? Oder bei 30, 15 oder 10 Mio Euro?
Wenn so ein Gesetz beschlossen würde (was man sich schon nicht vorstellen kann), wären Porsche & Co schneller beim Bundesverfassungsgericht als der Cayenne von 0 auf 100. Und ebenso schnell würden sie dort Recht bekommen, weil das Gesetz ihre Tarif- und Privatautonomie verletzen würde.
Wenn es den Politikerdarstellern ernst wäre, dann würden sie den wirklichen Skandal beim Namen nennen: Dass in unserem Land die Reichen – und damit sind Manager ebenso gemeint wie Großaktionäre, Unternehmer, Fußballstars und was sonst noch so in Talern badet – immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Und dann würden sie ehrlich sagen, dass es dagegen längst bekannte und erprobte Mittel gibt: Höhere Steuern für die Reichen, großzügigere Hilfen für die Armen.
Das wäre zugegebenermaßen keine schöne Dorfsau. Aber wir hätten wenigstens die Gewissheit: Wenn es bei der Kopf-Kommentarthema-Kollision zu einem Hohlklang käme, läge es nicht am Thema.
PS: Diese Kolumne erscheint trotz ihres Namens erst am Samstag, weil ich mir gestern das Spiel von Borussia Dortmund gegen Arminia Bielefeld anschauen musste. Und weil wir nicht oft Gelegenheit haben, so etwas zu feiern, musste ich anschließend den 6:1-Sieg begießen. Aber, liebe SZ, ich käme trotzdem nicht auf die Idee, die Mio-Gehälter von Fußballprofis mit höheren moralischen Weihen zu versehen.



naja wie man als offenbar bekennender Schwarzgelber dazu kommt,
andere als FC Großkotz zu beschimpfen erschließt sich nicht…
schon vergessen der “arme Leute ballverein bvb” hat mal eben
140 Mio verpulvert und zahlt seit Jahren keine Gewerbesteuer in
Dortmund…. soviel zum Thema Steuern und Gerechtigkeit !
Aber vergessen und Fakten negieren ist halt einfacher und in der
Tat immer volkstümlich.
Bravo, wahr gesprochen!
Dieses scheinheilige Politiker- und Mediengedöns geht ziemlich auf den Zeiger, obwohl die Debatte an sich sehr wichtig ist. Ich kritisiere vehement diese völlig überzogenen Gehälter, aber die Erkenntnis was angemessen ist muss durch die Zivilgesellschaft in die Unternehmen getragen werden und dort Früchte tragen. Auf keinen Fall darf man überhaupt versuchen so etwas gesetzlich zu regeln.
Bei der Wahl der Mittel um diese Erkenntnis zu forcieren wäre ich allerdings mittlerweile nicht mehr zaghaft, aber bitteschön ohne heuchlerische Politdarsteller.
Und was den FC Großkotz betrifft: Seit diesem Wochenende bin ich ziemlich sicher Hoeneß hat die ganze Liga gekauft. . .man kotzen die mich an!
“Und was den FC Großkotz betrifft: Seit diesem Wochenende bin ich ziemlich sicher Hoeneß hat die ganze Liga gekauft. . .man kotzen die mich an!”
schön ist es doch, wenn man ein Feindbild mit vielen anderen
Mitlebewesen teilen kann, das erspart nachdenken und argumentieren
Ich bin auch fast sicher, die Liga ist vom FC Bayern München gekauft
worden und Katsche Schwarzenbeck zieht als Pate die Fäden….
verkleidet in einem rotem Kostüm und mit langem Bart schleicht
er durch anständige deutsche Innenstädte….