Letzte Woche hat Capital einen richtig guten Witz gemacht: Das Magazin fragte Manager, was sie von der Politiker-Debatte über unverschämte Managergehälter halten. Überraschendes Ergebnis: 73% der Befragten “verbitten sich jegliche politische Einmischung”. Dabei rettet politische Einmischung einem von ihnen gerade das Gesicht, wenn nicht sogar den Hals: Springer-Chef Mathias Döpfner.
Gegenüber anderen Managern hat Mathias Döpfner einen entscheidenden Vorteil: Was immer er auch anstellt, vor Angriffen aus Deutschlands giftigsten Medien ist er sicher. Da kann man schon mal leichtsinnig werden. Und so verfiel er auf den verführerischen Gedanken, es könne mit dem Briefmarkt doch nicht schwerer sein als auch sonst am Geldautomaten: Einfach Pin eingeben, Geld rausholen, fertig.
Das Ergebnis war in dieser Woche zu bewundern: Springer hat seiner Tochter Pin den Geldhahn zugedreht, der grüne Post-Konkurrent steht vor dem Aus. Und Matze Döpfner macht die Erfahrung, dass auch Deutschlands andere Medien giftig werden können. “Im Hause Springer hat sich eine tiefe Kluft aufgetan zwischen per ‘Bild’-Zeitung öffentlich gefordertem Anspruch und intern gelebter Wirklichkeit”, ätzt der Stern. “Die Belegschaft der Pin-Gruppe muss für eine fehlerhafte Kalkulation der Springer-Führung haften.”
Tatsächlich haben mittlerweile bereits 7 von 91 Regional-Pinchen mit 850 Beschäftigten Insolvenz angemeldet, wie u.a. ftd.de berichtet. Rund 700 Mio Euro hat Döpfner nach Schätzung des Handelsblatts mit seinem Briefdienst-Abenteuer verzockt (hier).
Vor diesem Hintergrund erscheinen seine Attacken gegen den Post-Mindestlohn als reine Schutzbeschimpfung. In Wirklichkeit hat er wahrscheinlich vor ein paar Tagen auf seinen Wunschzettel geschrieben: “Liebes Christkind! In diesem Jahr brauche ich keine neue Playstation, sondern eine gute Ausrede.” Den Zettel muss er unauffällig der lieben Tante Angela zugesteckt haben und die hat ihm mit dem Post-Mindestlohn prompt das Gewünschte unter den Weihnachtsbaum gelegt.
Denn wirklich fürchten muss Millionen-Minus-Matze zwar nicht die Bild-Zeitung, aber seine oberste Richterin Friede Springer. Über deren Temperament ist zwar wenig bekannt, aber man kann sich schon vorstellen, dass sie angesichts von fahrlässig versenkten 700 Mio Miesen ganz schön in die Luft gegangen wäre.
Aber jetzt ist ja – welch Glück! – der Post-Mindestlohn schuld an dem Desaster, also quasi höhere Gewalt. Da wird Friede auf Erden bleiben und dem Mathias ihr Wohlgefallen. Fröhliche Weihnachten!



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