Wirtschaftswache: Rezessionsraten

Gibt das denn jetzt eine Rezession in Amerika oder nicht? Die hochbezahlten Auguren lassen den Leser der Wirtschaftspresse wieder einmal ratlos zurück: Die einen sagen so, die anderen sagen so. Außerdem in den Protokollen der Wirtschaftswache: Probleme von Barack Obama und Beobachtungen von Helge Schneider.

Wetten
Gibt das denn jetzt eine Rezession in Amerika oder nicht? Die hochbezahlten Auguren lassen den Leser der Wirtschaftspresse wieder einmal ratlos zurück: Die einen sagen so, die anderen sagen so.

Nun wissen wir ja von John Maynard Keynes, dass Prognosen schwierig sind, insbesondere solche über die Zukunft. Das hat unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht nur Nachteile: Wer findig und geschäftstüchtig genug ist, kann jetzt unter Missachtung des Glücksspiel-Staatsvertrages Wetten auf die Zukunft der US-Wirtschaft annehmen.

Wer partout versuchen will, sich auf rationalem Wege eine Meinung zu dieser Preisfrage der Woche zu bilden, findet hier ein paar Argumente:

Das Handelsblatt ist dafür, dass die Rezession kommt. Es schrieb am Donnerstag: “Die Vorboten für eine handfeste Wirtschaftskrise sind nicht zu übersehen.” Auch die erneute Leitzinssenkung der US-Notenbank werde dagegen kurzfristig wenig ausrichten können. Es bleibe nur “die Hoffnung, dass Notenbank und US-Regierung mit ihren Konjunkturhilfen zumindest die Auswirkungen der Wirtschaftsflaute mildern können.”

Die FTD ist eher dagegen. Dort schrieb Chefökonom Thomas Fricke, die in Deutschland verbreitete Ansicht, Konjunkturpakete kämen immer zu spät, sei eine “These mit Roland-Koch-Tiefgang”. Studien amerikanischer Ökonomen hätten längst das Gegenteil bewiesen.

Im Interview mit der Zeit meint Alan Greenspan: “Ich glaube, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession mindestens 50 Prozent beträgt, doch bisher gibt es wenig Hinweise dafür, dass wir schon in einer stecken. Eine Eigenschaft von Rezessionen sind Brüche mit dem Vorhergehenden, oft in Form scharfer Veränderungen am Arbeitsmarkt und in der Produktion. In den vergangenen drei Wochen gab es ein paar solche Ereignisse, aber nicht genug, um zu sagen: Die Situation hat sich wirklich verändert. Meiner Meinung nach wird dies wahrscheinlich noch geschehen, aber von den Fakten her ist es noch nicht so weit.”

Alles klar? Wenn Sie keine der vorgetragenen Argumentionen überzeugend finden, bleibt Ihnen immer noch die alte Kaufmannsweisheit: “Nur Bares ist Wahres.” Mit anderen Worten: Werfen Sie eine Münze!
Wahlen
Alle Welt wartet gespannt auf den Super Tuesday in den USA: den kommenden Dienstag, an dem in 22 Staaten gleichzeitig Vorwahlen stattfinden.

Mit Blick auf das Rennen bei den Demokraten sehen viele Zeitungen für Barack Obama nach seinem Sieg in South Carolina im wahrsten Sinne des Wortes schwarz. “Dieser Triumph wird noch richtig teuer”, menetekelt etwa der Tagesspiegel und erläutert, Obama verdanke seinen Erfolg “den Schwarzen, die in South Carolina in nie dagewesener Zahl wählen gingen und sich zu 80 Prozent für Obama entschieden. Doch schon vor dem Erdrutschsieg wussten seine Strategen: Je besser er jetzt bei den Schwarzen abschneidet, desto schlechter für ihn in neun Tagen am Super Tuesday. (…) Wenn Obama wegen seines Erfolgs bei den Afroamerikanern nun plötzlich als ‘Kandidat der Schwarzen’ wahrgenommen wird, werden umso weniger Weiße und Latinos für ihn stimmen. So kompliziert sind die Rassenbeziehungen in den USA.”

Unter emanzipatorischen Gesichtspunkten spricht ohnehin ein Argument gegen Obama: Wie die FAZ erinnert, galt Bill Clinton ja bereits als “erster schwarzer Präsident” der USA. Andererseits spricht dann eigentlich nichts dagegen, dass Barack Obama wenigstens die erste Frau im Präsidentenamt wird.

Wetter
In der vergangenen Woche wies ich in dieser Kolumne auf die negativen wirtschaftlichen Folgen des Rauchverbots hin. Dabei habe ich aber einen wichtigen Aspekt übersehen, auf den mich mittlerweile ein Tagesspiegel-Interview mit dem großen Helge Schneider hingewiesen hat: “Ich war in Heidelberg, da gibt es gerade in der Altstadt wie leergefegte Lokale und alle stehen draußen. Ich fand es gut da draußen, es bilden sich immer ganz neue Grüppchen, die unterhalten sich. Wahrscheinlich ist das auch eine Maßnahme zur Ankurbelung der Wirtschaft, dann kaufen sich die Leute mehr Wintersachen.”

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