Blick auf den Bären: Kauft die Welt!

Russland ist die wichtigste aufstrebende Wirtschaftsmacht Europas. ecolot.de wirft einmal pro Woche einen Blick auf interessante Russland-Berichte in der Wirtschaftspresse. Diesmal: Medwedew schickt die Geldsäcke aus, der Aufschwung der Stadt Tjumen und der teuerste Film der russischen Filmgeschichte.

Wirtschaft
Der Standard berichtet, dass der voraussichtlich nächste Kremlchef, Dmitri Medwedew, die Auslandsexpansion russischer Konzerne fördern will. Nach den Worten des Putin-Kronprinzen sollten Russlands Großunternehmer “sich ein Beispiel an China zu nehmen und kräftig im Ausland zukaufen”, hat das Blatt bei einem Auftritt Medwedews vor Wirtschaftsvertretern vernommen. “Um das Wirtschaftswachstum zu fördern und die Abhängigkeit von ausländischer Technologie zu verringern, werde der Kreml die globale Expansion russischer Konzerne als eines der großen Ziele der nächsten Jahre finanziell und administrativ unterstützen”, referiert der Standard die Ankündigung des Präsidenten in spe.

Ein Beispiel für den staatlich geförderten Aufschwung in einigen Regionen Russlands stellt die Welt vor: die aufstrebende westsibirische Provinzhauptstadt Tjumen. “Gegenüber der aufwändig restaurierten Residenz des Gouverneurs erstreckt sich noch eine Holzhaussiedlung, außerhalb des Zentrums leben die Menschen teilweise noch in Baracken. Auch die Plattensiedlungen sowjetischen Zuschnitts fehlen nicht. Doch dazwischen wird überall gebaut”, berichtet die Welt. “Moderne Gebäude wie das ‘World Trade Center’ prägen inzwischen das Zentrum von Tjumen, wo demnächst auch die international renommierte Hotelkette ‘Marriott‘ eine Dependance eröffnen wird. Blitzblanke Einkaufszentren und insgesamt 89 Autohäuser am Stadtrand – unter anderem BMW, Skoda, VW, Audi, Seat, Renault, Peugeot, Isuzu – künden vom wachsenden Wohlstand zumindest im Verwaltungszentrum der Region.”

Die FAZ analysiert in einem Artikel die “Wirtschaftsmacht Russland”: In Bezug auf die Wirtschaftsleistung rangiere das Land heute – je nach Zählart – auf Platz 9 bis 11. Was schon vergleichsweise gut ist, denn 1999 rangierte das Land noch auf Rang 22. “Im vergangenen Jahr hat das Bruttoinlandsprodukt nach Angaben des russischen Finanzministeriums eine nominale Höhe von 1,25 Billionen Dollar (850 Milliarden Euro) erreicht”, berichtet die FAZ. Weniger beeindruckend seien allerdings die Pro-Kopf-Zahlen: “Während bei den absoluten Werten Russland vor Italien liegt, erreicht Russland nur etwa ein Drittel des italienischen Wohlstandsniveaus.”

Politik
Das Handelsblatt wirft einen Blick auf den Hickhack zwischen Russland und der OSZE um die Bedingungen für Beobachter bei der russischen Präsidentschaftswahl. In dem zähen Streit sei die Regierung in Moskau zwar zu gewissen Zugeständnissen bereit, eine Einigung zeichne sich aber längst noch nicht ab.

Die Frankfurter Rundschau stellt die vom Kreml gegründete Denkfabrik “Institut für Demokratie und Zusammenarbeit” vor, die die Menschenrechtslage in den “Vorzeigedemokratien” unter die Lupe nehmen soll und jetzt erste Filialen in New York und in Paris eröffnet hat. Hintergrund: Den Kreml-Herren geht es auf die Nerven, dass immer nur sie wegen Menschenrechtsverstößen angeprangert werden.

Die Süddeutsche berichtet von der Aushebung einer rechtsradikalen Gruppe in Moskau, die mindestens 20 Ausländer getötet haben soll.

Die taz lästert über die “Demobilisierung” der Putin-treuen Jugendorganisation Naschi: “Putin schläfert Jungpatrioten ein”.

Kultur
Die Welt berichtet von den Dreharbeiten zu dem Film “Die bewohnte Insel“. Das neue Werk von Fjodor Bondartschuk, Sohn des berühmten “Krieg- und Frieden“-Regisseurs Sergej Bondartschuk, wird mit einem Budget von 30 Mio Dollar der teuerste Film werden, der bislang in Russland gedreht wurde.

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