Blick auf den Bären: Vergesst Nabucco!

Russland ist die wichtigste aufstrebende Wirtschaftsmacht Europas. ecolot.de wirft einmal pro Woche einen Blick auf interessante Russland-Berichte in der Wirtschaftspresse. Diesmal: Warum Gazprom Nabucco für keine gute Idee hält. Neues aus dem bizarren Präsidentschaftswahlzirkus. Wie das System Putin mit Kritikern umspringt. Und wie Putin küsst.

In einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung erklärt Gazprom-Vize-Chef Alexander Medwedew, warum er das Gazprom-Pipeline-Projekt South Stream nicht für eine Konkurrenz zur geplanten EU-Pipeline Nabucco hält. Und warum Nabucco sowieso keine gute Idee ist: “Europa benötigt in den nächsten 15 Jahren mindestens 100 Milliarden Kubikmeter zusätzliches Erdgas pro Jahr, zu den jetzt verbrauchten rund 500 Milliarden. Für den Transport dieser Mengen fehlen derzeit die Pipelines. Unsere beiden Projekte, North Stream durch die Ostsee und South Stream, werden zusammen 85 Milliarden Kubikmeter Gas transportieren. Die EU benötigt also zusätzliche Transportkapazitäten”, rechnet Medwedew vor. Und weiter: “Wenn Sie schon ein Pipeline-Projekt in Frage stellen, sollten Sie das nicht mit South Stream tun. Das wird rentabel sein. Bei Nabucco bin ich mir da nicht so sicher. Nabucco soll Europa mit drei möglichen Produzenten verbinden: Aserbeidschan, Turkmenistan und Iran. Aserbeidschan benötigt sein Gas aber selber, und Turkmenistan ist vertraglich zur Lieferung an Gazprom gebunden. Es bleibt also Iran. Ich überlasse es Ihnen, zu beurteilen, ob das im gegenwärtigen politischen Klima eine besonders gute Idee ist.”

Der Tagesspiegel rätselt übrigens, wie die Macht bei Russlands Energieriesen künftig verteilt sein wird: Noch-Präsident Wladimir Putin wolle offiziell nicht mehr Gazprom-Aufsichtsratschef werden.

Politik
Das bizarre Schauspiel namens “Präsidentschaftswahlkampf” verdient kaum die Bezeichnung Wahl. Um einen Kampf handelt es sich aber durchaus, und zwar vor allem für die chancenlosen Gegenkandidaten des Kreml-Favoriten Dimitri Medwedew gegen die Kapriolen der sogenannten Wahlkommission. Der Standard berichtet von Vorwürfen der Kommission, die Gegenkandidaten hätten ihre Vermögensverhältnisse nicht offengelegt. Kommunisten-Chef Gennadi Sjuganow trifft der schwere Vorwurf, weil er Geschenke im Wert von satten 470 Euro angenommen haben soll.

Wie das System Putin mit Kritikern umspringt, beleuchtet der Tagesspiegel: Die junge Journalistin Natalja Morar hat sich bei ihrer Arbeit so viele Feinde im russischen Geheimdienst und der Präsidialadministration gemacht, dass ihr am 16. Dezember am Moskauer Flughafen Domodedowo schlicht die Einreise verweigert wurde. “Wie sie auf Nachfrage herausfand, nach Paragraf 27 des russischen Gesetzbuchs, zum Schutze der ‘nationalen Sicherheit’. Seitdem arbeitet Morar von ihrer Heimatstadt Chisinau in der Republik Moldau aus an ihrer Rückkehr.”

Ein noch bitteres Beispiel stellt die Welt vor: Der ehemalige Yukos-Manager Wassili Aleksanjan “hat Krebs und ist HIV-infiziert, doch ins Krankenhaus darf er nicht”, schreibt die Zeitung. Er muss in Untersuchungshaft bleiben, obwohl die Ärzte ihm dringend eine stationäre Behandlung empfohlen haben. “Der frühere Manager des Ölkonzerns Yukos soll offenbar mit allen Mitteln zu einer Aussage gegen seine Ex-Kollegen gebracht werden”, meint die Welt.

Zugabe
Noch eine Meldung aus der Welt (hier): “Putin privat – und das für nur 4,20 Euro. Was sich hinter den Türen des Kreml abspielt, davon bekommen die Russen bislang wenig mit. Das wird sich jetzt ändern. Denn in Russland kommt eine DVD auf den Markt, die das Leben des Präsidentenpaares zeigt. Die Macher des Films versichern, alles sei nur Fiktion.”

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