Wirtschaftswache: Häme aufheben

Klaus Zumwinkel hat’s voll erwischt: Bis Mittwoch ein hochangesehener Manager, am Donnerstag vor laufenden Kameras von der Polizei abgeholt, am Freitag Job und Ehren los. Die FTD fühlt sich an die lange Latte der jüngsten Manager-Skandale erinnert und die Zeit meint: “Der Fall Zumwinkel erregt uns, weil es einen Menschen in einer herausragenden Position trifft.” Ist er also ein weiteres moralisches Lehrstück über die Geldsäcke, die den Hals nicht voll genug kriegen? Wirtschaftswache nennt fünf Gründe, warum das allenfalls die halbe Wahrheit ist:

1. Die steigenden Aktienkurse der Post: Viele Börsianer haben vor Vorfreude auf den Nachfolger schon ganz rote Ohren, weil sie hoffen, dass der den Forderungen des Kapitalmarktes bereitwilliger nachkommen wird als der von den Gewerkschaften geschätzte Zumwinkel.

2. Die Schadenfreude, die der Tagesspiegel hinter den Kulissen von CDU und CSU in Berlin aufgeschnappt hat: Deren feinen Plan, den Briefmarkt durch Liberalisierung flächendeckend zum Hungerlohnrevier zu machen, hat Zumwinkel durch die Durchsetzung des Post-Mindestlohns durchkreuzt.

3. Die mediale Inszenierung seiner Verhaftung, die sogar den Argwohn der nicht eben Zumwinkel-freundlichen FAZ geweckt hat. Sagen wir mal so: Sie kam sicher vielen nicht ungelegen, denen der “Anti-Ackermann” (Tagesspiegel) schon lange ein Dorn im Auge war.

4. Das interessante Detail, dass führende SPD-Leute die ersten waren, die zum Halali auf den (Sozialdemokraten) Zumwinkel geblasen haben – und zwar noch vor der Bestätigung der Vorwürfe (hier der Bericht von vanityfair.de). So sind die Sozis mittlerweile drauf. Machen gerne mal auf Kosten ihres Vorzeige-Managers eine schnelle Schlagzeile.

5. Wir können die Frage, ob der materiell gut abgesicherte Zumwinkel unser Mitleid verdient, getrost am Wegesrand liegen lassen. Aber die Häme sollte man sich besser aufheben: Unter den Hundertschaften von Steuersündern, die die Staatsanwaltschaft angeblich noch im Visier hat, dürften einige sein, die sie redlicher verdient haben.

2 Kommentare zu “Wirtschaftswache: Häme aufheben”


  1. 1 porschekiller

    “Unter den Hundertschaften von Steuersündern, die die Staatsanwaltschaft angeblich noch im Visier hat, dürften einige sein, die sie redlicher verdient haben.”

    Diese umformulierte Frage stellt sich in unserem Steuerrecht nicht. Was soll das also?

  1. 1 Der Staat - das bin ja ich.-fallen/legen

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