Hei, was war das wieder eine unterhaltsame Woche in der Wirtschaftspresse. Da sah zum Beispiel Bundeswirtschaftsminister Michael Glos das Land “auf dem besten Weg zur Vollbeschäftigung”, während Großunternehmen infolge der Finanzkrise Massenentlassungen ankündigen (hier der Bericht der FAZ). Da sage noch jemand, unsere Politiker hätten keine Visionen.
Immerhin hat die Ära der neoliberalen Wirtschaftsreformen jetzt ihre griffigen Schlagworte – ganz in der Tradition des großen Reformers Michail Gorbatschow (siehe Überschrift). Glos sollte allerdings auch eine andere Gorbi-Regel nicht vergessen: Wer zu blöd kommt, den bestraft der Wähler.
Brummi und Biosprit
Was ist Zynismus? Als Definition bietet Wikipedia “zum einen eine Haltung, die in (manchmal absichtlich) verletzender Weise die Wertvorstellungen anderer herabsetzt oder missachtet, und zum anderen auch eine Haltung, die moralische Werte grundsätzlich in Frage stellt” an. Zu abstrakt? Dann hier eine konkrete Erklärung: Zynismus ist, wenn Experten davor warnen, die Biosprit-Programme der Industrieländer könnten zu Hungersnöten in armen Ländern führen (hier ein Hintergrundartikel aus der Frankfurter Rundschau), und unser Bundesumweltbrummi Sigmar Gabriel von der Biosprit-Quote abrückt, weil er Motorschäden an Importautos befürchtet.
Da fragt man sich nur noch: Ist Leute umbringen möglicherweise auch nur verboten, weil es soviel Dreck macht?
Köfferchen und Krisengewinner
Angesichts immer neuer Zockerverlustmeldungen von den deutschen Banken wird einem als Bankkunde angst und bange. Allmählich muss man fürchten, für sein Geld auf der Bank statt Zinsen höchstens noch ein moralische Anrecht auf eine Bruchbude in Columbus/Ohio zu bekommen. Aber das hat für manche Wirtschaftszweige durchaus Vorteile.
Es bedarf keiner großen Fantasie, vorherzusehen, dass bald nur noch besonders naive Zeitgenossen ihr Geld auf die Bank tragen werden. Stattdessen werden auch größere Geldbeträge wieder schön fein zuhause verwahrt und im Zahlungsfall bar über den Tisch geschoben. Und weil Geldscheine in Plastiktüten und Jutesäcken so hässlich verknicken, wird diese Epoche später einmal als “Köfferchen-Kapitalismus” in die Wirtschaftsgeschichte eingehen.
Von der Krise der Banken könnte also zum Beispiel die gebeutelte Kleinlederwarenindustrie profitieren. Und da der Autor dieser Zeilen zufälligerweise in dem Kleinlederwarenzentrum Kirn/Nahe (Rheinland-Pfalz, hier die Homepage) seine idyllische Schulzeit verbracht hat und heutzutage jeder Journalist, der auf sich hält, Schleichwerbung macht, hier ein unauffälliger Hinweis: Besonders feine Köfferchen stellen die Kirner Firmen Golden Head (hier), Idea (hier), Braun (hier) und Müller und Meirer (hier) her.



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