Wirtschaftswache: Heraus zum 1. Mai!

Ich habe den “Tag der Arbeit” (offizielle Bezeichnung im Brunnen-Taschenkalender, meinem persönlichen Fähnlein Fieselschweif-Handbuch) aus beruflichen Gründen im schweizerischen Solothurn verbracht. Hübsches Städtchen mit erstaunlich großen Kirchen, hübscher Altstadt und renommierten Literaturtagen. Nicht gerade schmerzhaft ereignisreich. Und das war auch gut so.

Ich saß abends in einer Kaschemme an der Aare. Las ohne greifbaren Erkenntnisgewinn das Solothurner Tagblatt. Ließ mich von drei netten Schweizern (Bruno, Franz und Heidi) anquatschen. Erörterte mit ihnen die Aussichten der Schweizer Nationalmannschaft bei der Euro 2008. Verstand von unserem Gespräch gerade mal die Hälfte. Ließ mich aber bereitwillig in ein nahegelegenes Etablissement namens “Kreuz” zu Mai-Disco abschleppen.

Ich hatte mit anderen Worten einen netten Abend, an dem ich zwar reichlich Bier ins, ansonsten aber keine aufs Maul bekam. Hätte ich den 1. Mai stattdessen in der Nähe des Zürcher Hauptbahnhofs verbracht, hätte ich von beidem reichlich bekommen können.

Auf der Hinfahrt im Zug durch Zürich bekam ich mit, wie ein Einheimischer fürsorglich russische Touristen vor dem traditionellen Zürcher Mai-Maulhauen warnte. “Don’t go out tonight…”, singen Creedance Clearwater. “Sie hau’n dir die Rübe breit!”, ergänzt der Zürcher am 1. Mai, dem “Tag der Aggressionsabfuhr”.

Ähnliches hört man alljährlich aus Berlin, Hamburg etc, etc… Wo konnte man also noch hin an diesem Tag? Bestimmt nicht nach Mainz, Krefeld, Hannover, Kiel und Ludwigshafen, wo die DGB-Vorstandsmitglieder Michael Sommer, Ingrid Sehrbrock, Annelie Buntenbach, Dietmar Hexel und Claus Matecki zum DGB-Motto “Gute Arbeit muss drin sein!” in die Bütt gingen.

Dass die erwähnten Damen und Herren für den Mindestlohn sind, wusste man auch schon vorher. Da Gewerkschaftsfunktionäre bekanntlich die schlechtesten Redner des Universums sind und man ihre Forderungen ohnehin im Internet nachlesen kann (hier), musste man sich das wirklich nicht extra noch einmal anhören am “Tag der Argumentewiederholung”.

Wahrscheinlich fahre ich nächstes Jahr zum 1. Mai am besten wieder nach Solothurn. Vielleicht sind ja Bruno, Franz und Heidi wieder da. Oder ich finde was Interessantes im Solothurner Tagblatt.

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