Wirtschaftswache: Gewerkschaftler mit Geschmäckle

Alle hacken auf Norbert Hansen herum. Fritz Kuhn von den Grünen zum Beispiel meint, der geplante Wechsel des bisherigen Transnet-Vorsitzenden auf den Posten des Arbeitsdirektors der Deutschen Bahn habe ein “Geschmäckle”. Also, für mich hätte die Aussicht, in Hartmut Mehdorns Dunstkreis arbeiten zu müssen, eher ein “Geschreckle”.


Aber Hansens Verhältnis zum Bahn-Chef bisher war ja auch bisher schon ausgesprochen transnett. Und außerdem dürfte er reichlich Schmerzensgeld bekommen: Statt der bisherigen rund 100.000 Euro pro Jahr über 1,4 Mio Euro, wie Bild am Sonntag (sch)ätzt. Weshalb Hansens Wechsel nach Ansicht seiner angehenden Ex-Mitkämpfer von ausgewachsenem Geschmack zeugt, und zwar von besonders schlechtem. Zumal gemutmaßt wird, dass er auf seinem neuen Posten im großen Stil Personalverschiebungen in Billiglohn-Töchter durchführen wird.

Wenn schon ein gelernter Gewerkschafter den Posten des obersten Bahn-Personalers bekommen soll, dann hätte man sich nicht Hansen, sondern Ex-GDL-Chef Manfred Schell gewünscht. Erinnern Sie sich noch an den Tarifstreit der Lokführer? Manfred Schell und Hartmut Mehdorn – das waren endlich mal zwei, die einander verdient hatten. Der Unterschied zwischen Schell und Hansen lässt sich sehr schön mit einer Dampflok illustrieren: Schell hätte kräftig eingeheizt und Druck auf dem Kessel gemacht – der Hansen wird nur Kohle schaufeln.

Aber was soll’s: Bekommt der Mehdorn eben nicht den scharfen Schell, sondern den handzahmen Hansen. Der Bahn-Chef sollte sich nicht zu früh freuen: Wer weiß, was für Investoren die Bahn-Aktie nach dem Börsengang anziehen wird. Da gibt es ja zum Beispiel diesen amerikanischen Firmenjäger und Ex-Ledernacken Guy Wyser-Pratte, der Managern, die nicht spuren, schon mal zuzischt “Riecht das Napalm!” Das wäre jemand, den man Mehdorn ebenfalls gönnen würde. Und diese Konstellation hätte dann allenfalls ein “Gerüchle”.

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