Wirtschaftswache: IWacht am Rhein

Juristen glauben oft, dass sie alles können. Das ist natürlich Quatsch. In Wirklichkeit können Ökonomen alles. Oder zumindest über alles etwas sagen. In der vergangenen Woche hat zum Beispiel das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) eine Beurteilung der Bildungspolitik in verschiedenen Bundesländern vorgelegt. Da fragt man sich doch: Schreiben die demnächst auch Konzertkritiken? Und was soll aus all den abgenutzten Fußballprofis werden, wenn das IW demnächst bei Premiere den letzten Bundesligaspieltag kommentiert?

Da mag man sagen: Warum nicht? Im Musikgeschäft geht es ohnehin nur noch um schnelle Kohle, wie der Siegeszug des RTL-Bodensatz-Events “Deutschland sucht den Superstar” beweist. Und irgendein IW-WiWi dürfte auch kaum ahnungsloser daher brabbeln als etwa Stefan Effenberg.

Aber der “Politik-Check Schulsystem” fiel leider inhaltlich genauso dämlich aus, wie sein Name befürchten ließ. Die nordrhein-westfälische Schulministerin Barbara Sommer bekam Bestnoten für ihre “weit überdurchschnittliche Reform- und Innovationstätigkeit”, weil sie an den Schulen ihres Landes herumoperiert wie ein als Fleischer ausgebildeter Aushilfs-Chirurg auf Speed.

Dass die Stimmung bei Schülern und Lehrern mies ist und von den durchgepeitschten Reformen wenig funktioniert – IWen juckt’s? Forsch nach dem Motto “Neu ist immer gut” lobhudelt das Institut demjenigen, der sich in seiner Reformwut von pädagogischen Bedenken am wenigsten aufhalten lässt. Nach dieser Logik ist ein perfekter Ehemann, wer möglichst oft die Frau wechselt.

Darüber, was an den Schulen wirklich los ist, haben die Kölner Ökomiker sich offenbar nicht weiter informiert. Folglich sehen wir ihrem nächsten “Politik-Check Schulsystem” mit Desinteresse entgegen. Das IW sollte sich ein Vorbild nehmen an seinen rheinischen Nachbarn aus Bonn: Wenn die Telekom demnächst ihren “Praxis-Check Wirtschaftsjournalismus” vorlegt, kann man wenigstens sicher sein, dass sie vorher gründlich recherchiert hat.

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