Wirtschaftswache: Reichtum macht doof

Manchmal muss man Zahlen einfach auf sich wirken lassen. In der vergangenen Woche konnten wir zum Beispiel in den Zeitungen von dem Ergebnis einer DGB-Umfrage lesen, der zufolge gerade mal jeder siebte Deutsche seinen Job mag.


“Rund 30 Prozent der Arbeitnehmer sähen dagegen keinerlei Entwicklungsmöglichkeiten an ihrem Arbeitsplatz, bezeichneten ihr Einkommen als unzureichend und litten unter hoher Arbeitsbelastung. Weitere 55 Prozent bewerteten ihre Arbeit als mittelmäßig. Auch sie beklagten geringe Aufstiegschancen, litten dafür aber nur teilweise unter körperlichen und seelischen Belastungen, erklärte der DGB”, referiert zum Beispiel die Welt.

“Wie kann das sein?”, fragte ebenfalls in der vergangenen Woche die Zeit in einer kritischen Bestandsaufnahme der deutschen Sozialpolitik. “Eine Million Menschen stehen regelmäßig Schlange, um kostenlos Brot, Butter und Obst zu bekommen. Sie sind zu arm, um sich diese Lebensmittel leisten zu können. Schwerkranke bekommen dringend benötigte Medikamente nicht, weil die Kasse sie nicht bezahlen will. Lehrer sammeln Spendengeld, um Schulessen zu finanzieren.” Der Staat gebe zwar jedes Jahr 700 Mrd Euro für Soziales aus, aber ein großer Teil davon lande bei Besserverdienenden, während die wirklich Armen zunehmend alleingelassen werden.

Wer (wie der Autor dieser Kolumne) in der vergangenen Woche zufällig die aktualisierte Neuauflage des Buches “Das Imperium der Schande. Der Kampf gegen Unterdrückung und Armut” in die Hände bekommen hat (bitte hier bestellen bei buch.de, da kriegen wir Prozente), konnte darin u.a. lesen: “Auf unserem Planeten leben heute 1,8 Mrd Menschen in äußerstem Elend, mit weniger als einem Dollar pro Tag, während 1% der reichsten Bewohner soviel Geld verdient wie 57% der ärmsten dieser Erde.” (Seite 46)

Oder: “Den Angaben des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge zufolge versuchten im Jahr 2007 über 22 000 Hungerflüchtlinge aus Somalia, Eritrea und Äthiopien die Meerenge zwischen dem Horn von Afrika und dem Jemen zu überqueren, um später nach Europa zu gelangen. Zwischen der Küste von Mogadischu und der Bucht von Aden dauert die Überfahrt auf morschen Kähnen zwei Tage und zwei Nächte. Wie viele Menschen starben im Roten Meer – in den Fluten ertrunken, von Haien gefressen, verdurstet auf den überladenen Kähnen? Mehrere tausend Opfer hat es der UNO zufolge im Jahr 2007 allein in der Meerenge von Aden gegeben.” (Seite 11).

Mit anderen Worten: Wir leben in einem stinkreichen Land. Und dann schaffen wir es, dass Millionen von Menschen kaum das Nötigste zum Leben haben und die Bedingungen hassen, unter denen sie arbeiten müssen. Wie doof sind wir eigentlich?

2 Kommentare zu “Wirtschaftswache: Reichtum macht doof”


  1. 1 Markus

    Sind nun die Millionen die kaum das nötigste haben, die die ihr Leben in der Meerenge von Aden riskieren, oder die hier, die immer ein Dach über dem Kopf haben, und deutlich mehr als 1 Dollar pro Tag haben???
    So gesehen, wenn man das vergleicht kann bei uns eigentlich keiner meckern, denn klar gibt es hier Reichtum, aber selbst im ärmsten Land gibt es auch Reichtum.

  2. 2 David Wengenroth

    Danke für den Hinweis auf nötige Klarstellung: Gemeint war, dass selbst hier Millionen von Menschen kaum das Nötigste zum Leben haben und die Bedingungen hassen, unter denen sie arbeiten müssen.

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