ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Geburt des neuen französischen Energie-Giganten GDF-Suez. In der Financial Times Deutschland stimmt Joseph Stiglitz einen Abgesang auf den Neoliberalismus an. Die Zeit beruhigt besorgte Conti-Arbeitnehmer. Im Wall Street Journal erkennt Ex-Bush-Berater Karl Rove in den Krisen bei Fannie und Freddie ein gefundenes Fressen für Obama und McCain. Fundstück: Kampf um die Kuh.
Nachdem die Aktionäre von Gaz de France (GDF) und Suez gestern grünes Licht für den Zusammenschluss der beiden Energiekonzerne gegeben haben, feiert Les Echos den „neuen französischen Champion“. Zwar zeichneten sich die Vorteile des Schulterschlusses kurzfristig angesichts der hohen Energiepreise noch nicht ab. „Das Gas bleibt erstmal teuer, aber immerhin wird es Gas geben! Als Gigant in einer Welt der Riesen kann das GDF-Suez-Tandem (…) seine langfristige Belieferung in der Zukunft viel besser mit Titanen wie Gazprom absichern und verhandeln“, applaudiert die Finanzzeitung der Fusion. Auch im Ausland sorge die Geburt eines weiteren Champions – nach Total im Benzin-, EDF im Elektrizitäts- und Areva im Nuklear-Bereich – für gute Schlagzeilen. „Die Energie entwickelt sich zu einem Trumpf ,made in France’“, frohlockt Les Echos.
Die Frankfurter Rundschau untersucht die Rolle des französischen Staates im neuen Mega-Unternehmen (Börsenkapitalisierung: knapp 100 Milliarden Euro) – über andere Anteile, die etwa der nationale Atomkonzern Areva an GDF-Suez halte, komme der Staat auf 40 Prozent der Stimmen. Dass die privaten Aktionäre gestern dennoch zustimmten, habe seinen Grund vor allem in der Gefahr durch andere Übernahmen: 2006 habe die italienische Enel Interesse an Suez angemeldet, woraufhin der damalige Premierminister Dominique Villepin das alte Fusionsprojekt mit GDF zur Abwehr aus der Schublade gezogen habe. „Das zeigte, dass Paris trotz aller schönen Worte keineswegs gewillt ist, europäische Energiekonzerne zu schaffen, um die EU gegen die Bedrohung durch die russischen Energieproduzenten zu wappnen. Tatsächlich wird GDF- Suez einer von zahlreichen ,nationalen Champions’, die Präsident Nicolas Sarkozy schon vor Jahren vorschwebten.“
Der Nachrichtensender France24 erinnert an die Bedenken von EU-Regulatoren, die sich für grenzüberschreitenden Wettbewerb und Transparenz auf dem europäischen Energiesektor einsetzen. Zwar betonten GDF und Suez, dass sie weder politischen noch finanziellen, sondern ausschließlich industriellen Interessen folgten. „Sie merken an, dass ihr Ziel darin besteht, ein neues Gebilde zu formen, das die Energieversorgung in der Schönen Neuen Energie-Welt sichert. Die Frage bleibt jedoch, warum ein solcher Mammut wirklich nötig ist – und ob er ein schwerer Brummer wird, der jeglichen Wettbewerb auf seinem Weg zerstößt.“ Schon heute sei der Konzern mit 22 Millionen Kunden und 200.000 Mitarbeitern ein großes „Biest“.
Schaeffler – die Rückkehr der Familien-Imperien
Die Zeit kommentiert Schaefflers Conti-Offensive, deren Erfolgsaussichten unklar seien. Trotz markiger Worte einiger Gewerkschaftsfunktionäre müssten sich die Conti-Arbeitnehmer jedoch nicht fürchten. „Nichts garantiert eine ähnlich große Sicherheit für ein Unternehmen wie eine erprobte Familie als Eigner. Familien sind in aller Regel an der Erhaltung und am Zusammenhalt von Unternehmen interessiert.“ VW, Bertelsmann und Metro seien andere Beispiele für einen Trend zur „Familiarisierung von Großunternehmen“, bei dem die Konzentration von Vermögen in der Hand einiger Clans bedenklich sei. Zugleich sei deren Erfolg indes ein Beleg für die „inhärente Schwäche eines auf schnelle und zugleich konstant fließende Gewinne angelegten Börsenkapitalismus.“
Miese Stimmung bei Spanair
„Seit längerem schon befürchten wir einen möglichen Stellenabbau. Dass dieser jetzt so übertrieben durchgeführt wird, damit haben wir nicht gerechnet“, zitiert El Mundo den Betriebsratchef der zweitgrößten spanischen Airline, Spanair. Fast ein Drittel der 3800 Beschäftigten müssten sich nach einem neuen Job umsehen. So wolle es die skandinavische Gesellschaft SAS, seit wenigen Wochen der neue Eigentümer von Spanair. SAS reagiere damit auf die gestiegenen Kerosinpreise und eine sinkende Nachfrage. „Die Stimmung unter den Piloten ist äußerst angespannt“, zitiert das Blatt Javier Navas, Pilot bei Spanair. Allerdings treffe der Stellenabbau sowohl Piloten und Flugbegleiterinnen, als auch das Bodenpersonal. Auch die Regionalregierung von Mallorca, dem Sitz der Airline, zeige sich sehr besorgt über die Pläne zum Stellenabbau und habe bereits Gespräche mit dem spanischen Arbeitsministerium eingeleitet.
Erfolgreiche russische Doppelspitze
China Daily zieht eine positive Zwischenbilanz der zweimonatigen Arbeit von Dmitri Medwedew und Wladimir Putin. „Ihr Verhältnis ähnelt dem von Befehlshabern und politischen Kommissaren im Sowjet-Militär von gestern“, erklärt das Pekinger Blatt. „Medwedew ist der bona fide-Kopf des Staates, während Putin der ,spirituelle Führer’ der Nation ist.“ Heute sei die Staatsführung mächtiger als zuvor: Bislang sei eine schwache Regierung von einem „superstarken Präsidenten“ geführt worden, inzwischen gebe es eine „starke Kombination aus mächtigem Präsidenten und mächtiger Regierung“. Wegen seines internationales Ansehens und seiner Erfahrungen könne Putin neben seiner Hauptaufgabe, der Wirtschaft, auch in den Bereichen Sicherheitspolitik und Außenbeziehungen punkten – was seinen Amtsvorgängern misslungen sei. Dass Putin und Medwedew mitunter unterschiedlicher Meinung seien, wertet das Blatt als Stärke der Regierung: „Wenn die Führer einer Nation immer das gleiche Lied singen, fehlt etwas bei ihren Führungsqualitäten.“
Golf-Staaten retten Airbus und Boeing
Die Gulf Times kommentiert die bisherigen Ergebnisse der Luftfahrtmesse im britischen Farnborough. Ohne die Käufer aus dem Mittleren Osten, meint das Blatt, wäre die Messe für Boeing und Airbus nicht mehr als eine „Vergnügungsreise in eine ländliche Ecke Englands“. Doch da sich die Golf-Region dank hoher Ölpreise den weltweiten ökonomischen Trends widersetze, seien Fluglinien wie Etihad Airways aus Abu Dhabi (u.a. zehn Airbus A380 für elf Milliarden und Boeing-Maschinen für neun Milliarden Dollar bestellt) die Stars der Messe; bis 2015 wollten Fluglinien aus dem Mittleren Osten ihre Flieger-Flotte auf 900 Maschinen verdoppeln. Hersteller wie Boenig sähen in der Öl-Krise inzwischen eine Chance, da diese die Fluglinien dazu zwinge, in energieeffizientere Modelle zu investieren und ältere Maschinen auszumustern – was wiederum das Leasing-Geschäft in eine Krise stürzen könnte.
Fannie-Freddie-Krise als Chance
Im Wall Street Journal schreibt der frühere Berater von US-Präsident George W. Bush, Karl Rove, dass die Krisen bei den Hypothekengiganten Fannie Mae und Freddie Mac ein gefundenes Fressen für Barack Obama und John McCain seien. Derjenige, der in dieser Situation die Führung bei dem neuen Thema ergreife, habe gute Chancen, im November die Präsidentenwahl zu gewinnen. „Das Ziel muss darin bestehen, die privaten US-Finanzinstitute in eine Position zu zwingen, in der sie nicht mehr die Dollars des Steuerzahlers gefährden können. (…) Das heißt: das finanzielle föderale Fangnetz über Bord werfen und Fannie und Freddie schrumpfen“, schlägt Rove vor. Der Kandidat, der solche Vorschläge anbringe, werde sich in der Frage, wer mit wirtschaftlichen Fragen besser umgehen könne, nach vorne schieben können.
Der Neoliberalismus ist tot
In der Financial Times Deutschland stimmt der Wirtschaftsprofessor Joseph Stiglitz einen Abgesang auf den Neoliberalismus an. Die Finanzkrise und die Probleme der Entwicklungsländer zeigten, dass die neoliberale Idee ein Vierteljahrhundert nach „Reagonomics und Thatcherismus“ gescheitert sei. Ein Indiz dafür sei, dass Entwicklungsländer, die in den vergangenen Jahren einen neoliberalen Kurs verfolgten, ihre Wachstumsgewinne verloren hätten. Fazit: „Der neoliberale Marktfundamentalismus war immer eine politische Doktrin, die gewissen Interessen diente. Sie wurde nie von ökonomischer Theorie gestützt, ebenso wenig von historischen Erfahrungen. Wenn diese Lektion jetzt gelernt wird, wäre das ein Hoffnungsschimmer hinter der dunklen Wolke, die momentan über der Weltwirtschaft hängt.“
Fundstück: Kampf um die Kuh
The Local aus Schweden verfolgt den Streit der Milchprodukte-Hersteller The Skånemejerier und Arla. Hintergrund: Skånemejerier hat den Rivalen auf die Zahlung von über 100.000 Euro verklagt, weil dieser für seinen „Power-Kuh“-Milchshake mit einer gemalten Milch-Spenderin werbe, die dem eigenen Firmenlogo – der hauseigenen Kuh Calvin – sehr ähnlich sei. Neben der Geldstrafe verlange Skånemejerier von seinem Wettbewerber, sämtliche Verpackungen sowie Werbematerial und Geschäftsbriefe einzustampfen und entsprechende Webseiten vom Netz zu nehmen. Arla-Boss Anders Svensson zeigt sich gegenüber dem Blatt erstaunt: „Wir haben nichts Falsches gemacht.“ Der eigentliche Grund für den Furor liege darin begründet, dass sein Unternehmen den „Power-Kuh“-Milchshake, der im Mittleren Osten schon seit zehn Jahren verkauft werde, in diesem Jahr auch in Schweden eingeführt habe. Und Skånemejerier nichts entgegenzusetzen habe.
Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de
Mitarbeit: Charlotte Bartels, Florian Käfer.



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