Heuer begehen wir bekanntlich das “Jahr der Mathematik” und die Medien sind rührend bemüht, ihren Lesern, Hörern und Zuschauern diese abstrakte Wissenschaft näher zu bringen. Da will die Besatzung der Wirtschaftswache nicht zurückstehen, zumal wir gerade aktuell ein besonders gutes Beispiel für ihre praktische Anwendung haben. Deshalb haben wir hier eine hübsche kleine Textaufgabe zum Streit um den geplanten Hilfsfonds der EU für die Landwirtschaft in armen Ländern.
1. Berechnung des einfachen Schäbigkeitsquotienten
Setzen Sie die 1 Mrd Euro, die nach dem Willen von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in diesen Fonds kommen sollen in Verhältnis zu den 350 Mrd Dollar, die die Industriestaaten der OECD 2007 als Beihilfen für ihre eigene Landwirtschaft ausgezahlt haben.
2. Berechnung des dividierten Schäbigkeitsquotienten
Rechnen Sie die Pro-Kopf-Unterstützung aus, mit der jeder der 203 Mio dauerhaft schwerst unterernährten Menschen, die nach Schätzung von Jean Ziegler (UN-Sonderbeauftragten für das Recht auf Nahrung) allein in Afrika leben, aus dem EU-Fonds rechnen dürfte.
3. Berechnung des multiplizierten Schäbigkeitsquotienten
Multiplizieren Sie den einfachen Schäbigkeitsquotienten mit dem Faktor X, der dem Umstand Rechnung trägt, dass nach Meinung vieler Entwicklungsexperten gerade die hochsubventionierten Agrarexporte der EU in den vergangenen Jahrzehnten die Landwirte in vielen afrikanischen Ländern ruiniert haben.
4. Potenzierter Schäbigkeitsquotient nach der Seehoferschen Formel
Nehmen Sie den einfachen Schäbigkeitsquotienten hoch 10, weil unser deutscher Landwirtschaftsminister Horst Seehofer sich gegen die Einrichtung des Fonds ausgesprochen hat, weil er selbst diese 1 Mrd Euro noch lieber in die EU-Landwirtschaft stecken will.
Mit dieser Aufgabe sind Sie, liebe Leser, sicher für zwei Wochen ausgelastet. Und das ist gut so, weil die Wirtschaftswache in der kommenden Woche urlaubsbedingt nicht besetzt ist.



Beim Errechnen von Nr. 2 kommt immer die Fehlermeldung: “division by zero”