ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse sieht im Vorfeld des WTO-Treffens in Genf kaum Chancen für eine Einigung zwischen den beteiligten Ländern. L’Expansion unterhält sich mit Motorola über Auswege aus der Krise des Unternehmens. Izvestija stellt die jüngsten Milliardäre Europas vor. Fundstück: Die Kreditkrise ist auf dem Golfplatz angekommen.
“Ist das heutige Treffen der Welthandelsorganisation WTO in Genf die letzte Gelegenheit, um sich für die Globalisierung einzusetzen?”, fragt der Observer aus Großbritannien. Zwar sei – mit Blick auf die schlimmste Wirtschaftskrise in den USA seit 50 Jahren, die Nöte der Ärmsten dieser Welt im Kampf um Lebensmittel und den unbändigen Hunger von Ländern wie China nach Rohstoffen – ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, um für die Globalisierung einzutreten. “Und doch, wenn sich die Handelsminister am Genfer See treffen, in einem letzten Versuch, die sieben Jahre alte Doha-Runde wiederzubeleben, dürfte ein starkes ?Jetzt oder nie?-Gefühl vorherrschen.” Kämen die beteiligten Länder zu einem Ergebnis, wäre dies ein mächtiges Signal: Immerhin hätten sich die USA und Europa bereit erklärt, ihre Agrarsubventionen und Exporthilfen zu reduzieren, wenn die Schwellenländer Einfuhrzölle senken. Doch die globale Krise habe einerseits die Ängste in den reichen Industrieländern vor Marktliberalisierungen geschürt, die Schwelleländer könnten andererseits nach den Erfahrungen der letzten Jahre zu dem Schluss gelangt sein, dass ihnen Doha nicht viel nütze. Deshalb sei es “dieses Mal möglich, dass die reichen Nationen, verschreckt durch Arbeitsplatzverluste, ökonomische Unsicherheit und die wachsende Last aus der Kreditkrise, den Verhandlungstisch räumen und die Doha-Runde platzen lassen.”
Die Frankfurter Rundschau kritisiert das sture Festhalten an Regeln des Freihandels zugunsten der westlichen Welt. Diese stecke in einer der schlimmsten Finanzkrisen aller Zeiten, begleitet von einem verschärften Hungerproblem wegen explodierender Rohstoffpreisen und dem fortschreitenden Klimawandel. “Dass es der Markt schon richten wird, glauben angesichts dieser globalen Katastrophen immer weniger Menschen. Aber die Verfechter des Freihandels verhalten sich geradezu beängstigend konsequent. Ein Umsteuern in der internationalen Handelspolitik ist kaum zu erwarten, wenn sich nun die Vertreter der WTO in Genf treffen.” Zwar könnten Europa und die USA nicht mehr ungehemmt die Forderungen ihrer Agrar- und Industrielobbys durchsetzen, Schwellen- und Entwicklungsländer hätten ihre Verhandlungsposition in den letzten Jahren verbessert. Selbst die WTO habe eingeräumt, dass die Gewinne nicht gleichmäßig verteilt seien. Doch letztlich halte die WTO unbeirrt an Marktöffnungen und Zollsenkungen fest, auch wenn das arme Nationen wie Schwellenländer benachteilige. Dies lasse nur einen Schluss zu: “Die ungleiche Verteilung des Wohlstands ist politisch gewollt.”
Auch die französische Tageszeitung Le Monde sieht schwarz für das WTO-Treffen: “In den USA sind die Demokraten dabei, die Wahl von Barack Obama nicht mit einer uneingeschränkten Befürwortung von Handelsliberalisierungen zu gefährden, und die Iren haben gerade nein zum Lissabon-Vertrag gesagt, weil sie um den Absatz ihrer Fleisch- und Milchproduktion fürchten. WTO-Chef Pascal Lamy muss darauf achten, das der aktuelle Trend zu Protektionismus nicht die Glaubwürdigkeit der WTO untermauert.” Am wahrscheinlichsten sei eine Einigung bezüglich der Landwirtschaft, die 8 Prozent des weltweiten Handels ausmache: Die reichen Länder hätten eine Reduktion ihrer Milliarden schweren Subventionen zugesagt. Schwieriger werde es schon im Industriesektor, der 72 Prozent des Welthandels ausmache. Hier glaubten die Industrienationen, dass sich ihre Konzessionen an die Schwellen- und Entwicklungsländer nicht auszahlten. Und im Servicesektor habe die Diskussion gerade mal begonnen. “Der Misserfolg scheint für Genf programmiert. Und selbst wenn Lamy das Unmögliche gelingt, wird es Monate brauchen, bis alle gewünschten Zitate, Ausnahmeregelungen, Fristverschiebungen u.ä. in den Text eingeflossen sind, den dann alle einstimmig akzeptieren.” Wenn die WTO in Genf aber scheitere, bestehe die Gefahr, dass neue Wirtschaftskriege mittels Zollbeschränkungen geführt und jene Vereinbarungen gestärkt werden, die die armen Länder zu Verlieren machten.
US-Aktiengesellschaften graben sich ihr eigenes Grab
“Amerika steht zum Verkauf”, lautet die Schlussfolgerung der Globe and Mail aus Kanada aus dem Verkauf von AnheuserBusch an
Der Kult um CEOs beginnt zu verblassen
Einen Abgesang auf Vorstandsvorsitzende (CEOs) und den sie umgebenden Kult stimmt der Oberserver an. In der aktuellen Wirtschaftskrise zeige sich, dass diese Form der Unternehmensführung nicht mehr Erfolg versprechend sei: “Die guten alten Privatunternehmen stellen öffentliche Unternehmen zunehmend in den Schatten. Und Privateigentum geht nun mal besser zusammen mit neuen Formen des Managements, mit Freistil-Methoden, wo Ideen und Innovationen eher von unten kommen als vom Topmanagement.” CEOs würden deshalb in naher Zukunft nur eine von vielen Führungskräften sein. Als Beispiele nennt das britische Sonntagsblatt Firmen wie
L’Expansion aus Frankreich befragt Alain Mutricy, Vizepräsident bei
Spaniens Unternehmer fordern staatliche Hilfe
“Wie bei allen Krisen suchen auch diesmal die betroffenen Wirtschaftszweige Unterschlupf bei staatlichen Fonds, um zu überleben”, beobachtet Expansión aus Spanien. Das Argument, der eigene Firmenkonkurs könne die gesamte Volkswirtschaft anstecken, sei beliebt, um finanzielle Hilfe durch den Staat zu rechtfertigen, meint die Wirtschaftzeitung. Jetzt seien es die Airlines, die Hilfe von der Regierung forderten. “Wenn die Krise weiter andauert und der Staat nicht schnell und unbürokratisch hilft, werden Entlassungen zum alltäglichen Brot der Fluggesellschaften gehören”, zitiert Expansión den Verband Spansicher Airlines (AECA), dem auch Spanair und Air Comet angehören. Dabei habe der spanische Wirtschaftsminister Solbes diese Haltung schon vor ein paar Tagen anlässlich des Insolvenzgesuches des Immobiliengiganten Martinsa Fadesa gerügt, als er sagte, es sei kaum zu rechtfertigen, dass Probleme privater Unternehmen durch Steuergelder gelöst würden. Viel vernünftiger wären doch Forderungen zu mehr Marktliberalisierung, die dann zusammen mit den eigenen Möglichkeiten eine Anpassung an die neue Realität erleichtern und die Krise erträglicher machen würden, empfiehlt das Blatt.
Russland stellt elf der 14 europäischen Milliardäre unter 40 Jahren
Die jüngsten Milliardäre Europas kommen aus Russland, schreibt die russische Zeitung Izvestija. Von den 14 europäischen Milliardären, die jünger als 40 Jahre alt sind, stammen allein elf aus Russland und der Rest aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Dabei seien sie alle nach einem ähnlichen Szenario reich geworden. “Zu Beginn der Reformzeit waren sie energische und ambitionierte Absolventen und haben die Gunst der Stunde genutzt, um reich zu werden – aber nicht mit Öl oder Gas” schreibt das Blatt. Viele hätten ihr Geld mit den Aktien frisch privatisierter Staatsunternehmen gemacht, außerdem stünden mehrere Baulöwen auf der Liste. So zum Beispiel der 36-jährige Dmitrij Zelenov, Besitzer der Baufirma Don-Stroj und rund 1,4 Milliarden Dollar schwer, und der ebenfalls 36-jährige Sergej Popov, der während der Währungskrise 1998 einen Teil seiner 6,4 Milliarden Dollar an der Börse verdiente. “Wer weiß, hätte es die wilden Neunziger nicht gegeben, dann wären jetzt nicht diese jungen Männer unter den Reichsten Europas, sondern ehemalige Politbüro-Mitglieder und ihre Verwandtschaft”, so die Zeitung.
Indien sieht Petrochemie als Zukunftsindustrie
Petrochemie sei die Zukunft des Landes, glaubt die indische Economic Times. Grund für diesen Optimismus seien zum Beispiel Überlegungen, verschiedenen Abgaben zu reduzieren, wie die Steuern auf Kunststoff und Plastik und die Zölle auf Steinöl – was Kosten senken, die Nachfrage erhöhen und die Industrie positiv beeinflussen würde. Außerdem würde das automatisch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der indischen Industrie “in die Höhe jagen”. Außerdem sei die petrochemische Industrie weltweit gerade dabei, sich grundlegend zu verändern, zum Beispiel hinsichtlich der Nutzung von Gas als billigerem Rohstoff anstelle von Steinöl. Neu gemeldete Gasfunde in Indien und deren Verfügbarkeit würden dabei helfen, die Aussichten der indischen Petrochemie verbessern. “Es ist zu erwarten, dass sich Indien in absehbarer Zukunft zu einem weltweit bedeutenden Zentrum der petrochemischen Produktion so wie des Exports entwickelt.”
Fundstück: Golfer nehmen Abschied von gepflegtem Rasen
Die Finanzkrise ist beim nobelsten aller Sportarten angekommen: beim Golf. Wie der New Zealand Herald berichtet, habe das New Zealand Sports Turf Institute die bis dato undenkbare Frage gestellt, ob Golfer wirklich akkurat geschnittenen Rasen und hübsch anzusehende Landschaften bräuchten. Das mehrmalige Mähen pro Woche, der Sprit für die Rasenmäher, der Dünger – all das sei aufgrund des Ölpreises erheblich teurer geworden. Ein bekannter Golfclub rechne dieses Jahr mit einer Kostenexplosion von einst 70.000 auf 100.000 Dollar. Zu empfehlen sei deshalb, dass Golfer künftig mit weniger gepflegten Plätzen vorlieb nehmen. Areale, die nicht genutzt würden, könnten mit Pflanzen versehen werden, die ohne große Pflege auskommen. Auch könne man einen billigeren Rasen verwenden, der nicht soviel Dünger benötige. “Die Tage des preiswerten Öls sind vorbei. Golfer müssen wie alle anderen akzeptieren, dass eine Zukunft bevor steht, in der das Leben nicht so angenehm ist – und der Rasen nicht so gleichmäßig und fein.”
Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de.
Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer, Maxim Kireev.



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