ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse läutet das Ende der Ära der Billigflüge ein und zeichnet Zukunftsszenarios für die Branche. Die russischen Zeitungen RBKdaily und Gazeta.ru erklären, warum Mechel in die Schusslinie von Wladimir Putin geriet. Die Frankfurter Rundschau begrüßt das erste Urteil im Siemens-Prozess. Fundstück: Frankreich feiert den Sandwich-Sommer.
“Das Ende der Ära der Billigflüge” ruft die Times aus London angesichts der jüngsten Meldungen über Verluste bei
Die kleinlauten Töne des gewöhnlich großspurig auftretenden
Über eine neu heranwachsende Konkurrenz für Billigfluglinien berichtet der Sydney Morning Herald aus Australien: Anbieter von Reiseticket-Systemen. Führend für das Reisziel Europa sei z.B. die Firma Europebyair.com.au, die 2006/2007 einen Anstieg der verkauften Reisetickets um 110 Prozent registriert habe: “Anbieter wie Europebyair.com.au haben verschiedene Flugklassen im Programm, z.B. Kurzflüge für 129 Dollar, Mittelstreckenflüge für 149 Dollar und Langstreckenflüge für 169 Dollar. Sie kooperieren dabei weder mit Standard-Fluglinien wie
Russland statuiert an Mechel ein Exempel
Nach der “öffentlichen Auspeitschung” des Bergbau- und Stahlgiganten Mechel vergangene Woche, habe Wladimir Putin am Montag erneut zum Schlag ausgeholt und seine Vorwürfe gegen Mechel konkretisiert, schreibt die russische Zeitung RBKdaily. “Mechel hat seine Kohle für ein Viertel des Marktpreises an seine ausländischen Tochtergesellschaften verkauft, um so Steuern zu umgehen”, zitiert die Zeitung den Ministerpräsidenten. Anschließend hätten die – meist in Steuerparadiesen ansässigen – Mechel-Töchter die Steinkohle zu Weltmarktpreisen weiterverkauft. Nach Putins Ansprache stürzten die Mechel-Aktien erneut um 24 Prozent ab. Putins Ziel sei nicht gewesen, eine konkrete Firma zu bestrafen, sondern ein Exempel zu statuieren und die Metall- und Bergbaubranche von dieser Steuerpraxis abzubringen. Mechel sei deshalb nicht die einzige betroffene Firma. “Am Beispiel des Bergbau- und Stahlkonzerns sollen anscheinend die neuen Spielregeln für die Branche erklärt werden”, meint RBKdaily.
Die Internetzeitung Gazeta.ru zieht dagegen Parallelen zwischen dem Fall Mechel und dem Fall Yukos. Am Donnerstag sei lediglich die Rede von zu niedrigen Exportpreisen gewesen, was eine Geldstrafe nach sich gezogen hätte. Am Montag habe Wladimir Putin Mechel dann des schwersten aller Wirtschaftsverbrechen beschuldigt – der Steuerhinterziehung. Zwar habe Putin seine Anschuldigungen etwas abgemildert, indem er die Minister aufforderte, ein Gesetz auszuarbeiten, das solche Steuerschlupflöcher, wie sie Mechel nutzte, stopfen soll. Jedoch sei die gesamte Führungsriege von Yukos für ein ähnliches System der Steuerminimierung hinter Gitter gesteckt worden, schreibt Gazeta.ru. Noch könne man schwer abschätzen, was auf Mechel zukomme, da die Höhe der Forderungen nicht bekannt sei. Experten rechneten jedoch nicht damit, dass eine eventuelle Geldstrafe Mechels Existenz in Frage stellen würde.
Urteil im
Die Frankfurter Rundschau verteidigt das milde Urteil gegen den ehemaligen
Wirtschaftspolitik wird für US-Demokraten zur Herausforderung
Vor einem Dilemma sieht Les Echos aus Frankreich die Demokratische Partei in den USA angesichts des hohen Defizits: Denn die Frage, welche Wirtschaftpolitik mit Barack Obama verfolgt werde solle, sei nicht einfach zu beantworten. Seit Jahrzehnten sei es in den USA Tradition, auf drohende Rezessionen und Zeiten instabilen Wachstums mit einer Budget orientierten Politik zu reagieren – ohne dabei auf das wachsende Defizit zu achten. “Während des Zweiten Weltkriegs oder auch nach dem Fall der Mauer war es sicher sinnvoll, das Staaten investierten.” Doch heute sei es falsch, nur auf Überschüsse zu achten, und nicht auf das Defizit. “Nach acht Jahren Bush-Regierung scheint die Lage in den USA ausgesprochen schlimm zu sein: Alles, was die Clinton-Regierung aufgebaut hat, ist zunichte gemacht worden.” Doch selbst wenn Obama an die Macht käme, könne seine Partei die bisherige Wirtschaftspolitik nicht einfach umkehren, denn es gelte, dass Verhältnis zwischen Schulden und Bruttosozialprodukt zu stabilisieren. “Das setzt der Demokratischen Partei eine Grenze, die sie nicht überschreiten darf.”
Absatz der spanischen Automobilindustrie bricht ein
Die Wirtschaftszeitung Cinco Días nimmt den Zustand der spanischen Automobilindustrie unter die Lupe. Spanien sei eines der Länder, in denen der Autobranche im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft besonders großes Gewicht zukomme. Über 70.000 gut qualifizierte Arbeiter fänden in den fünfzehn Fertigungsfabriken der spanischen Automobilexporteure Beschäftigung und weitere hunderttausende arbeiteten in der Zulieferindustrie und dem Autoverkauf. “Allein schon deshalb ist die Automobilindustrie lebensnotwendig für Spanien”, schlussfolgert Cinco Días. Jetzt, da die Verkaufszahlen sowohl auf dem Binnenmarkt als auch im Ausland deutlich zurückgingen, müsse die Branche die spanischen Produktionsstätten noch besser an die veränderten Rahmenbedingungen anpassen. Zwar sei die bereits großflächig praktizierte Kostensenkung ein erster Schritt, dem müsse nun aber eine Dosis Fantasie im Design und Führungsstärke in der Sicherung einer stabilen Marktposition folgen, rät das Blatt.
Freihandelszone zwischen Chile und Peru fruchtet
Der chilenische Diario Financiero lobt die hervorragenden Wirtschaftsbeziehungen zum Nachbarland Peru. Der 1998 geschlossene Freihandelsvertrag der beiden Andenländer habe tatsächlich eine Freienhandelszone geschaffen. Seit 2003 habe sich der Handel verdreifacht. Peru habe sich zu einem der sieben wichtigsten Absatzmärkte für Chiles Exporteure entwickelt. Wichtig für die guten Beziehungen seien zudem die chilenischen Investitionen in Höhe von 6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2007. So sei Chile an vielen Unternehmen der peruanischen Industrie beteiligt, z.B. aus der Bau-, Gesundheits-, Bergbau- und der verarbeitenden Industrie.
Engere Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Japan
In einem Gastkommentar in der Japan Times fordert Glyn Ford, Mitglied des Europäischen Parlamentes, die EU und Japan auf, ihre Beziehungen zu vertiefen. Beide seien zu kurzsichtig gewesen, als sie bevorzugt Verbindungen mit den USA eingegangen seien. Gerade jetzt, nachdem der Freihandel “den Sieg davon getragen hat”, sollte es im Interesse beider sein, eine fortschrittliche, offene Verbindung einzugehen. “Handelskonzerne in der EU und in Japan würden Verhandlungen über ein Abkommen zur wirtschaftlichen Integration begrüßen und damit ein einfaches Freihandelsabkommen gleich überspringen.” Vor allem müssten beide das Zeitfenster nutzen, in dem die jetzige US-Regierung an Schwung verliere; und die neue US-Regierung müsse mittelfristig unter Druck gesetzt werden, beispielsweise in Hinsicht auf die Verpflichtungen des Kyoto-Protokolls. Die EU und Japan müssten sich in ihren Herangehensweisen und Zielen einen, so der Autor. “Sie müssten die Stärke des jeweils anderen nutzen, um der Umsetzung ihrer gemeinsamen globalen Interessen näher zu kommen.”
Fundstück: Franzosen im Sandwich-Fieber
Die Rückkehr des Sandwichs feiert die französische Tageszeitung Le Monde. “Dieser Sommer wird als Sandwich-Sommer in die Geschichte eingehen. Überall wo man hingeht, liegt dieser Duft in der Luft: Von geschnittenem Brot, mit Schinken, Wurst, Käse oder Salat belegt.” Die Franzosen knüpften offenbar an alte Traditionen aus den 50er und 60er Jahren an, als es noch wenig Autobahnen gab und noch weniger Raststätten: “Diese verkauften damals nur Getränke, die belegten Baguettes stammten dagegen von Mama, zu Hause zubereitet.” Die Gründe für das Sandwich-Fieber erklärt sich Le Monde so: “Die Franzosen haben ihren Sparsinn wieder entdeckt: Sie wägen die Kosten für Lebensmittel stärker ab und bevorzugen gleichzeitig wieder die einfachen Dinge.” Dafür spreche auch, dass im Vergleich zu früher heute Sandwiches nach englischem Vorbild bevorzugt würden – in Dreiecke geschnittene Toastbrote: “Die haben zwar nicht viel Geschmack, aber viel Luft. Man fühlt sich schneller satt.”
Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de.
Mitarbeit: Charlotte Bartels, Kerstin Herrn, Florian Käfer, Maxim Kireev.



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