ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse beobachtet die Wolken über Deutschlands Wirtschaft und stellt die heute tagende EZB an den Pranger. Das Wall Street Journal rät der China Development Bank, die Finger von der Dresdner zu lassen. Das Manager Magazin nimmt Daimler die Angst vor schwedischen Finanzinvestoren. Fundstück: Olympiade ohne Hunde à la carte.
„Deutschland wankt“, überschreibt die britische Financial Times ihren Kommentar zur deutschen Konjunktur. Die jüngsten Wirtschaftsdaten – besonders die Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal um ein Prozent geschrumpft sei – erschienen „dramatisch“ und könnten sogar in ein negatives Wachstum für das gesamte Jahr münden. Die deutsche Schwäche könnte die EZB dazu verleiten, eine lockerere Geldpolitik zu verfolgen als ursprünglich geplant, ahnt die Zeitung. Eine Kurs-Korrektur müssten jedoch nicht nur die Frankfurter Zentralbanker, sondern auch „überreagierende“ deutsche Politiker vornehmen: „Gegen die populistischen Vorschläge der CSU, einen Stimulus zu setzen, indem Berufspendler steuerlich begünstigt werden, muss man vorgehen“, fordert die FT. Die Politiker dürften „jetzt nichts tun, was sie in besseren Zeiten nicht rechtfertigen könnten.“
Für die Frankfurter Rundschau ist der schwache Auftragseingang deutscher Unternehmen eine „reine Katastrophe“. Dass sich vor allem die Nachfrage aus Euroland verflüchtige, zeige den schlechten Zustand der gesamten Wirtschaftskraft Eurolands. „Nun ist klar, dass die Rezession hierzulande kaum mehr abzuwenden ist, von Spanien, Italien und Frankreich ganz zu schweigen.“ Spätestens jetzt müsse die europäische Öffentlichkeit die heute tagende Europäischen Zentralbank (EZB) an den Pranger stellen, die mit ihrer Juli-Zinserhöhung hochriskant gewettet und verloren habe. Dieser Schritt sei im Nachhinein eine „krasse Fehlentscheidung“ gewesen. Die EZB habe die „Dramatik des Abschwungs“ total unterschätzt, während sie die Inflationsgefahren überschätzt habe. Fazit der FR: Die Rezession und die wieder steigenden Arbeitslosenzahlen müssten von nun an EZB-Rezession und EZB-Arbeitslosigkeit genannt werden.
Hände weg von der Dresdner Bank
Das Wall Street Journal kommentiert die Pläne der China Development Bank, die angeschlagene Dresdner Bank zu retten, um so das dringend benötigte Bankenfachwissen zu erlangen. Dieser Plan könnte sich als „teurer Weg nach Nirgendwo“ erweisen, denn die Dresdner selbst habe mit der Strategie Bauchlandungen im Ausland erlebt – etwa als sie 1995 Kleinwort Benson erwarb, um die eigene Investmentbanking-Kompetenz auszubauen. Die Chinesen hätten bei ihrem Versuch, im Westen zu investieren, ebenfalls erste harte Lektionen erfahren müssen. So sei das Timing der Übernahme eines Barclays-Anteils schlecht gewesen. „Vielleicht hofft sie, dass es lehrreicher sein wird, wenn sie die volle Kontrolle über eine Bank übernimmt“, vermutet das Blatt. Aus dem Studium der Dresdner-Bank-Geschichte könne sie immerhin lernen, wie man es nicht macht.
Daimler: keine Angst vor Cevian Capital
Das Manager Magazin verfolgt die Gerüchte, dass sich Hedgefonds und Finanzinvestoren verstärkt bei Daimler einkaufen, darunter die milliardenschwere schwedische Gesellschaft Cevian Capital. Konzernchef Dieter Zetsche müsse zumindest die Schweden nicht fürchten. Zwar träten die Finanzinvestoren Lars Förberg und Christer Gardell als Shareholder-Aktivisten auf und wollten bei ihren Beteiligungen auch Einfluss auf die Strategie und das operative Geschäft nehmen – als aggressiver „Zerleger“ gelte Cevian Capital aber nicht. Das Daimler-Management wisse um die Gefahr, die von dem niedrigen Börsenkurs und der Tatsache eines fehlenden, loyalen Großinvestors ausgingen; einziger nennenswerter Großaktionär sei nämlich das Emirat Kuwait (7,6 Prozent der Anteile). „Zwar sehen sich die Stuttgarter nicht als Übernahmekandidat, wollen eine Übernahme aber auch nicht ausschließen. Derlei Aussagen lassen der Fantasie freien Lauf“, schreibt das Magazin. So sei die gestrige Meldung, dass Daimler bereits an einem Abwehrplan gegen feindlich gesinnte Investoren arbeite, nicht verwunderlich.
BNP Paribas knickt auf Korsika ein
L’Express aus Frankreich beobachtet den Machtkampf der Bank BNP Paribas auf Korsika. Am Wochenende hatten demnach 90 korsische Nationalisten BNP-Filialen in Ajaccio und Bastia besetzt, um gegen Pläne der Bank vorzugehen, Europäern den Kauf von Immobilien in Frankreich – und so auch auf Korsika – zu erleichtern. Die Nationalisten hätten befürchtet, dass dadurch die Immobilienpreise noch weiter steigen könnten. Am Ende sei die Bank eingeknickt und habe eine Ausnahmeregelung für Korsika akzeptiert – aus Furcht vor Sprengstoffanschlägen auf der Insel.
Erneuerbare Energien im Trend
Erneuerbare Energien sind bei spanischen Immobilien- und Bauunternehmen beliebt, schreibt Expansión. Firmen wie Copcisa, Montebalito, Urbas und Coperfil wollten damit ihr Risiko diversifizieren und Synergieeffekte nutzen. Der Sektor erneuerbarer Energien habe in den letzten Jahren große Gewinne erwirtschaftet, die von der Regierung abgesichert seien, und genieße eine hohe soziale Anerkennung. Eine weitere Motivation für diese Investitionen sei der leichte Zugang zu Krediten – auch wenn sich die Finanzierung in letzter Zeit schwerer geworden sei. Aber ausgerechnet jetzt wolle die Regierung die Subventionen für Solarenergie kürzen. Die ersten Immobilieninvestoren wie Soldevilla, ein Hotelunternehmen aus Barcelona, zögen sich deshalb schon aus dem Wachstumsmarkt zurück.
ITV: Ethos des Qualitätsfernsehens verloren
Das britische Monatsmagazin Standpoint analysiert den Niedergang des größten britischen Fernsehsenders ITV. Der frühere Vorzeigesender, der einst besser als jeder andere Sender weltweit einen Ausweg aus der Sackgasse profitabler, aber anspruchsloser „Müll-Programme“ gefunden habe, erinnere heute an die dunkelsten Tage des US-Privatfernsehens: trostlose Spiele- und Polizisten-Shows sowie Soaps am laufenden Band, während die Nachrichtensendungen ein Schatten ihrer selbst seien. Seit Jahren habe sich ITV nicht durch selbst produzierte Sendungen profilieren können. Weder die Abkehr der Werbetreibenden noch die technologischen Entwicklungen könnten für die ITV-Misere verantwortlich gemacht werden. Vielmehr sei das Ethos des Qualitätsfernsehens verloren gegangen – eine Folge u.a. des Broadcasting Act von 1990, das die Neuvergabe von Lizenzen neu geregelt habe. ITV-Chef Michael Grade habe jetzt noch einige Monate Zeit, zu den Tugenden des alten Senders zurückzufinden – sonst drohe die Zerschlagung durch die Aktionäre.
Obama kann McCain nicht distanzieren
Das US-Magazin The New Republic fragt, warum die Umfragewerte von Barack Obama trotz dessen vermeintlich erfolgreicher Reise in den Irak und nach Europa nicht besser geworden sind – in einigen Erhebungen wie Ohio, Michigan und Minnesota sei der Vorsprung vor John McCain sogar geschrumpft, und das, obwohl für McCain im Juli „nichts richtig gelaufen“ sei. Entscheidend dafür sei, dass Obama zwar auf seiner Webseite tolle Ideen zur Eindämmung der Finanzkrise offenbare, seinen Reden fehlten aber „konsistente Beschreibungen“ der wirtschaftlichen Krise; Obama müsse sich ein Beispiel am Wahlkampf von Bill Clinton nehmen, der 1992 eine klare Begründung der Wirtschaftskrise angeführt habe. Obamas Schwäche sei eine Konsequenz des langen innerparteilichen Vorwahlkampfes, in dem sich Obama mehr mit Hillary Clinton als seinen eigenen Positionen beschäftigt habe.
Fundstück: Olympiade ohne Hunde à la carte
Die International Herald Tribune glaubt, dass etliche olympische Peking-Besucher in diesen Tagen enttäuscht sein dürften. Der städtische Catering-Verband habe die 112 Restaurants der Olympischen Spiele angewiesen, Hunde von der Speisekarte zu nehmen. Kellnern sei angeraten worden, auf Kunden-Nachfrage freundlich Alternativen anzubieten. Diese Maßnahme sei Teil einer Kampagne, die verhindern soll, dass sich Ausländer während der Spiele beleidigt fühlen. So sei den Pekingern empfohlen worden, sich in den kommenden Wochen hübsch zurecht zu machen, nicht zu spucken und tunlichst die Touristen nicht zu fragen, wieviel sie verdienen, wie alt sie sind und wie ihr Liebes-Leben aussieht. „Es gibt nichts Befremdliches beim Biss in den Hund“, beruhigt der Autor die westlichen Gemüter – das Fleisch schmecke nach Lamm; außerdem kämen in China grundsätzlich keine Straßenköter auf den Tisch, sondern Tiere, die ähnlich wie Schweine aufwüchsen.
Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de
Mitarbeit: Charlotte Bartels.



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