ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse geht mit der Energiepolitik der westlichen Länder hart ins Gericht. Libération stellt das Gratifikationssystem der Supermarktkette Auchan vor, Le Monde Diplomatique beklagt den Wandel des Kunst- zu einem Finanzmarkt. China Daily freut sich über Investitionen von Bosch. Fundstück: Jérôme Kerviel bekommt Sprechblasen.
Vollkommen schwarz sieht der Daily Telegraph die Zukunft der Energieversorgung Großbritanniens: „Das Land wird eine beispiellose Krise erleben, dank des heillosen Durcheinanders, das die Regierung angerichtet hat.“ Engstirnig interpretierter Umweltschutz, aber auch Auflagen der EU könnten in naher Zukunft dazu führen, dass das Königreich komplett von ausländischen Ressourcen abhängt. „Bis 2015 werden wir 40 Prozent weniger Energie produzieren, u. a. aufgrund der Abschaltung alter Kernkraftwerke und der Schließung von Kohle- und Erdölkraftwerken. Eine neue Generation an Atomkraftwerken soll kommen, aber auch hier wären wir von Frankreich abhängig.“ Gordon Browns 100 Millionen Pfund schwerer „green energy plan“ – entworfen, um EU-Forderungen nach erneuerbaren Energien bis 2020 gerecht zu werden – sei schlichtweg nicht durchführbar. „Überhaupt die EU, sie behindert unsere Energiepolitik. Selbst wenn wir eine in Energiefragen bewanderte Regierung hätten, würden wir doch bald überall gegen EU-Recht verstoßen“, schimpft das Blatt. Am schlimmsten aber sei die vollkommen ignorante Opposition: „Kämen die Tories an die Macht, wüssten sie weder, warum gerade dann die Lichter ausgehen, noch was sie dagegen unternehmen könnten.“
„Der Benzinpreis von vier Dollar je Gallone, die Angst vor dem Votum der Wähler und die Ambitionen der Präsidentschaftskandidaten machen es derzeit unmöglich, eine vernünftige Diskussion über die Energiepolitik der Vereinigten Staaten zu führen“, bedauert die New York Times. Jüngstes Beispiel sei Barack Obama, der innerhalb nur einer Woche seine Haltung zu den strategischen Petroleumreserven geändert, seine Opposition gegen Offshore-Bohrungen gemildert und eine Steuer auf Zufallsgewinne der Ölfirmen vorgeschlagen habe. Dabei habe gerade Obama, im Gegensatz zu John McCain, bislang gute Ideen in Fragen zu Energie und Effizienz gehabt. „Doch die Umfragen haben die Demokraten aufgescheucht.“ Dabei liege auf der Hand, dass die Reserven für Notfälle gedacht seien – wozu ein Benzinpreis von vier Dollar nicht zähle – oder dass die Steuer purer Populismus sei. „Eine Nation, die ein Viertel der Ölvorräte verbraucht, obwohl sie selbst nur drei Prozent besitzt, kann sich nicht einfach ihren Weg zur Pumpe durchbohren. Die einzig plausible Strategie ist, den Verbrauch zu reduzieren und ein Programm zur Nutzung erneuerbarer und alternativer Energien zu lancieren. Darauf sollte ein ernsthafter Präsidentschaftskandidat bauen.“
Marokkos Wirtschaft boomt
Einen überraschenden Wirtschaftsboom macht Le Monde in Marokko aus. „Für 2008 wird ein Wachstum von 6,8 Prozent erwartet, während die Inflationsrate die 3-Prozent-Marke nicht übersteigen wird.“ Das Land entwickele sich unglaublich schnell: Seien vor 15 Jahren noch 10.000 Autos pro Jahr verkauft worden, waren es 100.000 Neuwagen in 2007. Grund dafür sei u.a. die zunehmende Abkopplung der Wirtschaft von der Landwirtschaft. Es habe eine produktive Diversifikation stattgefunden, insbesondere in den Bereichen Industrie, Telekommunikation, Baugewerbe und Tourismus. Zudem sei das Land führend in der Herstellung von Phosphaten, es profitiere aber auch von einer Geldspritze über 800 Millionen US-Dollar aus den Golfstaaten. Dennoch sei die Lage fragil: das Handelsdefizit steige, Reformen seien notwendig, die Schere zwischen Reich und Arm vergrößere sich. „Bauernaufstände und Demonstrationen von diplomierten Arbeitslosen – die aufgrund des rasenden Wachstums auf der Strecke geblieben sind – mehren sich.“
Auchan will, das alle gewinnen
Die Libération stellt das Gratifikationssystem für die Angestellten der französischen Supermarktkette Auchan vor. 97 Prozent der Mitarbeiter hielten Anteile an dem Unternehmen, über die eigens eingerichtete, nicht an der Börse gehandelte Aktie Valauchan. Deren Wert werde von einer externen Expertengruppe bestimmt und hänge vom Cash-Flow, den Reingewinnen und der Verschuldung ab. Dieser Fonds sei inzwischen 1,5 Milliarden Euro schwer – und versüße manchem Angestellten seine Rente mit hohen Ausschüttungen. Darüber hinaus pflege Auchan drei Prämiensysteme. 2007 habe das Unternehmen insgesamt 41 Prozent seiner Gewinne an die Mitarbeiter ausgeschüttet. Das Engagement begründe die Führungsriege u.a. damit, das man sich so seine Aktionäre von morgen heranziehe. Zudem sei das System ein gutes Schild gegen Forderungen der Gewerkschaften. Und schließlich sehe man sich als partizipatives Management, in dem die ganze Welt gewinnen sollte.
Kunst verkommt zum Anlageobjekt
Dem Wandel des Kunst- zu einem Finanzmarkt geht Le Monde Diplomatique auf den Grund. „Was früher populär, also nachgefragt war, stand künstlerisch unter Verdacht, während finanzielle Erfolglosigkeit als Beweis ästhetischen Wertes und künstlerischer Einzigartigkeit galt.“ Heute sei die Unterscheidung von Kunst und Ökonomie immer weniger möglich: Wenn auf Kunstauktionen immer neue Rekordsummen geboten würden, wachse dem Marktwert eines Kunstwerkes immer mehr Bedeutung zu. „Operativ wird der monetäre Wert einzelner Kunstobjekte etwa durch den Mei-Moses-Art-Index gemessen. In den letzten Jahren entwickelte sich die Performance dieser Assetklasse so rasant, dass sie den Aktienindex der 500 größten börsennotierten US-Unternehmen deutlich übertrumpfte.“ 104 Millionen US-Dollar für einen zuvor für 30.000 US-Dollar erworbenen Picasso – „das sind Gewinnspannen, von denen Aktienbesitzer nur träumen können.“ Es verwundere nicht, dass es nun Hedgefonds seien, die für Riesensummen Kunstwerke kauften. Wie man höre, seien Künstler wie Gerhard Richter bereits damit beschäftigt, ihre Kunstwerke vor dem Markt in Sicherheit zu bringen.
Kurse in Russland und Georgien brechen ein
Die russische Börse habe äußerst negativ auf die Eskalation des Konfliktes zwischen Russland und Georgien um die Republik Süd-Ossetien reagiert, schreibt die Nesawissimaja Gaseta aus Russland. Allein am Freitag hätten die Aktien der größten russischen Unternehmen fünf bis zehn Prozent ihres Wertes verloren. Der Index RTS stürzte um 6,5 Prozent ein. Dies könnten nicht die letzten „Kriegsverluste“ der Moskauer Börsianer gewesen sein, schreibt das Blatt. Sollte der Kaukasuskonflikt Auswirkungen auf die Beziehungen Russlands zum Westen haben oder gar wirtschaftliche Sanktionen des Westens nach sich ziehen, könnte der Index um weitere 25 Prozent abstürzen, zitiert die Zeitung Analysten. Auch die Märkte in Georgien reagierten mit einem Einbruch. Die Rating-Agenturen Standard & Poors sowie Fitch Ratings hätten wegen des Konfliktes mit Russland Georgiens Kreditwürdigkeit herabgestuft.
China zählt sich zum „Club der modernen Industrienationen“
Die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking habe niemanden in Zweifel darüber gelassen, was das moderne China in der Lage zu leisten sei, meint der Business Standard aus Indien. Die Zeremonie habe die Botschaft ausgesendet, „das die Olympischen Spiele die Fanfaren sind, die die Ankunft einer neuen Macht auf der globalen Bühne verkünden.“ Es gebe eine bestimmte wirtschaftliche Entwicklungsstufe, so das Blatt. Wenn diese von einem Land erreicht werde, strebe es danach, dem „Club der modernen Industrienationen“ beizutreten und das auch nach außen zu zeigen. So würden sich häufig Länder für die Olympischen Spiele bewerben, die einen Entwicklungssprung absolviert hätten oder deren Pro-Kopf-Einkommen bei etwa 3.000 US-Dollar liege. Beispiele dafür seien Japan 1964 (nach dem 2. Weltkrieg), oder die Sowjetunion 1980 und Südkorea 1988 (jeweils im wirtschaftlichem Aufschwung zu jener Zeit). China habe die Gelegenheit zur eigenen Präsentation wahrlich genutzt. Jetzt sei zu hoffen, dass die versprochenen sportlichen Bemühungen und der Teamgeist auch bei den Wettkämpfen zu erleben sind.
Bosch investiert in das Reich der Mitte
Über Chinas Rolle für den Erfolg des deutschen Automobilzulieferers Bosch freut sich China Daily. 40 Prozent der gesamten Bosch-Belegschaft im asiatisch-pazifischen Raum würde Ende 2008 auf China entfallen. „China ist der Hauptpartner beim Bosch-Wachstum in Asien. Wir legen hier besondere Bedeutung darauf, fähige Mitarbeiter zu rekrutieren, weiterzubilden und an uns zu binden“, zitiert das Blatt den neuen Chef des asiatisch-pazifischen Geschäfts, Uwe Raschke. 1,9 Milliarden Euro wolle das Unternehmen zwischen 2008 und 2010 in die Region investieren, davon würden allein 850 Millionen Euro auf China entfallen. Das Wachstumspotenzial ergebe sich nach Bosch-Angaben vor allem in Hinblick auf die Entwicklung „grüner Technologien“ zur Konservierung von Rohstoffen und zu Umweltschutz.
Barack Obama ist für Handelsabkommen
Der australische Business Spectator räumt mit dem Vorurteil auf, Barack Obama sei gegen liberalen, freien Handel. „Nur weil sein Gegner John McCain Handelsabkommen, die unter Bush beschlossen wurden, befürwortet und Obama nicht, heißt das nicht, dass Obama reiner Protektionist ist.“ Die beiden Kandidaten hätten unterschiedliche Auffassungen dazu, was solche Vereinbarungen bewirken sollen. McCain sehe diese als rein wirtschaftliche Instrumente, äußere sich aber nicht dazu, wie er sie nutzen wolle, um negativen Effekten der Globalisierung zu begegnen, oder um sicherzustellen, dass US-Firmen in den USA blieben und amerikanische Arbeiter anstellten. Obama sehe dagegen in ihnen ein Mittel um Wohlstand zu mehren, aber auch ein wichtiges Instrument in globaler Steuerung – denn die Sorge vieler Amerikaner hinsichtlich Handelsvereinbarungen resultiere aus mangelnder Steuerung. So nutzten viele US-Unternehmen nicht alle Möglichkeiten aus, um ihre Mitarbeiter oder die Umwelt zu schützen. Auch zur Stärkung der Menschrechte seien Handelsabkommen gut. So habe Obama z.B. eingeräumt, dass Handelssanktionen gegen Cuba oder den Iran nicht das beste Mittel seien, um die dortige demokratische Entwicklung zu fördern.
Fundstück: Jérôme Kerviel bekommt Sprechblasen
Für die Société Générale sind sie ein schmerzlicher Verlust, für ein kleines Verlaghaus vielleicht ein Geschäft: Die 4,9 Milliarden Euro, die der bretonische Banker Jérôme Kerviel verloren hat. Die Editions Marie-Clotilde et Xavier Thomas, die vor anderthalb Jahren gegründet wurden, bringen Kerviels Geschichte als Comic auf den Markt. „Uns hat die romanhafte Dimension dieser Balzacschen Persönlichkeit frappiert“, begründen die beiden Verlagsinhaber gegenüber dem Wochenmagazin L’Express. Der Comic erzählt seine Abenteuer in der ersten Person, die Autoren hätten aber ein paar Details hinzugedichtet: So sei der Comic-Kerviel nach Tiefkühlkost süchtig, habe ein tief im Minus steckendes Bankkonto und einen schwarzen Judo-Gürtel. „Es ist keine Auftragsarbeit, sondern unsere Idee, es soll eine Satire sein, wenn auch eine, die den Leser zeigt, wie das Geschäft funktioniert.“ Die Franzosen scheint es zu interessieren: Der Verlag musste die ursprüngliche Startauflage von 5.000 auf 10.000 Exemplare verdoppeln – aufgrund der Vorbestellungen in den Buchhandlungen.
Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de.
Mitarbeit: Kerstin Herrn, Maxim Kireev.



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