Ich bin die neue Quotenfrau bei ecolot. Damit hat der ecoblog jetzt einen Frauenanteil von ca. 20%, das ist immerhin deutlich mehr als unter Hochschulprofessoren (16%) oder gar in den Vorständen von DAX-Unternehmen (0%). Warum bloggen eigentlich so wenige Frauen? Daran, dass sie sich nicht für Politik interessieren, nicht zur Selbstdarstellung neigen oder keinen Mitteilungsdrang hätten, kann es eigentlich nicht liegen. Mir fällt auch kein Grund ein, deshalb bin ich jetzt hier…
Natürlich wird durch einen hohen Frauenanteil nicht automatisch alles besser. Die Frauenquote bei deutschen Bundeskanzlerinnen liegt zum Beispiel seit 1001 Nächten bei rekordverdächtigen 100%, trotzdem zeichnet sich die Regierungspolitik nicht gerade durch bahnbrechende Innovationen aus. Anders als im morgenländischen Märchenbuch scheint es der Sheherazade von Berlin auch nicht zu gelingen, fremde Herrscher durch ihre fesselnden Vorträge von der Kriegsführung abzuhalten.
Viele Männer fürchten Frauenquoten, sie haben Angst vor der zusätzlichen Konkurrenz. Dabei fördern Unternehmen Frauen vor allem in Bereichen, in denen generell ein Mangel an Fachkräften herrscht. Der NDR hat z.B. seit einiger Zeit ein (bisher nur mäßig erfolgreiches) Förderprogramm, um angehende Ingenieurinnen für die Sendetechnik zu gewinnen – nicht, weil sie notwendigerweise die besseren Technikerinnen wären, sondern weil die Sendetechnik Nachwuchsprobleme hat.
Im Fernsehen immerhin bringen Frauen Quote, das ist unumstritten. Wenn Anne Will keck mit der Kamera kokettiert, darf sie auch Erwin Huber ununterbrochen Unsinn reden lassen, damit käme ein Mann wahrscheinlich nicht durch. Also werde ich jetzt nach Kräften mithelfen, die Leserquote von ecolot nach oben zu treiben, ich denke da vor allem an schlüpfrige Schlüsselwörter und möglichst viele links zu Paris Hilton.
Andrea Czepek



Als eine der Quotenfrauen im Systemservice Hörfunk des NDR möchte auch ich nun meinen Senf dazu geben – wenn Andrea schon den Link zu dem Flyer hinterlegt, in dem ich bereits mit einem Statement vertreten bin! Die Initiative des NDR bzw. auch der ARD geht jedoch noch weiter, wie etwa auf der Webseite der Brigitte: http://blog.brigitte.de/peking/
Dort bloggen die Technik-Frauen der ARD, was ihnen in Peking vor, während und vielleicht auch noch nach der Olympiade so alles passiert.
Bei derlei Initiativen gibt es eine Vielzahl an Fragen, die sich auftun:
- Sind Frauen die besseren Technikerinnen?
- Fehlen generell Frauen in Akademikerberufen?
- Müssen “wir” einen besonderen Schlag unserers Charakters mitbringen, um in dieser Männerdomäne mithalten zu können?
Der Ingenieurbereich generell hat ein großes Nachwuchsproblem, dies macht sich nicht allein nur bei den Studierendenzahlen bemerkbar. In einem Gespräch mit einer Professorin der Hochschule Bremen auf der diesjährigen WoMenPower habe ich erfahren, dass es an allen Bremer Gymnasien derzeit nur einen einzigen Physik-Leistungskurs gibt. Eine Initiative, bereits “fertige” Ingenieurinnen ins Boot zu holen, reicht demnach nicht allein.
Umso mehr freue ich mich, auch an Schnuppertagen für Schüler wie z.B. den Girls Day, teilhaben zu können um den Mädchen die Angst oder den Respekt vor umfangreicherer Technik zu nehmen. Denn an Selbstvertrauen oder Durchsetzungsvermögen mangelt es ihnen meiner Meinung nach nicht – oder nicht mehr
Wozu braucht man noch Quoten in Branchen, in denen eh so ziemlich jede/r unabhängig von Geschlecht eingestellt wird, weil man händeringend Nachwuchs sucht?
“Die Quote stellt keine Bedrohung für Männer dar, weil sie eh nicht wirksam wird” ist für mich kein überzeugendes Argument pro Quote.