John and me: Energie!

cole_tom.jpgDiese Republikaner! Erst melden sie sich jahrelang nicht und plötzlich kriege ich ständig Mails von ihnen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie derzeit total aufgewühlt sind wegen des Gesetzes über Ölbohrungen vor der Küste. Heute zum Beispiel bekam ich eine aufgeregte Nachricht von Tom Cole, dem Chairman des National Republican Congress Commitee.

Dazu muss man wissen, dass ich einen Namensvetter in den USA habe, der offenbar treuer Unterstützer der Republikaner ist. Und dass ich eine E-Mail-Adresse mit .com am Ende habe, die man durchaus für seine halten kann. Deshalb kriege ich zur Zeit ständig Mails von der Grand Old Party und ihrem Präsidentschaftskandidaten John McCain.

Warum das Ölbohren vor der Küste die US-Republikaner derart wuschig macht, erschließt sich dem transatlantischen Beobachter nicht ohne weiteres. Hierzulande war davon in den meisten Zeitungen kaum mehr davon zu lesen, als dass der demokratische Präsidentschaftbewerber Barack Obama von seiner ursprünglichen Ablehnung des Vorhabens vorsichtig abgerückt ist – wovon Tom Cole in seiner Mail mit der schönen Formulierung berichtet: “Barack Obama flip flopped his energy position.”

Das Putzige daran ist, dass John McCain dieselbe politische Turnübung hinter sich hat. Auch wenn Tom Cole es in seiner Mail aus durchsichtigen Gründen verschweigt, war sein liebster Präsidentschaftskandidat früher ebenfalls gegen die besagten Bohrungen.

Mittlerweile hat aber auch John begriffen, welches politische (und populistische) Potenzial in der vermeintlichen Aussicht auf kalte Füßen im kommenden Winter steckt. Bei seinem Auftritt in der evangelikalen Kirche von Pastor Rick Warren bezeichnete er seine frühere Ablehnung der Ölsuche im Meer sogar als seinen größen politischen Fehler.

Die Grand Old Party trommelfeuert die Begleitung zu dem Wahlkampfschlager zum Beispiel mit einem TV-Spot, zu dem Tom Cole in seiner Mail verlinkt (hier). Als die demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, den Kongress vor zwei Wochen in “einen fünfwöchigen bezahlten Urlaub” (Tom) schicken wollte, traten die Republikaner in eine Art umgekehrten Streik: Sie weigerten sich, ihren Urlaub anzutreten. Jetzt habe Pelosi zugestanden, den Kongress doch über das Gesetz abstimmen zu lassen, verkündet Tom stolz und jauchzt: “We are winning the battle” und “Together, we are making a difference.”

Nebenbei: Vor diesem Hintergrund kann man ermessen, welch gewaltige politische Eselei der launige Spruch des rhetorischen SPD-Rambos Thilo Sarazin war, Hartz IV-Empfänger sollten sich bei steigenden Energiepreisen eben einen Pullover zulegen. Welch ein Kontrast: In den USA sind die steigenden Energiepreise für die Strategen der konservativen Partei (!) der Stoff, aus dem große Wahlkampfshows gemacht sind – hierzulande denken Spitzenpolitiker der vermeintlich linken Volkspartei dabei nur an den Stoff, aus dem Pullover gemacht sind. Wundert es eigentlich irgendwen, dass die SPD auf keinen grünen Zweig kommt?

5 Kommentare zu “John and me: Energie!”


  1. 1 andrea

    Vielleicht kannst Du Deinen neuen Brieffreunden ja ein Carepaket mit ein paar Wollsachen schicken? Warm anziehen müssen sie sich in jedem Fall :-)

  2. 2 David Wengenroth

    Das ist eine super Idee. Ich muss nur noch rausfinden, wie ich die Wollsachen als Attachment an eine E-Mail dranhängen kann.

  3. 3 andrea

    Na, ganz einfach:
    so

    Jetzt die Quizfrage: Wem gehören diese Klamotten? Na?

  4. 4 andrea

    Gebe zu, die sind ja jetzt auch wahrscheinlich out. Habe inzwischen was Besseres gefunden. Allerdings nicht so richtig wollig, höchstens für einen Hawaii-Urlaub geeignet :-)

  5. 5 Andrea Czepek

    Gebe zu, die sind ja jetzt auch wahrscheinlich out. Habe inzwischen was Besseres gefunden. Allerdings nicht so richtig wollig, höchstens für einen Hawaii-Urlaub geeignet :-)

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