John and me: Republic Viewing

In dieser Woche schaut die amerikanische Fernsehnation nach Denver auf den Parteitag der Demokraten. Logisch, dass John das nicht gefällt. “Dabei komme ich doch im TV so gut rüber”, denkt er offenbar. Jedenfalls schreibt er mir (bzw. meinem republikanischen Namensvetter in Amerika, dessen vermeintliche .com-Adresse ich habe) das jetzt dauernd. Schon letzte Woche bekam ich eine Ermahnung von Johns Campaign Manager Rick Davis, mir unbedingt die Aufzeichnung vom Saddleback Civil Forum noch einmal anzukucken. Jedenfalls dachte ich das.

Dabei ging es um diese Veranstaltung, bei der McCain und Obama sich in getrennten Interviews von dem evangelikalen Pastor Rick Warren interviewen ließen. “John McCain’s straight talk emerged as the big winner of the night”, verkündete Rick stolz in seiner Mail. Frei übersetzt könnte man sagen: Während Barack sich eher nachdenklich gab, antwortete John auf alle Fragen wie aus der Pistole geschossen. Naja, gelernt ist gelernt. Schließlich ist der Mann Vietnam-Veteran.

Nun hatten auch bei uns alle Zeitungen nach dieser Veranstaltung geschrieben, dass John sich erwiesenermaßen besser auf Vulgärchristentum versteht. Obwohl mein Informationsbedarf dadurch voll gedeckt war, dachte ich, naja, kann man ja mal reinschauen. Über den fetten, bebilderten Link landete ich dann aber auf einem Spendenformular (hier). Dort erhielt ich immerhin kostenlos u.a. die Information, dass “the Saddleback Civil Forum showed that there are stark contrasts between Senator Obama and John McCain”. Wer hätte das gedacht.

In Johns nächster Mail ging es dann aber tatsächlich nicht um Latzen, sondern um Glotzen. Am Donnerstag, 4. September, werde er die Nominierung durch die Partei offiziell akzeptieren, schrieb John himself (“It is an honor by which I am humbled…”). Und damit möglichst viele Leute zuschauen, organisieren seine Wahlkampfhelfer im ganzen Land “McCain Nation Convention Watching Parties“.

Ich solle mich doch bereit erklären, schrieb John weiter, selber Gastgeber eines solchen Parteitagsparty zu werden und dazu Freunde, Familienangehörige, Nachbarn und Kollegen einladen. Wenn ich das richtig verstehe, müsste ich Donuts und Bier selbst besorgen, aber: “By registering today as an event host, my staff will send you a special convention packet of materials for you and your guests. (…) I want to assure you that taking a leadership role in my campaign by signing up to host an event is crucial to building our grassroots network of support for victory in November.”

Das ist ja wie bei der Fußball-EM, nur dass man die Fanartikel frei Haus geliefert bekommt. Nur respektlose, vom Obamafieber geschüttelte Europäer lästern mit Blick auf das Alter des Kandidaten, dafür gebe es beim Republic Viewing ja auch nur Oldie statt Poldi bzw. Alter Sack statt Ballack.

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