ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse untersucht die Krise der deutschen Wirtschaft, die von der Rezession bedroht sei. In der Financial Times Deutschland begründet Russlands Präsident Dmitri Medwedew seine Position im Kaukasus-Konflikt. Expansión analysiert die historische Krise des spanischen Automarkts. Fastcompany besucht Myspace. Fundstück: Angst essen Wagner auf.
Wenn ein Wirtschaftsminister wie Michael Glos betone, dass es angesichts der negativen Wirtschaftsindikatoren „keinen Grund für Panik“ gebe, müsse man stets besorgt sein, kommentiert Les Echos aus Frankreich. Immerhin gehe es der deutschen Wirtschaft so schlecht wie seit dem Beginn der Legislaturperiode noch nie. Ausschlaggebend sei der „Missmut“ bei den deutschen Konsumenten. Die Große Koalition, die bald ihr tausendtägiges Bestehen – ohne großen Enthusiasmus – feiern werde, habe keinen großen Handlungsspielraum, da sie angetreten sei, den Haushalt zu konsolidieren. Gleichwohl lehnten selbst die Christdemokraten ein Stimuluspaket nicht mehr kategorisch ab. Ein Hindernis sei jedoch die Bundesbank, die in ihrem jüngsten Bericht diesen Schritt abgelehnt habe. Für beide Regierungsparteien sei die Situation insofern kritisch, als sie bis September 2009 die Wähler überzeugen müssten, dass sie im Kampf gegen die Rezession nicht die Hände in den Schoß gelegt hätten.
Cinco Días beobachtet den Schatten der Rezession über Deutschland. Der Rückgang des deutschen Bruttoinlandsproduktes um 0,5 Prozent im zweiten Quartal 2008 beseitige jeden Zweifel an der Marschrichtung der Europäischen Zentralbank, sei diese in ihrem Vorgehen doch immer schon insgeheim der Entwicklung des „deutschen Riesen“ gefolgt. „Mögen die aktuellen Wirtschaftszahlen nicht gerade zu Optimismus einladen, so erscheinen die Zukunftsperspektiven noch schlimmer“, kommentiert das Blatt das Stimmungsbarometer des Ifo-Instituts. Die schwächelnde Wirtschaftskraft Deutschlands bekämen auch die Nachbarländer sowie Spanien zu spüren. Denn der Euro verliere im Vergleich zum Dollar an Wert, wodurch das Importgeschäft schwächele. Für deutsche wie spanische Exporteure könnte sich das jedoch als Glücksfall entpuppen, meint das Blatt.
Im Interview mit der Zeit erklärt Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, dass das Rezessionsrisiko in Deutschland zwar hoch sei, es aber dennoch Anzeichen gebe, die gegen ein Abrutschen in die Rezession sprächen: der fallende Ölpreis sowie der Ifo-Index, der die aktuelle Lage als relativ gut beschreibe – eingebrochen seien nur die Zukunftserwartungen der befragten Unternehmen, was nicht unbedingt viel bedeuten müsse. Da jedoch der Exportmotor nach Jahren des Aufschwungs abrupt zum Stillstand gekommen sei, sei ein stärkerer Konsum umso wichtiger. Die Hoffnung darauf sei nicht leer, da die Masseneinkommen real wieder steigen würden.
Asiaten sparen, Portugiesen knapsen
Der Economist hat untersucht, welche Nationen am meisten unter der aktuellen weltwirtschaftlichen Krise leiden. Auf die Frage an Verbraucher, ob sie über einen Teil ihres Einkommens frei verfügen und beispielsweise sparen können, habe im asiatischen Raum der höchste Anteil der Befragten (57 Prozent) erklärt, dass er Geld spare. Demgegenüber sind Portugal (26 Prozent), die USA (24 Prozent) und Großbritannien (22 Prozent) die Länder, in denen der Anteil der Bevölkerung ohne frei verfügbares Einkommen am höchsten ist; in Deutschland liegt die Quote nach der Studie bei rund 18 Prozent.
Kaukasus-Konfikt: Restauration eines Imperiums?
„Was nun?“, fragt die russische Tageszeitung Vzglyad nach der Anerkennung von Abchasien und Südossetien. Um diese Frage zu beantworten, müsse Russland erst klarmachen, welche Ziele es grundsätzlich verfolge. „Will Russland die territoriale Expansion und die Restauration eines Imperiums?“ Diese Idee sei weit verbreitet unter Publizisten und Politikern vom Schlage des Nationalisten Wladimir Schirinowski. „Doch sie führt zu nichts anderem als zum nationalen Suizid“, warnt das Blatt – alle Aufrufe der „Betonköpfe“, sich nun mit der Krim oder den russischsprachigen Gebieten in Kasachstan zu befassen, seien nichts anderes als Aufrufe zur Vernichtung Russlands. Der Autor fordert: „Jetzt muss von ganz oben klar gestellt werden, dass Russland keinerlei territoriale, imperiale oder sonstige Ansprüche an wen auch immer stellen wird“. Fazit: Russland habe moralische und militärische Stärke bewiesen, der Erfolg dürfe aber nicht zu Kopf steigen.
In der Financial Times Deutschland begründet Russlands Präsident Dmitri Medwedew seine Position im Kaukasus-Konflikt. Michail Saakaschwili habe von Beginn seiner Amtszeit kein Geheimnis aus seiner Absicht gemacht, die Osseten und Abchasen „zerquetschen“ zu wollen. Als der georgische Präsident wie ein „Verrückter“ in den abtrünnigen Regionen einmarschiert sei, habe Russland keine Wahl gehabt. „Um Leben zu retten, musste der Angriff niedergeschlagen werden.“ Mit Blick in die Zukunft hoffe er, dass das georgische Volk, dem die Russen historisch „Freundschaft und Sympathie“ entgegenbrächten, eines Tages die Führer erhalten werde, die es verdiene, denen ihr Land wichtig sei und die Beziehungen gegenseitigen Respekts zu allen Völkern des Kaukasus aufbauten. „Russland ist bereit, das Erreichen dieses Zieles zu unterstützen.“
Spanischer Automarkt in der Krise
„Die aktuellen Pkw-Verkaufszahlen sind die schlechtesten der Geschichte“, titelt die spanische Wirtschaftzeitung Expansión. In diesem August liege der Absatz voraussichtlich bis zu 40 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats. Ein noch stärkerer Rückgang der Neuanmeldungen von Pkw sei zuletzt 1993 mit knapp über 50 Prozent verbucht worden. Branchenexperten vermuteten, dass die zunehmende Zahlungsunfähigkeit sowie Kredit-Säumigkeit von Kunden ausschlaggebend seien. Besorgt schaue der Automobilsektor auf diese Zahlen und zeige sich besonders über das Tempo überrascht, mit der sich die branchenüblichen Indikatoren verschlechterten. Zudem seien die Verkaufszahlen von Pkw ein Indikator für die Entwicklung des BIP – Autos seien die ersten Konsumgüter, deren Erwerb in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verschoben werde.
Myspace will iTunes Konkurrenz machen
Fastcompany schickt eine Reportage aus dem Hauptquartier von Myspace in Los Angeles. Zwar seien der CEO Chris Dewolfe und President Tom Anderson vermeintlich in der Bredouille, weil der Hauptwettbewerber Facebook seit Monaten stärker im Fokus der Medien stehe und inzwischen mehr Nutzer verzeichne als Myspace. Gleichwohl seien die Chefs des Portals überaus optimistisch: Ihr Portal sei profitabel, locke im Monat 115 Millionen Nutzer an und verschicke mehr E-Mails als Gmail und Hotmail. Wichtigstes Zukunftsprojekt von Dewolfe und Anderson sei MySpace Music, ein iTunes-Konkurrent, für den sich das Portal die Unterstützung der Plattenlabels Universal, Warner und Sony gesichert habe. Das Musikportal solle den Nutzern ermöglichen, Lieder – die meisten ohne DRM – zu kaufen oder auch kostenlos per Stream zu hören, Playlisten anzufertigen sowie Klingeltöne und Konzerttickets zu kaufen.
Das Internetmagazin Wired ist begeistert von den Plänen des früheren SAP-Managers Shai Agassi, der zur Verbreitung von Elektroautos beitragen will. Nach dem Vorbild von Mobiltelefon-Providern will Agassi Elektro-Autos in Kombipaketen verkaufen oder per Leasing anbieten; ein Netzwerk an Auflade- und Servicestationen („smart grids“) soll den Tausch oder das Aufladen der Akkus ermöglichen; bezahlt wird per Flatrate, nach einem monatlichen Kilometer-Limit oder per Einmalzahlung – in jedem Fall lägen die Kosten unter den Preisen fürs Benzin. Für sein Project Better Place habe Agassi inzwischen 200 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt. Dass der Ex-SAP-Manager bislang kaum über die Planungsphase hinausgekommen ist, scheint den Reporter nicht zu beunruhigen: „Shai Agassi hat nur ein Auto, keine Aufladestationen und nicht einen einzigen Kunden – dennoch glaubt jeder, der ihn trifft, dass er in die Zukunft blicken könne.“
Brasilien: Bessere Kreditkonditionen für Firmen
Die brasilianische Zentralbank sollte Unternehmen einen besseren Zugang zu Krediten verschaffen, statt den Konsum durch höhere Zinsen bremsen zu wollen, fordert der brasilianische Estadao. Hintergrund: Der starke Binnenkonsum in Brasilien treibe die Preise nach oben. Durch eine Zinssenkung könnte die Zentralbank die Kreditkosten für die Unternehmen reduzieren, die ihrerseits dann niedrigere Preise an die Konsumenten weitergeben könnten, argumentiert das Blatt. Längere Laufzeiten für Konsumentenkredite, wie sie die Zentralbank unterstützte, schmälerten nur das Vermögen der Brasilianer.
Fundstück: Angst essen Wagner auf
In der Bild schreibt Kolumnist Franz Josef Wagner an den russischen Präsidenten und widmet sich dabei besonders dessen Äußerem: „Sie sind die angezogene Angst. Mein Tennislehrer hat vor Ihnen Angst, meine Putzfrau. Man mag schon gar nicht mehr die Nachrichten im TV einschalten.“ In Deutschland herrsche dieselbe Angst, die man habe, wenn man die Wohnung verlassen habe, ohne zu wissen, ob man das Bügeleisen ausgeschaltet habe. „Wir wissen nicht, ob uns dieser schöne Medwedew das Gas und das Öl abschaltet. Wir haben Angst vor Ihnen, schöner Krawatten-Mann, Hugo-Boss-Monster.“
Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de
Mitarbeit: Charlotte Bartels, Florian Käfer, Maxim Kireev.



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