John and me: Im Team

Seit dem Beginn des Parteitags der Demokraten am Montag werde ich von John McCain und seinem Team regelrecht mit Mails bombardiert. Meistens versuchen sie darin mehr oder weniger fantasievoll, mir Geld aus der Tasche zu ziehen. Den bisher putzigsten Versuch unternahm heute Campaign Manager Rick Davis.

Eigentlich sind diese Mails ja nicht für mich, sondern für meinen eingefleischt republikanischen Namensvetter in den USA. Bei mir landen sie nur, weil ich eine .com-Adresse habe, die die Grand Old Party offenbar für seine hält. Als ich jetzt die Mail von Rick Davis las, dachte ich jedenfalls: Wenn ich nicht ich wäre, sondern mein republikanischer Namensvetter, dann hätte mich diese Mail möglicherweise gebauchpinselt.

“Team”, schreibt Rick verschwörerisch in der Anrede, “hier ein Memo von unserer Chefstrategin Sarah Simmons. Unsere Kampagnenleitung glaubt, dass Obama nach der Ernennung seines Vizepräsidentenkandidaten Joe Biden und dem Parteitag der Demokraten in dieser Woche einen Schub in den Umfragen erhalten wird. Das bedeutet, dass wir unsere Anstrengungen im Vorfeld unseres eigenen Parteitages verdoppeln müssen.”

Ist das nicht klasse: Ich gehöre ZUM TEAM. Ich sitze in diesem Moment mit John in seiner Wahlkampfzentrale an dem großen runden Tisch. Wir sind übernächtigt und haben die Ärmel hochgekrempelt. Die Praktikantin hat Kaffee und Donuts geholt. Am Kopfende sitzt Sarah hinter einem Stapel von Memos, die sie jetzt rumgehen lässt. Sie sieht umwerfend aus in ihrem roten Kostüm, auch wenn man ihr ansieht, dass sie in den letzten drei Nächten nicht geschlafen hat.

Während wir bereits in ihrem Memo blättern, steht sie auf und sagt: “Also, ihr werdet es ja gleich selber lesen. Wir glauben, dass Obama nach der Ernennung seines Vizepräsidentenkandidaten Joe Biden und dem Parteitag der Demokraten in dieser Woche einen Schub in den Umfragen erhalten wird. Das bedeutet, dass wir unsere Anstrengungen im Vorfeld unseres eigenen Parteitages verdoppeln müssen.”

In diesem Moment bin ich nicht nur ein kleiner Republikaner aus Duluth (Georgia), sondern ich bin wichtig. Übernächtigt und ungewaschen, aber wichtig, denn ich gehöre ZUM TEAM. Und jetzt sagt Sarah, die wirklich umwerfend aussieht in ihrem roten Kostüm: “Unser Fokus liegt darauf, den Mann zu wählen, der sein Land über alles stellt: John McCain. Darum bitte ich euch, sofort eine Spende an unsere Kampagne zu machen, damit wir die finanziellen Ressourcen haben, um nächste Woche in unseren Parteitag …” AUTSCH!

Mir ist gerade der Kaffeebecher aus der Hand gefallen. Natürlich nur vor meinem inneren Auge. In Wirklichkeit ist mir nur wieder klar geworden, dass ich nicht mit John in seiner Wahlkampfzentrale sitze, sondern eben in Duluth (Georgia). Und dass ich in Wirklichkeit keinen Schimmer habe, wie Sarah Simmons aussieht und seit wie vielen Nächten sie nicht geschlafen hat.

Wie reagiert wohl mein republikanischer Namensvetter, wenn er solche Mails liest? Rollt er mit den Augen und denkt: “Ja, ja, ich weiß, ihr wollt mein Geld”? Oder macht die Masche mit “Team”, “Memo”, “Chefstrategin” und “Anstrengungen verdoppeln”, dass er seine Kreditkarte zückt? Wenn das alles hier vorbei ist, muss ich ihn vielleicht mal besuchen um es herauszufinden.

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