ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die Wirtschaftspresse ist mehrheitlich überzeugt von der Rede Barack Obamas beim Parteitag der Demokraten – entscheidend sei jetzt, ob er die Arbeiterklasse erreiche. Der Focus attackiert Telekom-Chef René Obermann. Le Monde verteidigt den Plan von Nicolas Sarkozy zur Einführung einer Steuer auf Kapitaleinkünfte. Fundstück: Klogang nur mit Kreditkarte.
Die US-Presse ist größtenteils angetan von der Rede Barack Obamas beim Parteitag der Demokraten. Nach der Analyse des Wall Street Journal hat Obama das Rennen der Präsidentschaftskandidaten als Referendum zu den ökonomischen Ängsten der Mittelschicht dargestellt. Dabei habe er konventionelle demokratische Vorschläge zur Wirtschaftspolitik – Steuererleichterungen für die Mittelschicht, ein staatliches Investitionspaket in Höhe von 150 Milliarden Dollar für alternative Energien – neu verpackt: zugeschnitten auf die Mittelschicht und zukunftsträchtiger als diejenigen der Republikaner. Einmal mehr habe sich Obama dafür ausgesprochen, die Abhängigkeit von Öl aus dem Mittleren Osten zu beenden. Im Kommentar wiederholt das Blatt seine Position, dass Obamas Person und Ziele weiterhin unklar bleiben. Widersprüchlich sei besonders, dass er sich einerseits als post-ideologischer Politiker der Mitte präsentiere, andererseits jedoch das liberalste Programm eines demokratischen Kandidaten seit 1972 vorstelle.
Die Baltimore Sun schreibt, dass Obama seine Zuhörer einmal mehr durch die Verknüpfung konventioneller Politik mit Rock-Star-Pyrotechnik überzeugt habe. Die Bühne in Denver habe der als elitär und abgehoben geltende Obama benutzt, um bodenständig, „dreckig“ und – mit Blick auf McCain – hart zuschlagend herüberzukommen. Jetzt bleibe abzuwarten, ob Obama jenseits des Stadions in Denver auch die Arbeiterviertel in Ohio, Michigan, Indiana sowie andere Schlachtfelder, die von ihm in der Rede berührt worden seien, erreiche – davon werde es abhängen, ob sein historischer Wahlkampf erfolgreich abgeschlossen werden könne.
„Das war eine tiefsubstanzielle Rede, voller politische Details, reich an Personen außer dem Kandidaten, überwältigend fokussiert auf wirtschaftliche Ängste“, jubelt The Atlantic. Obama habe jeden einzelnen Angriff von McCain aufgenommen und umgekehrt, er habe nicht nur bewiesen, dass er die Erfahrungen der US-Mittelklasse verstehe, sondern auch verstanden, wie diese Schicht von den Republikanern „geschmiert“ wurde. „Ich wurde aus meinem ideologischen Komfortbereich geholt, weil dieser Mann anders wirkt, und dieser historische Moment wirkt anders auf mich“, erklärt der Kolumnist. „Ich weiß nicht, ob wir noch viele Chancen haben, unsere Abhängigkeit von ausländischem Öl zu beenden. (…) Die USA wären dumm, sich diese Gelegenheit entgehen zu lassen.“
Chinesen buhlen um Dresdner Bank
Das Manager Magazin berichtet, dass sich die chinesische Regierung ins Rennen um die Dresdner Bank eingeschaltet habe. Hinter den Kulissen werbe sie in München und Berlin für einen Verkauf der Allianz-Tochter an die Staatsbank China Development Bank. Die chinesischen Verhandlungspartner hätten Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann mehr geboten als die Commerzbank und sogar zugesagt, dass im Falle des Zuschlages keine Chinesen im Aufsichtsrat der dann neuen asiatischen Dresdner Bank sitzen würden, sondern nur ihre „Vertrauten“; außerdem seien die chinesischen Staatsbanker sogar bereit, weitgehende Garantien für den Erhalt der Arbeitsplätze und des Filialnetzes abzugeben. Zumindest die Stimmen der Arbeitnehmer im Allianz-Aufsichtsrat könnten die chinesischen Banker erhalten, vermutet das Blatt, demgegenüber könnten sich Finanzanalysten eine Dresdner Bank in chinesischen Händen nur schwer vorstellen.
Kritik an höheren Gaspreisen
Die Zeit kommentiert die Preisaufschläge der deutschen Gasversorger, die bis zu 31 Prozent mehr für den flüchtigen Energieträger verlangten. Zwar seien höhere Preise grundsätzlich zu rechtfertigen, da das überwiegend importierte Erdgas ebenfalls rund 40 Prozent teurer geworden seien. Da die Kosten des Gasbezugs jedoch nur rund die Hälfte des Endverbraucherpreises ausmachten – der Rest seien Netzentgelte sowie Steuern und Abgaben – seien maximal 20 Prozent höhere Verbraucherpreise berechtigt. „Versorger, die ihre Preise stärker anheben, setzen sich dem Verdacht aus, ihre Kundschaft abzuzocken“, schimpft die Wochenzeitung. Als Gegenmaßnahme raten die Hamburger den Verbrauchern, sich gegen überhöhte Tarife zu wehren und Energie zu sparen. „Bei beidem kann – und muss – der Staat helfen: mit Rat und mit finanziellen Anreizen.“
Telekom: Monopoly mit Menschen
Der Focus greift Telekom-Chef René Obermann an. Dass etliche Call-Center schließen müssten, zeige, dass die Mitarbeiter wie Telefonanlagen oder Kabelleitungen, die man jederzeit woanders installieren könne, behandelt werden. Wie Obermann bei der angekündigten Schließung von Call-Centern agiert habe, sei stillos und unverschämt: Arbeitnehmer wie Betriebsräte hätten von den Sparplänen erst aus der Presse erfahren, außerdem sei Obermann zu feige gewesen, die Hiobsbotschaft selbst der Öffentlichkeit zu überbringen. Am schlimmsten seien jedoch die Details zu den Schließungsplänen: Die rund 8000 betroffenen Mitarbeiter sollten in die verbliebenen Call-Center-Standorte überwechseln. „Dahinter verbirgt sich wohl vor allem die Absicht, die aus Sicht des Konzerns überflüssigen Beschäftigten loszuwerden, ohne ihnen kündigen zu müssen. Ganz nach dem Motto: Die werden schon von sich aus hinschmeißen. Ein kühl kalkuliertes Monopoly mit Menschen.“
Merkel laviert im Kaukasus-Konflikt
Die russische Prawda untersucht die Rolle von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kaukasus-Konflikt. Sie versuche einen Drahtseilakt in den Beziehungen zu Russland und müsse in der „schwersten außenpolitischen Krise der EU“ lavieren, um die europäische Einheit nicht zu gefährden. „Sie muss Rücksicht nehmen auf die Hysterie der Balten, die Interessen der Briten, die mit Russland ein Hühnchen zu rupfen haben, der Amerikaner und der Franzosen, ohne dabei selber eine allzu antirussische Position einzunehmen.“ Auf ihrer Reise nach Tallin habe sie sich für den Bau der Ostsee-Pipeline ausgesprochen. „Offenbar will Merkel zwar Druck auf Russland durch die Befürwortung der Aufnahme Georgiens in die NATO ausüben, andererseits auch die wirtschaftlichen Beziehungen nicht aufs Spiel setzen“, analysiert das Blatt.
UBS verliert Chefstrategen
Die Weltwoche aus der Schweiz hinterfragt den Abschied von Klaus Wellershoff, dem Chefstrategen der UBS, der kurzfristig zum Ende der Woche sein Büro räume, offiziell aber Chefökonom der Bank bleibe. Der Bankökonom habe sich zusehends schwer mit der Art und Weise getan, wie die UBS die Bewältigung der Subprime-Krise in die Hand genommen habe – laut internen Quellen habe er wiederholt das oberste Management der Bank kritisiert. „Wellershoffs Rückzug in Raten ist für die Bank schlecht. Gehört doch der gebürtige Deutsche zu jenen Exponenten der UBS, welche in den Turbulenzen der vergangenen zwölf Monate ihre persönliche Integrität nie verloren und einiges zur Erhaltung eines Stücks Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit beisteuerten“, schreibt die schweizerische Wochenzeitung.
Rückendeckung für Sarkozy
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat gestern eine neue Steuer auf Kapitaleinkünfte (1,1 Prozent) angekündigt, mit der ein Solidaritätseinkommen – eine neue Variante des französischen Kombilohns (Revenu de solidarité active, RSA) – finanziert und so Sozialhilfeempfänger und Alleinerziehende aus der Armut befreit werden sollen. Le Monde verteidigt den Plan gegen die große Kritik im Land. Die Reform sei gerecht und geschickt: Vor dem Hintergrund, dass Einkünfte aus der Arbeit bislang stärker besteuert wurden als Kapitaleinkünfte sorge Sarkozy für eine Angleichung, indem er den in 34 Départements bereits getesteten Kombilohn generalisiere. Dennoch bleibe die Steuerpolitik von Sarkozy inkohärent, da er – anders als im Wahlkampf versprochen – andere Steuern und Abgaben erhöhe.
Kolumbien schwimmt gegen den Strom
Der Immobiliensektor in Kolumbien habe sich dank des soliden Wirtschaftswachstums im vergangenen Jahr gut entwickelt, schreibt die kolumbianische Zeitung Dinero. Immer mehr Kolumbianer hätten Vertrauen gewonnen, sich ein Eigenheim zu kaufen. Denn auch die Finanzierungsmöglichkeiten für Familien seien besser geworden. In den ersten sieben Monaten des Jahres sei die Anzahl der vergebenen Hypotheken um 19 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode gestiegen. Im Immobiliensektor liege ein großes Potential. Als nächstes müssten die Zinsdeckel für Hypotheken abgeschafft werden, damit die Banken auch Kunden mit größerem Ausfallrisiko Hypotheken anbieten könnten, schlägt das Blatt vor.
Fundstück: Klogang nur mit Kreditkarte
Der Economist hat recherchiert, mit welchen Tricks die kerosinpreisgeplagten Billigfluglinien bei ihren Kunden noch ein paar Extra-Euro und Dollar herausleiern. Beim US-Flieger JetBlue müssten Passagiere bei mehrstündigen Flügen jetzt für Decken und Kissen bezahlen. Der Autor nimmt folgende Kabinendurchsage bei künftigen Flügen vorweg: „Guten Morgen, meine Damen und Herren, willkommen bei Geizhals-Airlines (…). Sollten Sie nach dem Start das WC besuchen, achten Sie darauf, dass die Anschnall-Zeichen erloschen sind, bevor Sie Ihren Sitz verlassen, und dass Sie eine gültige Kreditkarte mitnehmen. Diese können Sie durch das automatische Kartenlesegerät an der Toilettentüre ziehen. Die Preise für die Benutzung unserer preisgekrönten, hochmodernen Toiletten finden Sie auf der werbefinanzierten Informationskarte auf der Hinterseite Ihres Sitzes…“.
Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de
Mitarbeit: Charlotte Bartels, Maxim Kireev.



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